Autogramm Volvo V40 D4 R-Design: Blaumann statt Biedermann

Von Jürgen Pander

Autogramm Volvo V40 D4: Sportschau auf Rädern Fotos
Jürgen Pander

Alltagsnutzen und ein ordentliches Preis-Leistungs-Verhältnis - nach diesen Kriterien werden in der Kompaktklasse Autos konzipiert. Volvo fährt mit dem V40 etwas neben der Spur. Man kann den Wagen zum Beispiel auch mit Fünfzylinder-Diesel und Tuning-Deko kriegen.

Meist sind Fahrzeuge der Kompaktklasse bodenständig. Man könnte auch sagen: langweilig. Oder aber: praktisch und alltagstauglich. Auf den Volvo V40 trifft das nur bedingt zu. Der ist erkennbar schwungvoller, mutiger, extrovertierter designt als viele Konkurrenzmodelle; leider ist das Auto auch unübersichtlicher, enger und unkomfortabler als zahlreiche Mitbewerber.

Insbesondere dann, wenn man die Sportvariante "R-Design" für 2600 Euro Aufpreis bestellt, die seit Anfang des Jahres verfügbar ist und zu der unter anderem 17 Zoll Leichtmetallfelgen zählen. So gut die großen Räder aussehen, so gnadenlos rattern sie über Bodenwellen und Straßenfugen. Man merkt schon nach ein paar Kilometern in diesem Auto, dass die Sonderstellung im Kreis der Kompaktwagen auch ein paar Nachteile bedeutet.

Worin besteht die Sonderstellung des Volvo V40? Zunächst einmal in der Optik mit dem ebenso bulligen wie modern geformten Karosseriekörper, der eine ausgeprägte Gürtellinie aufweist und in ein fast schon brutal geformtes Heck mit einer vergleichsweise kleinen Ladeklappe mündet.

Dann ist da die Motorenpalette, die auf Diesel sowie auf Benzinerseite auch einen Fünfzylindermotor bereithält. Im Motorraum unseres Testwagens steckte der stärkste Selbstzünder im Angebot, ein Fünfzylinder-Turbodiesel mit zwei Liter Hubraum und 177 PS. Und schließlich die schon erwähnte R-Design-Linie, die unabhängig von der Motorisierung geordert werden kann, um das Auto möglichst sportlich zu dekorieren - denn technisch ändert sich dadurch nichts.

Der Fünfzylinder-Diesel hat ordentlich Biss

R-Design, das bedeutet Chromschmuck an den Seitenfenstern, chromfarbene Außenspiegelgehäuse, zwei polierte Auspuffendrohre, Front- und Heckschürze, einen von innen beleuchteten, wirklich toll geformten Schaltknauf, spezielle Sitzpolster und Pedale, Digitalcockpit, Lederlenkrad und - es kommt eben auf die Details an - in Wagenfarbe lackierte Scheibenwaschdüsen. Außerdem sind Dachhimmel und Türsäulen mit schwarzem Stoff verkleidet, was den Fond noch düsterer und kleiner erscheinen lässt, als er ohnehin schon ist. Wer nicht gerade Höhlenforscher ist, wird sich auf den Rücksitzen eher unwohl fühlen.

Die besten Sitzplätze im V40 sind ohne Zweifel die in der ersten Reihe. Besonders der Fahrer darf sich in der Modellvariante D4 über einen austrainierten, laufruhigen und unter Last sonor brabbelnden Fünfzylinder-Diesel freuen, der locker mit dem Gewicht von beinahe 1,6 Tonnen klarkommt - logisch bei einer Leistung von 177 PS. An diesem Power-Diesel wirkt die Tuning-Dekoration der R-Design-Linie jedenfalls nicht unpassend oder peinlich, denn das Auto zieht kraftvoll an und wirkt auch bei höheren Geschwindigkeiten nie nervös oder überfordert.

