VW Caddy Blue Motion: Freund der Familie

Von Jürgen Pander

Wer kein Problem damit hat, das gleiche Auto wie die Gemüsehändlerin oder der Installateur aus der Nachbarschaft zu fahren - der sitzt in einem Hochdachkombi richtig. Als Familienautos sind die von Lieferwagen abgeleiteten Modelle einfach prima - etwa der neue VW Caddy.

VW Caddy: Sparsamer Vieleskönner Fotos
Jürgen Pander

Seit kurzem ist der neue VW Caddy auf dem Markt. Der Platzhirsch unter den sogenannten Hochdachkombis erhielt ein rundum gestrafftes und der aktuellen VW-Optik angepasstes Design, einige neue Ausstattungsdetails wie etwa ESP in allen Varianten ab Werk sowie ein Tagfahrlicht, und er erhielt eine praktisch komplett neue Motorenpalette, in der nun sechs von sieben verfügbaren Aggregaten mit Turboaufladung und Kraftstoffdirekteinspritzung ausgerüstet sind.

Wir waren mit der sparsamsten Variante unterwegs, dem Caddy 1.6 TDI Blue Motion mit Fünfgang-Schaltgetriebe. Der Vierzylinder-Diesel leistet 102 PS und verbraucht laut Werksangaben im Schnitt 4,9 Liter je 100 Kilometer, was einen durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 129 Gramm je Kilometer ergibt. Serienmäßig an Bord ist eine Start-Stopp-Automatik, ein System zur Bremsenergie-Rückgewinnung, aerodynamisch optimierte Radlaufspoiler sowie rollwiderstandsarme Reifen. Das ist kein schlechtes Paket, zumal es Wirkung zeigt: Im Alltagstest von SPIEGEL ONLINE genehmigte sich der Wagen laut Bordcomputer zwischen 5,2 und 5,5 Liter Sprit je 100 Kilometer. Das ist zwar mehr als offiziell angegeben, aber immer noch ein sehr passabler Wert für ein Auto dieser Größe.

Der Caddy fährt sich flott und angenehm. Der Motor kommt mit dem rund 1,6 Tonnen schweren Auto gut klar, die Geräuschkulisse hält sich in Grenzen und insgesamt macht der Wagen einen ausgereiften und durchdachten Eindruck. Wer sich im Innenraum umschaut, den überfällt eine Art ruhige Langeweile, denn die Einrichtung ist ebenso praktisch wie unspektakulär. Das Handschuhfach ist recht klein geraten, dafür kann man in der Überkopfablage oberhalb der Windschutzscheibe ein mehrbändiges Konversationslexikon unterbringen. Albern dagegen sind die mickrigen Dachablagenetze im Fond - was sollte man dort wohl hinein- oder herausfummeln.

Für Familien empfehlenswert: die zweite Schiebetür

Ein Lob haben sich das dick gepolsterte, tadellos zu greifende Lenkrad sowie die darüber befehligte, neue, elektromechanische Lenkung verdient; und außerdem das klar gegliederte, schnörkellose Cockpit. Die Übersicht, so schien es uns, ist allerdings im Vergleich zum Vorgängermodell ein wenig schlechter geworden. Wo der Bug des Autos endet, ahnt man nur. Für die Kehrseite gibt es immerhin eine Einparkhilfe - zum Aufpreis von 315 Euro. Extra kostet übrigens auch die überaus praktische, zweite Schiebetür auf der linken Seite, und zwar 370 Euro. Aber das Geld ist perfekt angelegt, jedenfalls sofern man regelmäßig mit zwei Kindern unterwegs ist, die noch in ihre Sitze gehoben werden müssen. Bequemer geht's nicht.

Komfort spielt auch eine große Rolle, wenn es um den Transport von Gepäck geht. Der Laderaum des fünfsitzigen Caddy bei normaler Bestuhlung stellt bereits alles, was man von Kompaktautos, Limousinen oder Kombis sonst so kennt in den Schatten. Doch hier geht es erst los. Denn die Rückenlehnen der Fondsitze können nach vorne geklappt und dann auch die Sitzflächen umgeklappt werden. Wird die Sitzbank dergestalt "gewickelt", steht ein Ladevolumen von 2850 Liter zur Verfügung. Erstmals ist es nun jedoch auch noch möglich, die zweite Sitzreihe komplett auszubauen, wozu zwei Handgriffe und etwas Muskelkraft genügen. Dann wächst der Stauraum gar auf 3030 Liter, die Laderaumlänge auf 1,78 Meter.

