VW-Beetle: Kugelflitzer mit kleinen Schwächen

Ein Fahrbericht von

Der Urahn wurde zum Weltstar - doch der Nachfolger war nur ein Spielzeug auf Rädern. Jetzt hat VW den Beetle überarbeitet: Heraus kam ein Käfer, der sportlicher und sparsamer ist - und manche Versprechen nicht einhalten kann. 

VW-Beetle: Außen ein Käfer, innen ein Golf Fotos

Die erste Fernreise auf der Rückbank, der ganze Stolz des Führerscheinneulings oder einfach nur das Modell in der Spielzeugsammlung: Mit dem VW Käfer verbindet jeder eigene Erinnerungen. 70 Jahre und mehr als 22 Millionen Exemplare - der Dauerläufer aus Wolfsburg ist heute Synonym für das Auto und Mobilität schlechthin.

Nun kommt die zweite Neuauflage des Wagens - und eigentlich ist der Käfer für das 21. Jahrhundert unter seinem kugelrunden Blech nicht viel mehr als ein hübsch verkleideter Golf, mit dem er sich Achsen, Architektur und Antrieb teilt.

Die Premiere im April hat VW mit einem globalen Partynetzwerk zwischen Shanghai, Berlin und New York zelebriert. Für die erste Ausfahrt rund um Berlin haben die Niedersachsen eigens für drei Wochen eine Zeltstadt neben den Alexanderplatz gebaut, durch die sie nun rund 1000 Journalisten aus aller Herren Länder schleusen.

Sie alle bekommen ein Auto zu fahren, das für seine Entwickler Last und Lust zugleich gewesen ist. "Der Käfer hat die Welt bewegt. Dafür einen Nachfolger zu entwickeln, ist eine schwere Aufgabe", sagt Chefingenieur Hackenberg. Techniker und Designer haben diesmal genauer in den Rückspiegel geschaut als beim New Beetle von 1998, der nie mehr als ein Spielzeug auf Rädern war und deshalb in mehr als zehn Jahren Laufzeit auch nur rund eine Million Mal verkauft wurde.

Moderater Einstiegspreis

Die Brücke zum Original schlägt vor allem das Design: Der neue Beetle ist breiter, flacher und länger - und vor allem wieder runder geworden und hat nun beinahe den gleichen Schattenriss wie das Urmodell. Ganz nebenbei bietet er mit zwei Zentimetern mehr Radstand und 15 Zentimetern mehr Länge gegenüber dem Vorgänger jetzt mehr Platz für die Passagiere und einen um rund 100 auf 310 Liter gewachsenen Kofferraum. Der alte Beetle war ein Accessoire, der neue ist ein alltagstaugliches Auto. Wie der alte Käfer es war.

Auch beim Preis rücken Urahn und Enkel wieder zusammen. Der Beetle ist kein exklusives Vergnügen mehr, er will wieder ein Volkswagen sein und wird deshalb deutlich volkstümlicher positioniert: Mit einem Grundpreis von 16.950 Euro kostet er rund 2000 Euro weniger als ein vergleichbar motorisierter Golf. Mit aufwendigerer Ausstattung können es aber gerne auch mal 27.100 Euro werden.

VW verspricht mehr Fahrspaß, dafür sorgt Dynamik - die dem Original weitgehend fremd war. Wo früher 25, später auch knapp 50 PS reichen mussten, gibt es jetzt als vorläufige Spitzenmotorisierung einen zwei Liter großen TSI-Benziner, wie er ähnlich auch im Golf GTI zum Einsatz kommt. Er leistet 200 PS, geht mit bis zu 280 Nm zu Werke und macht den Beetle flott. Während die optionale Doppelkupplung die Gänge im Sportmodus schnell und knackig wechselt und gelegentlich auch mal einen Schuss Zwischengas gibt, beschleunigt der Wagen in 7,5 Sekunden auf Tempo 100 und prescht danach mit bis zu 223 km/h über die linke Spur.