Soll man es überhaupt noch erwähnen? Auch bei diesem Auto klaffen Norm- und Realverbrauch deutlich auseinander. 4,3 Liter je 100 Kilometer stehen im Datenblatt zum Volvo V40 D4, am Ende unserer Testfahrten lag der Durchschnittsverbrauch bei 6,3 Litern. Das ist ein Aufschlag von fast 50 Prozent, obwohl der Wagen keineswegs übertrieben forsch oder ausschließlich im Stadtverkehr bewegt wurde. Im Gegenteil: Einige längere Autobahnetappen bei Richtgeschwindigkeit machten das Gros der Testkilometer aus.

Schicke Armaturen, schlechte Ablagen

Konstruktiv ist der im vergangenen Herbst an den Start gegangene Volvo V40 das letzte Modell des Herstellers, das noch auf der Plattform des Ford Focus II basiert, die aus jener Zeit stammt, als Volvo noch zum US-Konzern gehörte (1999 bis 2010). Doch das ist kein Nachteil, denn das Fahrverhalten des Wagens ist ausgezeichnet. Und im Innenraum herrscht jene lässig-technoide Atmosphäre, die Autos der schwedischen Marke seit einigen Jahren auszeichnet. Hervorzuheben ist das sogenannte Digitalcockpit, eine vollanimierte Infoeinheit für den Fahrer, die sowohl ein klassisches Rundinstrument simuliert, als auch links und rechts davon Infografiken des Bordcomputers anzeigt, Schaltempfehlungen gibt oder per Poweranzeige die aktuelle Motor-Performance kundtut.

Was weiter auffällt, ist die gute Materialauswahl bei den Verkleidungen. Sämtliche Oberflächen im Interieur sehen gut aus und machen den Eindruck, als ob das auch in etlichen Jahren noch so sein wird. Solide wirkt das alles, auch wenn man sich etwas schlauer gemachte Ablagen wünscht. Denn eigentlich gibt es genug Staufächer, doch die sind entweder sehr klein oder nicht besonders gut zugänglich.

Um noch einmal auf die R-Design-Ausstattung zurückzukommen: Man kann die natürlich als rein oberflächlichen Sportlichkeitsschnickschnack kritisieren. Andererseits ist es so, dass offenbar genau das von einer nicht zu kleinen Zahl von Kunden gewünscht wird: nämlich eine sportlich-flotte Optik ohne gleich werweißwieviel PS oder ein knüppelhartes Fahrwerk unterm Blech zu haben.

