Von Tom Grünweg
Blue Motion, Efficient Dynamics, Blue Efficiency, Ecomotive oder Greenline - wer als Autohersteller mit der Zeit geht, pappt auf die jeweils sparsamsten Modelle ein spezielles Öko-Label. Bei Volvo heißen diese besonders genügsamen Fahrzeuge "DRIVe" und tragen ein schwungvolles, grünes E im Typenschild. Jüngster Zugang in der Flotte ist die Sparversion des Kombi V60, der längst Abschied genommen hat von der früheren Kanten-Optik und als schmucker Lifestyle-Laster gegen deutsche Fabrikate wie den BMW 3er Touring oder den Audi A4 Avant anritt.
Zu den vier Benzinmotorisierungen mit 150 bis 304 PS und den zwei Dieselaggregaten mit 163 oder 215 PS gesellt sich seit dem Sommer noch ein weiterer Selbstzünder: Der Vierzylindermotor verfügt über lediglich 1,6 Liter Hubraum und leistet magere 115 PS, ist dafür aber auf dem Prüfstand mit 4,5 Litern Kraftstoff je 100 Kilometer zufrieden. Damit braucht der Familienkombi kaum mehr Sprit als ein klassischer Zweitwagen - zumindest in der Theorie.
In der Praxis dagegen lässt sich der Wert kaum halten. Zwar kann man den Schalthinweis im Display unterhalb des Tachos nun wahrlich nicht übersehen. Und natürlich schaltet die Start-Stopp-Automatik den Vierzylinder bei fast jedem Ampelhalt nach dem Auskuppeln ab und wirft ihn wieder an, sobald man erneut die Kupplung tritt. Doch selbst wenn man sich wirklich Mühe gibt und den Gasfuß ganz leicht macht, ist der Kombi im alltäglichen Mix aus Stadtverkehr, Landstraße und Autobahn nicht unter mindestens fünf Litern zu fahren.
Wer das Sparmodell hetzt, wird mit Extradurst bestraft
Wenn man es mal etwas eiliger hat und vehementer Gas gibt, gönnt sich der vor allem gleich nach dem Start laut und vernehmlich grummelnde Vierzylinder auch mal acht oder neun Liter. Am Ende unseres Tests wies der Bordcomputer ein Mittel von 7,6 Litern aus. Natürlich ist das für einen Kombi diesen Ausmaßes - 4,63 Meter Länge, 1,6 Tonnen Gewicht, fünf Sitzplätzen und 430 Liter Kofferraumvolumen - kein schlechter Wert. Aber für einen Sparrekord reicht es selbstverständlich auch nicht. Um wirklich sehr sparsam unterwegs zu sein, fehlen dem Wagen spezielle Spritsparreifen, ein anders übersetztes Getriebe und eine windschlüpfigere Aerodynamik; und das Gewicht ließe sich sicher auch noch etwas reduzieren.
Dabei zahlt man schon für die jetzt vorgenommene Entziehungskur einen hohen Preis. Das ist nicht unbedingt monetär zu verstehen, denn für 29.150 Euro ist der Wagen immerhin das billigste Dieselmodell der Baureihe. Aber spätestens hinter dem Steuer muss man blechen, denn der Motor ist nicht nur lauter als erwartet, sondern auch lustloser. Der Wagen kommt einfach nicht so recht in Schwung: Erst nach einem Kunstpäuschen greifen die 270 Nm Drehmoment so richtig an und der Schwede schnürt davon. 11,3 Sekunden vergehen beim Beschleunigen aus dem Stand auf Tempo 100, als Höchstgeschwindigkeit sind 190 km/h möglich.
So lange man entspannt und gelassen durch die Landschaft gondelt, stets bei rund 2000 Umdrehungen in den nächsten Gang wechselt und kurz hinter dem Ortschild die sechste Fahrstufe einlegt, ist das alles in Ordnung. Aber wehe, wenn der Termindruck wächst und der Puls steigt. Dann muss man dem Motor kräftig die Sporen geben, viel zu oft ins gut gestufte Sechsgang-Getriebe greifen und den Vierzylinder weit über 3000 Touren drehen, damit Überholvorgänge nicht zum Vabanquespiel werden. Das nervt gleich doppelt, weil dann die Geräuschkulisse anschwillt und der Verbrauch in die Höhe schnellt. Etwas mehr Hubraum und etwas mehr Leistung wären daher gar nicht so schlecht.
Ein unaufgeregtes Auto, dessen Motor leider zu schlapp geraten ist
Das ist besonders schade, weil der V60 ansonsten ein sehr entspanntes Auto geworden ist: Die Sitze sind bequem, das Ambiente ist vornehm, man hat vorn viel und hinten ausreichend Platz. Und dass der Kofferraum selbst bei flachgelegten, dreiteiligen Rücksitzlehnen lediglich 1241 Liter fasst, kann man verschmerzen. Man muss ja auch mit einem Volvo nicht jedes Wochenende bei einem schwedischen Möbelhaus vorfahren.
Das Fahrwerk wiederum ermuntert durch die straffe Abstimmung, die präzise Lenkung und die kräftigen Bremsen eigentlich zu einer flotten Landpartie - doch das wäre nicht klug, siehe oben. Wie immer bei Volvo ist die Sicherheitsausstattung vorbildlich. Zwar kosten viele Assistenzsysteme extra und mit allen Optionen lässt sich der Preis fast verdoppeln, doch dann bremst das Auto im Notfall automatisch ab, hält selbsttätig den nötigen Abstand zum Vorausfahrenden ein, warnt beim unbedachten Spurwechsel und kontrolliert elektronisch die Aufmerksamkeit des Fahrers. Das ist beim Sparmodell besonders angeraten. Denn bei einer theoretischen Reichweite von fast 1300 Kilometern könnten die Pausen ein wenig zu kurz kommen.
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