Entwickler versprechen 25 Prozent Verbrauchsvorteil

Der Beetle, der in der Stadt breit und eher unübersichtlich gewirkt hat, wirkt nun leichtfüßig, handlich und agil. Der längere Radstand und die breite Spur sorgen für eine solide aber beim Sportmodell knackige Straßenlage, die Lenkung wirkt leichtgängig aber präzise und die elektronische Differentialsperre schiebt den Grenzbereich in Kurven noch ein Stück weiter in die Ferne. Gelungen ist den Ingenieuren der Sound des Vierzylinders: Er klingt - dank des verkürzten GTI-Auspuffs - fast ein bisschen so, als wäre er wieder im Heck montiert.

Der neue Beetle will auch sparsam sein. Laut Chefingenieur Hackenberg wurde der Verbrauch bei den zwei Dieseln und drei Benzinern von 105 bis 200 PS durchschnittlich um 25 Prozent gesenkt, der 105 PS starke Basisdiesel verbraucht 4,3 Liter. Doch das BlueMotion-Paket, ohne das es die Start-Stopp-Automatik und den Rekordverbrauch nicht gibt, kostet extra. Und diese Technik gibt es zudem nur für die beiden schwächsten Motoren. Der 200 PS-Motor schluckt dagegen auf dem Prüfstand 7,7 und in der Praxis gut und gerne 9,0 Liter.

Assistenzsysteme? ESP und Airbags müssen genügen

Dass der Beetle tatsächlich alles bietet, was der Konzern kann, und die Summe dessen verkörpert, was man von einem VW erwartet - das ist ein Versprechen, das der Käfer kaum halten kann. Zwar sitzt man tatsächlich besser als im Vorgänger, hat mehr Platz und kann es zur Not auch auf der Rückbank aushalten. Wohlwollend nimmt man das gelungene Innenraumdesign, das griffige Lenkrad, die ordentlichen Sitze und das Soundsystem der Gitarrenlegende Fender zur Kenntnis. Auch einige spezielle Käfermerkmale sind gelungen zitiert: die wahlweise schwarzen, karbongemusterten oder in Wagenfarbe lackierten Zierkonsolen, die traditionellen Halteschlaufen an der B-Säule und das zweite, in Käfermanier zum Klappen konstruierte Handschuhfach.

Doch wo es bei Golf und Co. jede Menge Assistenzsysteme gibt, müssen beim Neuzeit-Käfer die üblichen Airbags und das ESP genügen. Und wo sonst schon der Polo dem Ambiente des Phaeton nacheifert, sieht und fühlt man beim Beetle überraschend viel billiges Plastik: Die Anti-Rutschmatten in den Ablagen zum Beispiel oder die Deckel der beiden Handschuhkästen wollen nicht so recht zum sonst so hohen Qualitätsanspruch der Fugen-Fetischisten passen.

Die VW-Leute scheint das jedoch nicht anzufechten - sie planen für den Käfer die weltweite Karriere. Das kann man dem Auto ansehen. Auf Wunsch prangt unter dem VW Logo auf der bis weit ins Dach gezogenen Heckklappe der jeweilige Käfer-Spitzname in Landessprache: "Käfer" für die Deutschen, "Maggiolino" für die Italiener, "Vocho" für die Mexikaner oder "Beetle" für die Amerikaner. Und in den Ländern, in denen nur Wenige Erinnerungen mit dem Käfer verbinden, pappen die Niedersachsen einen Begriff aufs Blech, der auch verstanden wird: "Volkswagen".