Im vergangenen Jahr jedenfalls entschieden sich 17 Prozent aller Volvo-Kunden in Deutschland für ein R-Design-Modell. Beim V40 waren es bislang 11 Prozent, doch die Volvo-Leute sind zuversichtlich, dass dieser Anteil steigt. Bodenständig-unauffällige Autos gibt es in Kompaktklasse schon mehr als genug.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 35 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. und ...
herrwestphal 01.07.2013
... wieder die gewohnt langweiligen fotos von Herrn Pander. Will SPON nicht vielleicht mal jemanden anderen ranlassen. Der Hammer ist das Bild wo man eigentlich vor lauter Hafer das Auto nicht mehr sieht.
2. optional
jasper366 01.07.2013
Wie spannend hätten Sie denn Standfotos gerne? Das hier sollen ja auch keine künstlerisch anspruchsvolle Fotos sein sondern dem leser das Auto von allen Seiten zeigen, Bild 5 ist allerdings wirklich etwas 'Misslungen', da wäre ein Standortwechsel in der Tat nicht verkehrt gewesen. ;-)
3. Sind ...
herrwestphal 01.07.2013
Zitat von jasper366Wie spannend hätten Sie denn Standfotos gerne? Das hier sollen ja auch keine künstlerisch anspruchsvolle Fotos sein sondern dem leser das Auto von allen Seiten zeigen, Bild 5 ist allerdings wirklich etwas 'Misslungen', da wäre ein Standortwechsel in der Tat nicht verkehrt gewesen. ;-)
... Sie mit Herrn Pander verwandt? Schauen Sie sich mal die beiden vorherigen Fotoserien an. Toyota Auris Hybrid: Kompaktauto für ambitionierte Spritsparer - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/toyota-auris-hybrid-kompaktauto-fuer-ambitionierte-spritsparer-a-905539.html) Opel Zafira Tourer 1.6 CDTI: Debüt eines komplett neuen Dieselmotors - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/opel-zafira-tourer-1-6-cdti-debuet-eines-komplett-neuen-dieselmotors-a-906646.html) ... es wird einfach immer nur ins Grüne gefahren, Lichtbedingungen egal (offensichtlich auch keine Reflektor benutzend) und die Innenaufnahmen sind meist schlecht belichtet oder gar unscharf (auch schon gesehen).
4.
jasper366 01.07.2013
Zitat von herrwestphal... Sie mit Herrn Pander verwandt? Schauen Sie sich mal die beiden vorherigen Fotoserien an. Toyota Auris Hybrid: Kompaktauto für ambitionierte Spritsparer - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/toyota-auris-hybrid-kompaktauto-fuer-ambitionierte-spritsparer-a-905539.html) Opel Zafira Tourer 1.6 CDTI: Debüt eines komplett neuen Dieselmotors - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/opel-zafira-tourer-1-6-cdti-debuet-eines-komplett-neuen-dieselmotors-a-906646.html) ... es wird einfach immer nur ins Grüne gefahren, Lichtbedingungen egal (offensichtlich auch keine Reflektor benutzend) und die Innenaufnahmen sind meist schlecht belichtet oder gar unscharf (auch schon gesehen).
Nein bin ich nicht ;-) Aber um das ganze beurteilen zu können müßte man z.B. wissen wieviel Zeit der Autor hat (sprich wie lange ihm das Fahrzeug zur Verfügung steht, wieviele Personen er bei der Arbeit zur Verfügung hat, so ein Reflektor steht z.B. nicht von alleine. Dazu kamen in diesem bisherigen Sommer noch die Wetterumstände. Im Regen fotografiert sähe der Volvo auch nicht unbedingt besser aus... Also kommt u.U. noch ein schmales Zeitfenster dazu, etc. Perfekt ausgeleuchtete Bilder entstehen nur unter Bedingungen die viel Equipment benötigen (bzw. im Studio) Hier in der Nähe ist ein Fotostudio das auf Autofotografie spezialisiert ist. Studio Dernbach (http://studio-dernbach.de) http://www.micheldevries.de hier sind einige seiner Arbeiten zu sehen... Allerdings sollte man trotzdem schon in der Lage sein scharfe Innenaufnahmen hinzubekommen, da gebe ich Ihnen Recht.
5. Fotos sind doch völlig unwichtig.
UbuRoy 01.07.2013
Diese Möhren sehen doch sowieso alle gleich aus. Plastikbomber mit PC-funktionalität. Ein Witz. Lange her, das Volvo mal was eigenes und vor allem Charakter hatte.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Tests
RSS
alles zum Thema Fahrberichte
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 35 Kommentare
  • Zur Startseite
Facebook

Fahrzeugschein
Hersteller: Volvo
Typ: V40 D4
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Fünfzylinder-Turbodiesel
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.984 ccm
Leistung: 177 PS (130 kW)
Drehmoment: 400 Nm
Von 0 auf 100: 8,6 s
Höchstgeschw.: 220 km/h
Verbrauch (ECE): 4,3 Liter
CO2-Ausstoß: 114 g/km
Kofferraum: 335 Liter
Gewicht: 1.569 kg
Maße: 4369 / 1783 / 1420
Preis: 28.980 EUR
Fotostrecke
Volvo: Die Geschichte der Schweden im Überblick



Aktuelles zu