Autogramm Volvo XC 60 Auf die zarte Tour

Der XC 60 ist das meistverkaufte Auto von Volvo. Die neue Baureihe des SUV fährt sich im Vergleich zu Modellen deutscher Hersteller entspannter und weicher. Vor allem machen aber liebevolle Details den Unterschied.

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Der erste Eindruck: Kühl und kantenlos wie ein eingeschmolzener Eisberg.

Das sagt der Hersteller: Kombi is King? Diese Zeiten sind bei Volvo passé. Firmenchef Hakan Samuellson rühmt den SUV XC 60 als das mit Abstand wichtigste Modell der Marke. Die erste, vor acht Jahren noch unter der Regie von Ford eingeführte Generation, verkaufte sich mehr als eine Million Mal. Damit ist der XC 60 zum einen das meistverkaufte Volvo-Modell, zum anderen überflügelt er europaweit auch noch die Konkurrenzmodelle von Audi, BMW und Mercedes. Darauf weisen die Volvo-Leute immer wieder gerne hin.

Der "mit Abstand wichtigste Antrieb" in dem "mit Abstand wichtigsten Modell" wird laut Lutz Stiegler, Motoreningenieur bei Volvo, der Diesel sein. Die jüngste Nachricht, dass Volvo bald keine neuen Dieselmotoren mehr entwickeln wird, hat demnach zunächst keine Auswirkungen auf den XC 60. "Volvo hat unter allen Premiumanbietern mit gut 80 Prozent den höchsten Dieselanteil und ist darauf zur Erfüllung der CO2-Ziele auch erst einmal weiter angewiesen", sagt Stiegler.

Die aktuellen Selbstzünder-Aggregate seien gerade mal drei Jahre alt und bei den üblichen Laufzeiten wahrscheinlich auch für die dritte Auflage des XC 60 noch im Rennen. Richtig sei allerdings, sagt Stiegler, dass Volvo vermutlich nicht nochmal eine neue Generation von Dieselmotoren entwickeln werde, wenn die nächsten Grenzwerte einen Flottenverbrauch von weniger als 95 g CO2/km fordern.

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Autogramm Volvo XC 60: Derbe Kerbe

Das ist uns aufgefallen: Der Volvo XC 60 ist einfach anders als Konkurrenzmodelle - ohne dabei ins Extrem zu verfallen. Er ist nicht übertrieben sportlich wie ein Porsche Macan, nicht so multifunktional wie ein Land Rover Discovery und nicht so antiseptisch perfektioniert wie ein Audi Q5.

Konkrete Beispiele dafür: Das Innenraum-Ambiente wirkt insgesamt zwar sehr aufgeräumt, aber trotzdem nicht zu nüchtern - an einigen Stellen wurden wenige, aber um so traditioneller gestaltete Schalter und Taster hingetupft. Außerdem macht die Konsole zwischen Fahrer und Beifahrer einen ganz weichen Schwung und ist betont hell gehalten.

Den strammen und vermeintlich sportlichen Sitzen der Konkurrenz setzt Volvo ein Gestühl mit bequemer Weite und weicher Polsterung entgegen. Weil zudem die Bewegungsfreiheit für Knie und Schultern im neuen Modell noch einmal deutlich gewachsen ist, sitzt man im XC 60 besser und bequemer als in den meisten anderen SUVs dieser Kragenweite.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Volvo XC 60 - mit unserem 360-Grad-Foto:

Den größten Unterschied - vor allem zu den deutschen Konkurrenten - macht der Wagen allerdings beim Fahrverhalten. Der XC 60 beteiligt sich gar nicht erst am Rennen um die beste Spritzigkeit und Kurvenlage: Das Zusammenspiel von Federn und Dämpfern ist selbst im offenbar auch für Volvo unvermeidlichen "Dynamic"-Modus wolkenweich, die Automatik schaltet sanft, die Lenkung hat eher empfehlenden Charakter und auch das stärkste Modell kommt nicht mal ansatzweise auf jene 250 km/h Höchstgeschwindigkeit, die sich unter deutschen SUVs dieses Typs als Standard etabliert haben. Anders als der größte Volvo-SUV XC 90 vermittelt der XC 60 bei dieser Entschleunigungskur trotzdem noch ein gutes Gefühl für die Straße.

Zumindest der stärkere der beiden angebotenen Diesel-Vierzylinder macht im XC 60 eine sehr ordentliche Figur: Aus den zwei Litern Hubraum holt er 235 PS Leistung und bis zu 480 Nm Drehmoment, die dank eines speziellen Druckspeichers für den Turbo ohne Verzögerung abgerufen werden können. Entsprechend gut hängt der Motor am Gas.

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Das muss man wissen: Neben dem eben erwähnten 235-PS-Diesel gibt es noch einen Selbstzünder mit 190 PS. Außerdem im Angebot beim XC 60: Zwei Benziner mit 254 PS oder 320 PS. Das Top-Modell ist die Plug-in-Hybrid-Variante mit 407 realen PS, mit theoretischen 45 Kilometern elektrischer Reichweite und illusorischen 2,1 Litern Verbrauch.

Was Abmessungen und Ausstattung betrifft, unterscheidet sich der XC 60 kaum von anderen höherklassigen SUVs. Er fährt mit knapp 4,70 Meter Länge und einem Kofferraumvolumen von 505 bis 1432 Litern vor, hat mit Apple Carplay, Android Auto, Online-Navigation und einem gut gefüllten App-Store ein zeitgemäßes Infotainment und bietet dank vieler Assistenzsysteme ein engmaschiges Sicherheitsnetz.

