Autogramm VW Amarok V8 Passion Die Pritsche prescht an

Mehr Leistung für den VW Amarok: Ein Tuner aus Ostfriesland rüstet den Pick-up mit einem Achtzylinder aus. Dank 410 PS, Chrom und Alcantara wird aus dem Laster ein Luxuswagen. Einen prominenten Fan für den Wagen gibt es schon.

Von

Tom Grünweg

Der erste Eindruck: Moment mal, gehört dieses Auto nicht eher auf eine Baustelle oder auf einen Bauernhof? Auf der linken Spur einer Autobahn jedenfalls hat der VW Amarok eigentlich nichts zu suchen.

Das sagt der Hersteller: "Wir wollten mal zeigen, was wir drauf haben", sagt Volker Kahle, Manager beim Fahrzeugbauer Dirks und Initiator des Projekts "V8 Passion". Normalerweise arbeitet das Emdener Unternehmen hinter den Kulissen und rüstet beispielsweise im Auftrag von VW Serienautos in Streifenwagen oder in andere Behördenfahrzeuge um. Nun trat es erstmals auch als Tuner hervor.

Dass die Wahl auf den Pick-up Amarok fiel, hat vor allem zwei Gründe: Erstens gibt es da kaum Konkurrenz, und zweitens liegen bei kaum einem anderen VW-Modell für einen Teil der Zielgruppe Wunsch und Wirklichkeit so weit auseinander. Viele Kunden nutzen den Pritschenwagen privat und bestellen mehr Extras als für die meisten anderen Baureihen. Nur einen leistungsstarken Motor ab Werk konnten sie nicht ordern.

Mit dem Ingolstädter Tuner MTM hat Kahle rasch einen Partner gefunden. So entstand der Amarok V8 Passion. In Wolfsburger hat der Extrem-Pick-up bereits seine Fans gefunden. Kahle: "Der VW-Vorstand hat sich das Auto schon angesehen und war begeistert."

Das ist uns aufgefallen: Eine Sitzposition wie im Lastwagen, dazu Sportwagen-Gene - mit dieser Kombination ist der Amarok V8 Passion ziemlich einzigartig. Schon ein leichter Druck aufs Gaspedal löst ein wütendes Brüllen aus und der gewaltige Brocken wirft sich mit Macht nach vorn. Wenn man tatsächlich in 6,0 Sekunden von 0 auf 100 beschleunigt, wird einem bereits an Bord einer normalen Limousine ein bisschen warm ums Herz. Aber wenn dies in einem Pick-up geschieht, ist das richtig aufregend.

Möglich macht das Erlebnis ein ziemlich abgefahrener Antrieb: Wo das VW-Motorenangebot beim Vierzylinder-Diesel mit 180 PS endet, montieren die Firmen Dirks und MTM einen getunten V8-TDI aus dem Touareg in den Motorraum. Ab Werk leistet die Maschine 340 PS und entwickelt 800 Nm Drehmoment, in diesem Fall kommt der 4,2 Liter große V8-Motor auf 410 PS und bis zu 930 Nm, was die ebenfalls aus dem Touareg übernommene Achtgang-Automatik durchaus herausfordert. Und der Verbrauch? Einen Normwert gibt es für das Auto noch nicht, aber mit ein bisschen Zurückhaltung könne man mit zwölf Litern je 100 Kilometer auskommen, schätzt Kahle. Es kann aber auch doppelt so viel sein, wenn man es krachen lässt.

Nicht nur die Fahrleistungen bewegen sich in anderen Dimensionen als bei gewöhnlichen Nutzfahrzeugen, auch sonst hat dieser Amarok nichts mehr mit einem gewöhnlichen Pritschenwagen gemein. Damit man bis zu 240 km/h Höchstgeschwindigkeit halbwegs komfortabel und vor allem sicher abrufen kann, poltert der Amarok nicht mehr mit Blattfedern über die Autobahn, sondern verfügt über eine Luftfederung an der Hinterachse. Und damit die Fuhre verlässlich zum Stehen kommt, greifen pizzagroße Scheibenbremsen zu. Auch das Ambiente wurde aufgewertet: aufwendig vernähte Alcantara-Polster, belederte Türverkleidungen, Chrom und Karbon im Cockpit und jede Menge Zierrat machen aus dem Auto einen Laster voller Luxus.