Hoher Fahrkomfort, lange Aufpreisliste, großer Vorsprung

Was den Fahrkomfort betrifft, so hat VW dem Caddy jegliches Nutzfahrzeuggefühl längst ausgetrieben. Das Auto zum Basispreis von 16.903 Euro in der billigsten Variante fährt und benimmt sich wie ein ganz normaler Pkw. Beim Blick in die Preisliste jedoch fällt durchaus noch auf, dass dieser Wagen von der Nutzfahrzeugsparte des Hauses stammt - und in dieser Branche wird mit Centbeträgen gerechnet. Entsprechend lang ist die Liste der Details, die extra zugekauft werden können. Das reicht von Seiten-Kopf-Airbags für die vorderen Plätze (380 Euro) über die Dachreling (160 Euro) oder die Nebelscheinwerfer (140 Euro) bis hin zur "Frischluftansaugung mit Aktivkohlefilter" für 20 Euro extra.

Insgesamt jedoch ist der Caddy ein ordentliches Angebot - und man muss ja nicht bei jeder Kleinigkeit das Bestell-Kreuzchen machen. In Deutschland jedenfalls führt das VW-Modell die Klasse der Hochdachkombis deutlich an - mit 27.824 Neuzulassungen in den ersten elf Monaten dieses Jahres laut Kraftfahrt-Bundesamt. Auf den Plätzen folgen Citroën Berlingo (10.971), Renault Kangoo (6248), Peugeot Partner (4531) und Fiat Doblò (3175). Auch mit dem neuen Modell sieht es so aus, als bliebe der Caddy noch ein Weilchen auf dem Platz an der Sonne.