Das System fürs teilautomatisierte Fahren heißt bei Volvo "Pilot Assist". Wenn eine Kollision mit dem Gegenverkehr droht, man von der Fahrbahn abkommt oder ein Auffahrunfall unausweichlich erscheint, dann bremst der XC 60 nicht nur, sondern unterstützt den Fahrer beim Ausweichen oder holt ihn zurück in die Spur.

Der Volvo XC 60 wird wohl weiterhin der Konkurrenz das Leben schwer machen - könnte aber auch zu einer Gefahr für seinen großen Bruder XC 90 werden: Das Design der neuen XC-60-Baureihe ist dem Riesen-SUV sehr ähnlich geworden; die Technik bei Antrieb, Assistenzsystemen und Infotainment ist fast identisch. Am Ende sind es nicht viel mehr als nur ein paar Zentimeter Länge und ein paar Liter Laderaum, die den Unterschied zum XC 90 ausmachen.

Die Nähe zum XC 90, die üppige Sicherheitsausstattung und die starken Motoren, die allesamt mit Allradantrieb und Achtgangautomatik gekoppelt sind, treiben natürlich den Preis in die Höhe. Wenn der XC 60 ab dem 22. Juli in den Handel kommt, muss man deshalb mindestens 48.050 Euro zahlen (und landet mit Buchung der gängigsten Extras spielend bei 60.000 Euro). Billiger wird es erst später, wenn schwächere Motoren, Frontantrieb und Schaltgetriebe den Preis näher an 40.000 Euro drücken.

Aber wem es aufs Geld ankommt, kann einfach den alten XC 60 kaufen: Denn nachdem die erste Baureihe im vergangenen Jahr noch mal einen Verkaufsrekord erzielen konnte, hat Volvo die Produktion über den Modellwechsel hinaus zumindest bis in den Herbst verlängert - und zugleich die Preise gesenkt.

Das werden wir nicht vergessen: Die liebevollen Details, wie zum Beispiel den in einen Siegelring eingefassten Startknopf zum Drehen, den Innenspiegel mit dem rahmenlosen Glas - und vor allem die kleine Kerbe auf der Aluminiumschiene unter den Lüftungsdüsen: Was auf den ersten Blick aussieht wie ein Fabrikationsfehler ist eine technisch notwendige Dehnfuge - die sich bei genauem Hinsehen als schwedische Flagge entpuppt.

Die stilisierte Schweden-Flagge
Volvo

Die stilisierte Schweden-Flagge

Fahrzeugschein
Hersteller: Volvo
Typ: XC 60
Karosserie: SUV
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.969 ccm
Leistung: 235 PS (173 kW)
Drehmoment: 480 Nm
Von 0 auf 100: 7,2 s
Höchstgeschw.: 220 km/h
Verbrauch (ECE): 5,5 Liter
CO2-Ausstoß: 144 g/km
Kofferraum: 505 Liter
umgebaut: 1.432 Liter
Gewicht: 1.990 kg
Maße: 4688 / 1902 / 1658
Preis: 52.600 EUR
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insgesamt 119 Beiträge
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Seite 1
ffmfrankfurt 23.05.2017
1.
Tolles Auto mit individuellem Design – besonders für Letzteres steht Volvo ja immer noch. Die anderen genannten kleinen SUVs gehen doch eher in der Masse unter. Etwas teuer, aber ich würde ihn sofort kaufen wenn wir denn einen neuen Wagen bräuchten.
rocketsquirrel 23.05.2017
2. SUV-Hater in 3...2...1...
GO!GO!GO! Schönes Design, nette Details, gelungenes Auto - auch wenn ich mir nicht leisten kann.
Stefan_G 23.05.2017
3. Volvo ist in guter Gesellschaft ..
... mit den deutschen Premiumherstellern - sie erkennen alle die Zeichen der Zeit nicht. Man baut eines Nachfolger zur seit 2008 verkauften 1. Modellreihe, die Maße sind praktisch unverändert, die 2. Generation ist aber mal eben 400 kg schwerer. Die hier angegebenen 1990 kg sind hierbei noch getrickst, nach der seit 2007 gültigen Definition wiegt dieses Fahrzeug leer 2081–2394 kg (Angabe in wikipedia). Kein Wunder dass man sich hier am Diesel-Motor festklammern muss. Gar nicht zu reden davon dass man die Frechheit hat, dessen Verbrauch mit 5,5 L/100km anzugeben.
Shlomo Spitzberg 23.05.2017
4.
Optisch ganz nice, aber leider gibt's bei Volvo nur noch maximal 2L Hubraum, selbst im dicken XC90 oder V90. Damit ist diese Marke einfach keine Option mehr im "Segment 50000EUR+".
Stefan_G 23.05.2017
5. zu #3
Zitat von Stefan_G... mit den deutschen Premiumherstellern - sie erkennen alle die Zeichen der Zeit nicht. Man baut eines Nachfolger zur seit 2008 verkauften 1. Modellreihe, die Maße sind praktisch unverändert, die 2. Generation ist aber mal eben 400 kg schwerer. Die hier angegebenen 1990 kg sind hierbei noch getrickst, nach der seit 2007 gültigen Definition wiegt dieses Fahrzeug leer 2081–2394 kg (Angabe in wikipedia). Kein Wunder dass man sich hier am Diesel-Motor festklammern muss. Gar nicht zu reden davon dass man die Frechheit hat, dessen Verbrauch mit 5,5 L/100km anzugeben.
Das war ein copy-paste-Problem, natürlich wiegt auch ein Volvo keine 20.000 Tonnen. Gemeint war "... Fahrzeug leer 2081 - –2394 kg..."
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