Volvo XC70 T6: Wikinger für widrige Wege

Von Tom Grünweg

Wer ein offroadtaugliches Auto ohne das soziale Stigma eines SUV sucht, für den könnte der Volvo XC70 interessant sein. Der Geländekombi wirkt äußerst ansprechend - aber nur, solange man Preis und Verbrauch ausblendet.

Trotz hoher Spritpreise und Klimadiskussion: Manchen schwirrt immer noch der Traum vom ganz großen automobilen Abenteuer durch den Kopf. Es geht um das "Ich-könnte-wenn-ich-wollte"-Gefühl. Man fährt zwar mit seinem Auto nie auf die Schotterpiste - will aber trotzdem Bodenblech, Allradantrieb und dicke Reifen.

Wer so etwas mag, der muss sich inzwischen keinen Geländewagen mehr kaufen, denn mittlerweile haben die Hersteller eine Reihe von Kombis im Angebot, die fast genauso weit kommen wie klassische Allradler. Außerdem sind diese Autos nicht so verfemt wie SUVs. Einer der ersten in dieser Riege war der Volvo XC70, der im Frühjahr dezent überarbeitet wurde. Seitdem gibt es den Wikinger für widrige Wege auch mit einem Sechszylinder-Turbomotor mit 285 PS. Das in Reihenbauweise konstruierte Dreiliter-Aggregat läuft ruhig und gelassen, die sechsstufige Automatik wechselt die Gänge sanft und wohlüberlegt und der Antritt ist bei einem maximalen Drehmoment von 400 Nm ordentlich. Doch je mehr Fahrt der T6 aufnimmt, desto schneller geht ihm die Puste aus. Der Sprintwert von 7,6 Sekunden passt zwar zum Anspruch, aber eine Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h ist in dieser Leistungsklasse kein Ruhmesblatt.

An der Tankstelle bestätigt der XC70 eine böse Vorahnung. Aus dem offiziellen Verbrauchswert von 11,5 Litern werden im Alltag auf jeden Fall mehr als zwölf. Etwas besser schneiden die beiden Dieselvarianten ab, die Volvo neben dem T6 für das Modell XC70 anbietet.

Beim Fahrwerk gelang Volvo die Balance aus Reisen und Rasen. So gibt der XC70 den bequemen Langstrecken-Läufer, aus dem man auch nach vielen Stunden entspannt aussteigt. Auf kurvigen Strecken allerdings gereichen dem Volvo sein Gewicht von knapp zwei Tonnen und die leichtgängige Lenkung jedoch zum Nachteil; bisweilen braucht er deshalb ein wenig mehr Auslauf, bis er die Kurve kriegt.

Da hilft auch das aktive Fahrwerk nur bedingt. Zwar lassen sich die Dämpfer in drei Stufen verhärten, doch zum Sportwagen taugt der Geländekombi auch mit dieser 1350 Euro-Investition nicht. Zumal sich beim Volvo, anders als bei der Konkurrenz, tatsächlich nur das Fahrwerk verstellen lässt, und nicht auch Lenkung, Motorsteuerung oder Getriebe.

Während der XC70 gewöhnlichen Kombis auf dem Asphalt vielleicht ein wenig hinterher fährt, geht er jenseits der Bordsteinkante in die Pole-Position: 21 Zentimeter Bodenfreiheit, ein Unterfahrschutz und vor allem der Allradantrieb mit variabler Kraftverteilung und elektronischer Bergabfahrhilfe nehmen jeder unbefestigten Route den Schrecken. Skipiste, Badestrand, Jagdhütte, Baggersee, Bergrestaurant oder Yachtanleger - egal wohin es einen in der Freizeit auch verschlägt, mit dem XC70 kommt man an.

Feiner Laderaum, üppiges Sicherheitspaket

Ein weiteres Plus des 4,84 Meter langen Schweden ist sein ebenso großer wie praktischer Laderaum. Er fasst bei voller Bestuhlung 575 Liter, kann auf bis zu 1600 Liter erweitert werden und zeugt mit vielen pfiffigen Details von der dreigeteilten Rückbank über die hydraulisch bewegte Luke zum Souterrain bis hin zu den Befestigungssystemen in Boden und Wänden von den fünf Jahrzehnten Erfahrung, die Volvo mit Kombimodellen hat. Die Bedienung der Gepäckraumabdeckung jedoch bietet noch Gelegenheit für Verbesserungen.

Passabel ist auch das Sicherheitspaket: Neben sechs Airbags, aktiven Kopfstützen und dem Schleuderschutz ESP gibt es auch ein Radarauge für den toten Winkel, und zudem wacht die Elektronik über die Einhaltung der Ideallinie und mahnt den Fahrer zur Pause, wenn seine Aufmerksamkeit nachlässt. Und falls man zu dicht auffährt, flackert erst ein Warnlicht in der Frontscheibe, dann schlägt das System akustisch Alarm. Und wenn der Crash nicht mehr zu vermeiden ist, mindert eine automatische Vollbremsung zumindest die Unfallfolgen. Für das Paket verlangt Volvo rund 2000 Euro Aufpreis.

Lange Aufpreisliste, happige Preise

Überhaupt ist die Liste der Extras ungewöhnlich lang. Mit feinem Leder für die klimatisierten Sitze, Soundpaket, DVD-Monitoren in den Kopfstützen, Schiebedach, Navigationssystem, elektrischen Helfern in den Sitzen oder bei der Bedienung der Heckklappe sowie mit Xenonleuchten wird der XC70 zum Luxusliner, der es mit jeder Oberklasse-Limousine aufnehmen kann. Allerdings gilt das dann nicht nur für den Komfort, sondern auch für den Preis: 30 bis 40 Prozent Aufschlag auf den Grundtarif sind rasch erreicht.

Hoher Verbrauch und hohe Preise - das frisst viele Vorteile des Geländekombis auf. Und auf einmal erscheinen SUV-Modelle wie den kleinere Volvo XC60 oder den größere XC90 wieder attraktiv. Unter dem Strich ist der XC70 einem echten Geländewagen daher viel näher, als es vielen Kunden lieb sein dürfte.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Tests
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite
Fahrzeugschein
Hersteller: Volvo
Typ: XC 70
Karosserie: Kombi
Motor: Sechszylinder-Benziner
Getriebe: Sechsgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.953 ccm
Leistung: 285 PS (210 kW)
Drehmoment: 400 Nm
Von 0 auf 100: 7,6 s
Höchstgeschw.: 210 km/h
Verbrauch (ECE): 11,5 Liter
CO2-Ausstoß: 269 g/km
Kofferraum: 575 Liter
umgebaut: 1.600 Liter
Versicherung: 17 (HP) / 24 (TK) / 24 (VK)
Preis: 51.930 EUR

Fotostrecke
Volvo XC 70: Zwischen Kombi und SUV

Aktuelles zu