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Volvo V60 Plug-in-Hybrid: Der Lademeister

Von Jürgen Pander

Volvo V60 Plug-In-Hybrid: Pralle Ladung Fotos
Jürgen Pander

Leise mit Strom auf der Kurzstrecke und trotzdem keine Angst vor langen Touren: Der neue Volvo V60-Plug-in-Hybrid ist vollgestopft mit feinster Antriebstechnik, inklusive intelligentem Tank. Das rechnet sich - vor allem für den Hersteller.

Manchmal sind es die unscheinbaren Dinge, die begeistern. Beim Volvo V60 Plug-in-Hybrid zum Beispiel zwei kleine Klappen. Unter der einen vorne links am Auto befindet sich die Stromladebuchse, über die der Lithium-Ionen-Akku des Autos ans Stromnetz angestöpselt und geladen werden kann. Deshalb heißt der Wagen Plug-in-Hybrid. Hinten rechts sitzt die zweite Klappe, darunter befindet sich der Einfüllstutzen für den Dieselkraftstoff. Der Kombi von Volvo kombiniert nämlich einen 2,4-Liter-Fünfzylinder-Turbodiesel unter der Motorhaube mit einer E-Maschine an der Hinterachse - er ist das erste Serienauto mit einem Plug-in-Diesel-Hybridantrieb überhaupt.

Die hintere Tankklappe sieht so simpel aus wie bei jedem anderen Auto auch, doch das täuscht. Denn in diesem Fall registriert der Klappmechanismus, wann er zuletzt betätigt wurde - auch das gibt es bei keinem anderen Pkw. Der Grund dafür sind Mikroorganismen, die im Wasseranteil des Dieselkraftstoffs (bis zu 200 mg Wasser pro Kilogramm Diesel sind zulässig) leben, sich mit der Zeit exponentiell vermehren und eine Art Algenschlamm bilden können. Im Tank normaler Dieselautos passiert das selten, da wird ja regelmäßig frischer Kraftstoff nachgefüllt; beim Volvo jedoch könnte es durchaus vorkommen, denn der Wagen fährt bis zu 50 Kilometer rein elektrisch.

Wer also regelmäßig den Akku lädt und dazwischen nur kürzere Strecken zurücklegt, kann wochen- oder monatelang herumfahren, ohne auch nur einen Tropfen Diesel zu verbrennen. Die Brühe im Tank wäre dann voller Schlauchpilze, Hefe- oder Cyanobakterien, und die würden Filter, Kraftstoffleitungen und Einspritzdüsen verstopfen. Damit es dazu nicht kommt, passt die schlaue Tankklappe auf. Wird sie fünf Monate lang nicht bedient, erhält der V60-Fahrer den Hinweis, mal wieder mit Dieselkraft zu fahren, damit frischer Sprit nachgetankt werden kann. Ist eine Frist von sechs Monaten mit unbenutzter Tankklappe verstrichen, wird das System automatisch aktiv: Dann lässt die Steuerelektronik das Auto zwangsweise vom Dieselmotor antreiben.

Wäre ja auch noch schöner, wenn irgendwelche Mikroorganismen ein Auto lahmlegen würden, das zu den ausgeklügeltsten überhaupt zählt. Genau genommen stecken unter dem Blechkleid des schmucken Mittelklasse-Kombis mehrere Autos:

  • ein kraftvoller Diesel-Reisewagen;
  • ein sparsames Hybridmodell;
  • ein komfortables Elektrofahrzeug;
  • ein robuster Allrader. Drückt der Fahrer die "AWD"-Taste (All Wheel Drive) auf der Mittelkonsole, treten beide Motoren in Aktion und treiben sowohl Vorder- (Selbstzünder) als auch Hinterräder (E-Maschine) an.

Erst sinnvoll, wenn man maximal elektrisch fährt

Wählen kann man auch zwischen den Fahrmodi "Power", "Hybrid" und "Pure", wobei letzterer am interessantesten ist, weil man dann rein elektrisch mit dem Auto durch die Gegend flüstert, und zwar bis zu einer Geschwindigkeit von 120 km/h. Wir haben das eine Woche lang ausprobiert: Immer abends den Wagen an die normale Garagensteckdose angeschlossen, tagsüber dann elektrisch im Stadtverkehr mitgemischt. Einfacher geht es nicht, und wer behauptet, das heimische Laden per Kabel sei irgendwie problematisch, der ist vermutlich einfach nur stinkfaul. Das Anschließen dauert keine Minute, die Bordelektronik meldet prompt, wann der Akku voll sein wird - das war's.