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insgesamt 115 Beiträge
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    Seite 1    
1. ....
Pepito_Sbazzagutti 12.07.2011
"Heraus kam ein Käfer, der sportlicher und sparsamer ist - und manche Versprechen nicht einhalten kann." Zum Beispiel das Versprechen, ein Käfer zu sein. Merke: Kugelform allein macht noch keinen Käfer :-)
2. ...
debe 12.07.2011
Erst wenn man im Winter auf der Rücksitzbank nur die Wahl zwischen gegrillten oder festgefrorenen Füßen hat, kann aus dem Beetle ein echter Käfer werden. Gefällt mir aber trotzdem ... der nicht mehr ganz so kleine!
3. Aus einem Holz geschnitzt wie ...
mopsfidel 12.07.2011
---Zitat--- und eigentlich ist der Käfer für das 21. Jahrhundert unter seinem kugelrunden Blech nicht viel mehr als ein hübsch verkleideter Golf, mit dem er sich Achsen, Architektur und Antrieb teilt. ---Zitatende--- Nun, da sind der New Beetle und der Golf 6 nicht die einzigen Fahrzeuge, die sich das selbe Gestell (Platform) teilen. Unter der sogenannten A5 (PQ35) fahren noch ganz andere Autos mit der selben Architektur durch die Gegend: http://en.wikipedia.org/wiki/Volkswagen_Group_A_platform#A5_.28PQ35.29 Audi A3 Mk2 (8P) Volkswagen Touran (1T) Volkswagen Golf Mk5 / GTI / R32 / (1K) Škoda Octavia Mk2 (1Z) Volkswagen Jetta Mk5 (1K) SEAT León Mk2 (1P) Audi TT Mk2 (8J) Volkswagen Golf Mk6 (5K) Škoda Superb (3T) Volkswagen Jetta Mk6 (NCS) Volkswagen Beetle (2011-) Man merke: vieles ist nur geschicktes Marketing und ein passendes Metallkleid.
4. Feuchter Traum von Piech
wakaba 12.07.2011
Zitat von mopsfidelNun, da sind der New Beetle und der Golf 6 nicht die einzigen Fahrzeuge, die sich das selbe Gestell (Platform) teilen. Unter der sogenannten A5 (PQ35) fahren noch ganz andere Autos mit der selben Architektur durch die Gegend: http://en.wikipedia.org/wiki/Volkswagen_Group_A_platform#A5_.28PQ35.29 Audi A3 Mk2 (8P) Volkswagen Touran (1T) Volkswagen Golf Mk5 / GTI / R32 / (1K) Škoda Octavia Mk2 (1Z) Volkswagen Jetta Mk5 (1K) SEAT León Mk2 (1P) Audi TT Mk2 (8J) Volkswagen Golf Mk6 (5K) Škoda Superb (3T) Volkswagen Jetta Mk6 (NCS) Volkswagen Beetle (2011-) Man merke: vieles ist nur geschicktes Marketing und ein passendes Metallkleid.
Die Liste ist gleichzeitig auch die Rangliste der langweiligsten Autos und die Liste aller Autos mit Qualitätsproblemen in Langzeittests. Keins hält länger als 2000h. Gähn.
5. .
dante7210 12.07.2011
Über den Geschmack mancher Leute muss man sich doch sehr wundern. Was soll denn an dieser Karre hübsch sein?
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Fahrzeugschein
Hersteller: VW
Typ: Beetle
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzylinder-Turbo-Benzin-Direkteinspritzer
Getriebe: Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.984 ccm
Leistung: 200 PS (147 kW)
Drehmoment: 280 Nm
Von 0 auf 100: 7,5 s
Höchstgeschw.: 223 km/h
Verbrauch (ECE): 7,7 Liter
CO2-Ausstoß: 179 g/km
Kraftstoff: Super
Kofferraum: 310 Liter
umgebaut: 905 Liter
Preis: 27.100 EUR

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VW-Käfer-Archetypen: Frühformen eines Welterfolgs
Schnellcheck

VW Beetle

Einsteigen: ...weil man im Beetle immer ein Lächeln auf den Lippen hat, der Wagen besser aussieht und besser fährt als früher.

Aussteigen: ...weil nur das Basismodell einen attraktiven Preis hat, die Optionen dürftig sind und die Materialanmutung nicht so recht zum VW-Anspruch passen will.

Umsteigen: ...natürlich erst einmal aus Golf & Co, aber eigentlich auch aus dem Mini, dem Fiat 500 oder dem Citroën DS3.


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