Das muss man wissen: Noch ist der Amarok V8 Passion ein Prototyp. Aber nach den Sommerferien soll die Serienproduktion beginnen. Vor Jahresende sollen dann die ersten Modelle ausgeliefert werden. Dass der Amarok V8 Passion zwischen 180.000 und 200.000 Euro kosten wird, scheint kein Hemmschuh fürs Geschäfts zu sein. Im Gegenteil, sagt Kahle stolz: "Es gibt bereits 30 ernsthafte Interessenten aus aller Welt."

Das werden wir nicht vergessen: Wer am Steuer des Amarok über die linke Spur fliegt, der erlebt eine unvergessliche Art der Beschleunigung, weil man viel aufrechter und entspannter sitzt als in einem Sportwagen. Die Wucht der 2,5 Tonnen Fahrzeuggewicht sind dadurch deutlicher zu spüren. Dabei registriert man so viele ungläubige Gesichter, dass allein deren Anblick jeden Euro für den Umbau wert ist.



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Seite 1
trader_07 18.07.2014
1. Ist ja alles ganz nett...
Zitat von sysopTom GrünwegMehr Leistung für den VW Amarok: Ein Tuner aus Ostfriesland rüstet den Pick-up mit einem Achtzylinder aus. Dank 410 PS, Chrom und Alcantara wird aus dem Laster ein Luxuswagen. Einen prominenten Fan für den Wagen gibt es schon. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/vw-amarok-v8-tuning-fuer-den-pick-up-von-volkswagen-a-980974.html
Ist ja alles ganz nett. Macht auch sicherlich viel Spaß, diesen Amarok zu fahren, weil er jetzt endlich mal gescheit motorisiert ist. Aber mal ganz ehrlich: Wer einen richtigen Pick-Up sucht, kauft doch nie im Leben einen Amarok.
Bundeskanzler20XX 18.07.2014
2. 6x6 AMG
Zitat von trader_07Ist ja alles ganz nett. Macht auch sicherlich viel Spaß, diesen Amarok zu fahren, weil er jetzt endlich mal gescheit motorisiert ist. Aber mal ganz ehrlich: Wer einen richtigen Pick-Up sucht, kauft doch nie im Leben einen Amarok.
Das ist wohl war, ich fage mich auch warum folgendes im Artikel steht: "Eine Sitzposition wie im Lastwagen, dazu Sportwagen-Gene - mit dieser Kombination ist der Amarok V8 Passion ziemlich einzigartig..." Wasn mitm Touareg, ist doch auch ein Fahrzeug mit erhöhter Sitzposition und einer ausreichenden Leistung. Oder auch die dicken Amerikanischen Pickups wie dem Dodge RAM? Ich kenne die Leistungsdaten zwar nicht aber so ganz ohne sind die Schuhkartons aus Amerika auch nicht... Wer wirklich Pickup fahrn möchte der wählt den Mercedes 6x6 AMG. Neben dem sehen auch die dicksten Pickups aus wie Kleinwagen
zipfiklatscher63 18.07.2014
3. Coole Kiste
Auch wenn jetzt gleich alle Grünlinge der Welt loslegen. ..ich find die Kiste einfach cool. Ich mach mir hier auch keine Sorgen wegen der Umwelt....das Teil wird nur in homöopathischen Mengen produziert.
digitus_medius 18.07.2014
4. @zipflklatsche: keine Bange,
hier legen keine "Grünlinge" los. Die wissen namlich, dass nicht der Amorok das Problem ist. Sondern du mit deiner alten Stinkkarre und die entsprechenden Mühlen deiner "Freunde".
leseteufel23 18.07.2014
5. Die angepeilten Käufer...
...dieses bescheidenen Kleinwagens werden wohl vorwiegend russisch sprechen. Feine Eleganz und prolliger Anspruch mögen den gleichen Preis haben, den gleichen Anspruch formulieren sie aber nicht.
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