Während des Testzeitraums sind wir 186 Kilometer gefahren, meist in der Stadt, rund 50 Kilometer zügig auf der Autobahn. Der Volvo verbrauchte über diese Distanz 9,5 Liter Diesel und 31,8 kWh elektrische Energie; das bedeutete 10 Euro Spritkosten plus 8,40 Euro Stromkosten (eine Kilowattstunde Ökostrom für 26,44 Cent), was umgerechnet rund 9,90 Euro Energiekosten für 100 Kilometer bedeutet. Für dieses Summe erhält man bei den aktuellen Spritpreisen rund 10 Liter Diesel oder 8 Liter Superplus Benzin; mit anderen Worten: herkömmlich motorisierte Mittelklasseautos kommen fürs gleiche Geld mindestens 100, eher jedoch 150 Kilometer weit.

Die Rechnung zeigt - trotz vieler Variablen -, dass man mit dem Volvo V60 PiH eher nicht billiger fährt als mit einem vergleichbar großen Diesel-Pkw. Und auch der durchschnittliche CO2-Ausstoß war in unserem Fall mit 134 Gramm je Kilometer keineswegs besonders gering.

Wem nützt also ein Plug-in-Hybridauto?

Erste Antwort: dem Hersteller, weil sich so dank der gültigen Verbrauchsberechnung (die erste Akkuladung wird bei der CO2-Bilanz nicht mitgerechnet) zumindest auf dem Papier extrem sparsame Autos bauen lassen. Die helfen, den CO2-Flotten-Grenzwert zu erfüllen. Offiziell schluckt der Volvo V60 Plug-in-Hybrid 1,8 Liter je 100 Kilometer, was 48 Gramm CO2 je Kilometer entspricht.

Zweite Antwort: noch mal dem Hersteller, denn so werden sämtliche Komponenten eines Elektroantriebs unter realen Bedingungen von den Kunden getestet. Das liefert wertvolle Erfahrungen für die Entwicklung künftiger Elektroautos.

Dritte Antwort: in bestimmten Fällen auch dem Autokäufer. Nämlich dann, wenn er den Wagen so benutzt, dass ein Großteil der Fahrten rein elektrisch absolviert werden kann und der Dieselmotor nur selten zum Einsatz kommt. Denn dann fährt man ziemlich billig, und zudem (Ökostrom als Ladestrom vorausgesetzt) auch erfreulich CO2-arm.

Großartiges Fahrgefühl, absurde Vollausstattung

Dazu kommt noch ein weiterer Pluspunkt, denn das Auto ist, gerade im Elektromodus, ein wunderbar geschmeidiger Wagen - sehr leise und völlig vibrationsfrei. Wissen muss man jedoch, dass aufgrund des Akkupakets unterm Kofferraum das Ladeabteil lediglich 305 Liter fasst (statt 430 beim normalen Volvo V60). Und dass der Wagen mit gut zwei Tonnen Leergewicht viel zu schwer ist, um als zukunftsweisendes Alternativkonzept in Betracht zu kommen.

Der Grund dafür ist eine scheinbar festgefügte Kausalkette: Ein Plug-in-Hybridauto ist aufgrund der Zusatztechnik (E-Motor, Akku) schwerer und teurer als ein normaler Wagen; für den hohen Preis erwarten die Kunden eine Vollausstattung; die vielen Extras bedeuten zusätzliches Gewicht; das hohe Gewicht konterkariert die Spritspartechnik.

In unserem Testwagen steckten praktisch alle Extras, die die Volvo-Regale so hergeben. Überdies war er mit der "R-Design"-Ausstattung bestückt, zu der gehören unter anderem 18-Zoll-Räder, die im Vergleich zur 16-Zoll-Standardbereifung circa einen halben Liter Mehrverbrauch bedeuten, sowie eine Auspuffanlage "mit zwei polierten Endrohren", die optisch deplatziert wirkt an einem Auto, das zur Hälfte seines Wesens ein Elektromobil ist.