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1. Praktisch...
glücklicher südtiroler 25.12.2010
Zitat von sysopWer kein Problem damit hat, das gleiche Auto wie die Gemüsehändlerin oder der Installateur aus der Nachbarschaft zu fahren - der sitzt in einem Hochdachkombi richtig. Als Familienautos sind die von Lieferwagen abgeleiteten Modelle einfach prima - etwa der neue VW Caddy. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,736413,00.html
Recht angenehmer und guter Artikel... Der Markt für eher praktische und direkt von Nutzfahrzeugen abgeleiteten Modellen wird in Zukunft wohl noch weiter steigen. Der Nutzwert ist bei diesen Autos ohnehin größer als bei den gleichfalls nicht besonders emotionalen Modellen des gleichen Konzerns wie bsw. Golf/Passat-SW oder Octavia. Da kommt man mit dem Caddy wohl weit billiger weg, auch wenn das Fahrzeug, besonders der Innenraum etwas trist wirkt. Allerdings, wenn ich mir die Preislisten des Caddy anschaue und noch ein paar Ausstattungen dazunehme, kann das Ganze schnell recht teuer werden. Allerdings... Mit ein bißchen surfen, findet man leicht Modelle, die weitaus besser aussehen, gut ausgestattet und trotzdem recht günstig sind. Ein Beispiel... Einen Dodge Journey. :) http://www.wittkopp-automobile.de/auto-dodge-journey-eu-mod--se-2-4-mod--2010-sofort-inkl--r%C3%BCckfahrkamera-X2462.php Und das Netz ist voll von solchen Offerten... Daher, nicht eine Frage des Geldes sondern des Geschmacks ob man sich solch ein Personentransportnutzfahrzeug zulegt. Man bekommt fürs gleiche Geld oder auch weniger Modelle, die nützlich und dennoch emotionaler sind als ein Caddy, Doblo', Kangoo, Partner, meine Meinung. In diesem Sinne Frohe Festtage und einen Guten Rutsch... Viele Grüße aus Südtirol...
2. Ansprüche an den Kastenwagen
emantsol 25.12.2010
Zitat von glücklicher südtirolerMan bekommt fürs gleiche Geld oder auch weniger Modelle, die nützlich und dennoch emotionaler sind als ein Caddy, Doblo', Kangoo, Partner, meine Meinung.
Das stimmt nur bedingt. Ich habe mir vor dem Kauf des Caddy auch die Modelle der Mitbewerber angesehen. Eine halbwegs brauchbare Motorisierung mit einer zeitgemässen Automatik (DSG) gab/gibt es nur bei VW. Auch andere Details machen den Caddy auf dem Markt einzigartig. Ja, richtig, diese Dinge kosten teilweise viel Geld.
3. Daten falsch !
Daten falsch. 25.12.2010
Der Caddy 1,6 TDI 75Kw Bluemotion hat nicht wie angegeben 129g Co2 Ausstoß, sondern 134g Co2.
4. der neue vw caddy
6910p 25.12.2010
ist hoffentlich besser die der alte Mein Caddy Maxi, Bj2008, 1.9TDI Auto ist mit 1700kg zu schwer, der Motor passt nicht zu Gewicht bzw. ist viel zu leistungsschwach. Er klingt wie ein typischer Vertreter der Dieselmotoren aus den 70er Jahren. Die Verbrauchswerte sind selbst bei 100km/h auf der BAB deutlich zu hoch. Die Schiebefenster in den Türen sind bauart bedingt undicht. Auch mehrfache Werkstattbesuche ändern nichts daran. Die Mittelarmlehene ist zu tief um sie zu nutzen und dern linken bekomme ich auch nicht richtig unter. Wenn man die Rückbank umklappt muss man diese mit streben sichern, was den Platzgewinn wieder zunichte macht. Meine Rückbank war keine Woche im Auto dann ging es direkt in die Tiefgarage. Und die tollen Netze/Netzablagen sind der Witz schlechthin. Das Gepäckfangnetzt kann man nicht direkt hinter dem Fahresitz befestigen. Zu wenige Sicherungsösen im Kofferraum. Den neuen werde ich mir aber mal anschauen. Brauche nur MAXI, 4Motion, 6Gang, Tempomat und DVD/HDD Nav. OHNE! weitere Etxras
5. ...
rainman_2 25.12.2010
Ich hatte früher einen Kangoo, seit 4 Jahren einen Caddy. Das Fahrverhalten beim Caddy ist einiges besser als beim Kangoo, auch die Innengeräusche sind wesentlich schwächer (Wie die Verhältnisse heute sind weiß ich allerdings nicht). Dass man bei umgeklappten hinteren Sitzen zusätzlich das ganze mit Streben sichern muss, ist ein Nachteil und nimmt Platz weg, ich lasse die Streben meist weg und sichere die Sitze mit zusätzlichen Spanngummis, beim Kangoo braucht man das nicht, aber die Sitzbänke dort waren auch nicht so schwer und solide wie beim VW. Wer öfters längere Strecken unterwegs ist und das flotte Fahren nicht scheut, sollte sich schon eine stärkere Motorvariante aussuchen. Durch das hohe Dach sind solche Autos ziemlich windempfindlich gegenüber normalen PKWs, da kommt das hohe Gewicht dem Caddy aber zu Gute.
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Fotostrecke
Volkswagen-Historie: Vom KdF-Wagen zum Weltkonzern

Fahrzeugschein
Hersteller: VW
Typ: Caddy 1.6 TDI Blue Motion Technology
Karosserie: Kombi
Motor: Vierzylinder-Diesel
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.598 ccm
Leistung: 102 PS (75 kW)
Drehmoment: 250 Nm
Von 0 auf 100: 12,9 s
Höchstgeschw.: 170 km/h
Verbrauch (ECE): 4,9 Liter
CO2-Ausstoß: 129 g/km
Kofferraum: 920 Liter
umgebaut: 3.030 Liter
Versicherung: 17 (HP) / 17 (TK) / 15 (VK)
Preis: 20.807 EUR

Schnellcheck

VW Caddy

Einsteigen: ...weil es kaum ein praktischeres Auto für die Familie gibt.

Aussteigen: ...weil die Optik gar so lustlos und uninspiriert wirkt.

Umsteigen: ...aus Autos wie Citroën Berlingo, Renault Kangoo, Peugeot Partner oder Fiat Doblò.


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