Von Jürgen Pander
Ein Cabrio ist ein Auto für Schwärmer, ein Wagen für Menschen, die gern Kompromisse schließen. Ein bisschen Sportwagen, ein bisschen Reiseauto, ein bisschen Repräsentationsmobil - ganz besonders gilt das für die größeren Modelle, also jene mit vier Sitzen und versenkbarem Dach, wie sie von BMW, Audi oder Mercedes gebaut werden. Und von Volvo. C70 heißt der Wagen, den die schwedische Marke seit Herbst 2005 im Programm hat und der kürzlich einer Renovierung unterzogen wurde, die das in Zusammenarbeit mit der italienischen Firma Pininfarina entwickelte Auto noch etwas prägnanter und schlüssiger macht.
Geändert wurden zum Beispiel viele Kleinigkeiten an der Frontpartie, die jetzt etwas forscher wirkt, außerdem kommen am Heck nun LED-Rücklichter zum Einsatz. Geblieben ist die insgesamt unaufgeregte, fast schon klassisch elegante Grundform. Der Volvo C70 ist ein langes, ruhiges Coupé-Cabrio - 4,61 Meter lang übrigens, um genau zu sein. Und trotz des dreiteiligen Stahl-Klappdaches, das im zusammengefalteten Zustand ein ordentliches Paket ergibt, wirkt das Heck weder plump noch aufgedunsen.
Den Preis der schicken Form zahlt der C70-Fahrer in Form des Verzichts auf Kofferraumvolumen. Sitzt das Dach auf dem Auto, fasst das Gepäckabteil 404 Liter, was absolut ausreichend ist. Kauern die Dachteile jedoch im Kofferraum, bleibt nur noch ein flacher Schacht mit einem Volumen von 200 Litern übrig. Das ist nicht viel, und die Luke, um dort etwas ein- oder auszuladen ist maximal 30 Zentimeter hoch - auch das erlaubt allenfalls schlanke Handgepäckstücke. Andererseits: Man darf an ein Cabrio natürlich nicht mit Kombi-Ansprüchen herantreten - es käme ja auch keiner auf die Idee, bei einem Avant- oder Touring-Modell ein wegklappbares Dach zu fordern.
Was uns, bei aller Einschränkungen im Heck und im auch nicht besonders üppig bemessenen Fond, aber richtig gut gefiel, war das Fahrgefühl, dass der Volvo C70 vermittelt. Der Wagen strahlt eine heitere Ruhe aus. Endlich mal ein Auto, dass nicht die Nordschleifen-Kompetenz heraushängen lässt, das nicht auf Krösus, Papagallo oder Casanova macht. Die Lenkung erscheint butterweich, und das ist als Kompliment gemeint. Das Fahrwerk gibt sich größte Mühe, dass alles glatt geht und das bei Volvo Powershift genannte Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe (Aufpreis 1740 Euro), das vom Zulieferer Getrag stammt, kümmert sich um ein ungestörtes Dahingleiten.
Der kleine Dieselmotor ist eine ausgezeichnete Wahl
Im Motorraum des im Farbton Polarweiß lackierten Testwagens brabbelte der kleinere der beiden Dieselmotoren, die für den C70 im Angebot sind. Während das größere Triebwerk aus fünf Zylindern 180 PS mobilisiert, tritt der Zweiliter-Diesel mit vier Zylindern und einer Leistung von 136 PS an. Das klingt nicht besonders aufregend, und eine Sportskanone ist der Wagen nun wirklich nicht. Aber er ist mit diesem Motor genau das, was ein Mittelklasse-Cabriolet sein sollte: ein lässiger Reisewagen - ideal zum Beispiel für sommerliche Ausflüge durch Småland.
Unser Testwagen war allerdings in Norddeutschland unterwegs und verbrauchte dabei im Schnitt 6,6 Liter Diesel. Offiziell nennt Volvo einen Durchschnittsverbrauch von 6,3 Liter für das Modell mit Doppelkupplungsgetriebe - eine erfreulich realistische Einschätzung offenbar, denn üblicherweise muss man mit mindestens ein bis zwei Liter mehr kalkulieren, als der Hersteller angibt. Dass ein Rußpartikelfilter zur Serienausstattung gehört ist klar, ebenso gehören dazu auch SIPS, ROPS, WHIPS und, gegen 920 Euro Aufpreis auch noch BLIS.
Im Innenraum blieb die Renovierung unentschlossen
Diese wunderlichen Namen stehen für Seitenaufprallschutz (Side Impact Protection System), Überschlagschutz (Roll Over Protection System), Schleudertraumaschutz (Whiplash Prototection System) und den Tot-Winkel-Assistenten (Blind Spot Information System) und sorgen dafür, dass im Falle eines Unfalls die Insassen so gut wie möglich geschützt sind, oder dass es eben gar nicht zu einem Unfall kommt, weil eine Signalleuchte im Außenspiegel anzeigt, dass sich ein anderer Verkehrsteilnehmer im toten Winkel schräg hinter dem Wagen befindet.
So rollt man also dahin im Volvo C70, öffnet bei Sonnenschein per Knopfdruck das Dach (was drei Elektromotoren vollautomatisch erledigen) und freut sich des Autofahrerlebens. Beim Blick auf die Armaturentafel freut man sich über die hübsch anzuschauende, neue Oberfläche, fragt sich aber gleich darauf, warum zum Beispiel die Blenden an den Türen oder am Handschuhfach im Gegensatz dazu so billig wirken. Und es gibt zwar viele Ablagen, doch sind die alle für Kleinkram gemacht. Eine Landkarte, ein Buch oder auch eine CD lassen sich nur schwer oder gar nicht verstauen. Kleine Schwächen gehören aber zu einem charakterstarken Auto dazu. Der Volvo C70 fällt in diese Kategorie, und das ist leider nicht mehr selbstverständlich heute.
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