Manchmal können einen kleine Details auch in die Verzweiflung treiben.

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insgesamt 89 Beiträge
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1. Nicht ganz!
deesdrei 01.02.2015
Zitat: " ... Der Kombi von Volvo kombiniert nämlich einen 2,4-Liter-Fünfzylinder-Turbodiesel unter der Motorhaube mit einer E-Maschine an der Hinterachse - er ist das erste Serienauto mit einem Plug-In-Diesel-Hybridantrieb überhaupt." - Ist er leider nicht. Der erste Hybrid mit Dieselmotor war der DS5 Hybrid4 aus dem Hause Citroen. Er hatte einen 165-PS-Turbodiesel, der die Vorderräder antrieb und einen 36-PS-E-Motor an der Hinterachse. Wahlweise konnten beide Aggregate parallel betrieben werden (4WD) oder der E-Motor fungierte als Booster für den Diesel. Der DS5 konnte bis zu 3 km rein elektrisch fahren, die Akkus wurden per Rekuperation der Bremsenergie und über die LiMa geladen. So kann immer wieder auch elektrisch gefahren werden. Funktionierte recht ordentlich, das ganze, kostete aber auch eine Kleinigkeit - 44.000 Euro waren dann doch eine (zu) hohe Ansage für die hiesigen Käufer des den DS5 Hybrid4, weswegen PSA die Produktion vorerst stoppte. Künftig wird es den DS5 Hybrid, nicht zuletzt auf Wunsch des chinesischen Marktes, mit einem Benzinmotor geben.
2. Brutaler Verbrauch
specialsymbol 01.02.2015
Wie bitte schafft man es mit einem Diesel(!) 9.5l für 186 Kilometer zu verbrauchen, davon auch noch ein kleiner Teil elektrisch? Mit einer oberen Mittelklasselimousine eines deutschen Herstellers komme ich gerade auf knapp mehr als 5l / 100km. Ebenfalls zügiger(!) Stadt/Autobahn-Mix. Allerdings leider ohne elektrische Hilfe.
3. Lachhaft...
ironassi 01.02.2015
....aber evtl ein notwendiger Zwischenschritt zum E-Auto Ein leicht umgebauter Prius II (Plug In +4KWH) verbraucht übrigens je nach Streckenprofil ca 8kw/h und 2,5l/100km
4. Ausgewogene Seitenansicht???
jrzz 01.02.2015
Bild 6: "Schicke Linie: Schnörkellos und gut ausbalanciert steht der Volvo V60 auf der Straße." Hm... Sieht eher aus wie so gut wie jedes "moderne" AUto: viel Blech, wenig Glas = die üblich Panzer-Sehschlitz-Optik. Und das Kofferraumvolumen... Hey - wir reden von einem VOLVO!!! Einfach lächerlich... Da lobe ich mir meinen guten, alten 940er. Klar, ist kein Hybrid, hat die Sprizigkeit einer Wanderdüne, verbraucht nach landläufiger Meinung viel zu viel - aber er hat Charakter.
5. Laden unproblematisch?
1616 01.02.2015
Zitat "Wer behauptet, das heimische Laden per Kabel sei irgendwie problematisch, der ist vermutlich einfach nur stinkfaul." Der Autor parkt sein Auto wohl nicht in einer Großstadt auf der Straße, mal hier, mal dort, je nachdem, wo abends gerade etwas frei ist, wenn man von der Arbeit kommt. - Für mich als Dorfbewohner im EFH mit Garagen ist das kein Problem.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Volvo
Typ: V60 Plug-in-Hybrid "R-Design"
Karosserie: Kombi
Motor: Fünfzylinder-Turbodiesel
Getriebe: Sechsgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.400 ccm
Leistung: 215 PS (158 kW)
Leistung (E-Motor): 68 PS (50 kW)
Drehmoment: 440 Nm
Drehmoment (E-Motor): 200 Nm
Von 0 auf 100: 6,1 s
Höchstgeschw.: 230 km/h
Verbrauch (ECE): 1,8 Liter
CO2-Ausstoß: 48 g/km
Kofferraum: 305 Liter
umgebaut: 1.116 Liter
Gewicht: 2.066 kg
Maße: 4635 / 1865 / 1484
Preis: 58.700 EUR


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