VW Caddy Blue Motion: Freund der Familie
Wer kein Problem damit hat, das gleiche Auto wie die Gemüsehändlerin oder der Installateur aus der Nachbarschaft zu fahren - der sitzt in einem Hochdachkombi richtig. Als Familienautos sind die von Lieferwagen abgeleiteten Modelle einfach prima - etwa der neue VW Caddy.
Seit kurzem ist der neue VW Caddy auf dem Markt. Der Platzhirsch unter den sogenannten Hochdachkombis erhielt ein rundum gestrafftes und der aktuellen VW-Optik angepasstes Design, einige neue Ausstattungsdetails wie etwa ESP in allen Varianten ab Werk sowie ein Tagfahrlicht, und er erhielt eine praktisch komplett neue Motorenpalette, in der nun sechs von sieben verfügbaren Aggregaten mit Turboaufladung und Kraftstoffdirekteinspritzung ausgerüstet sind.
Wir waren mit der sparsamsten Variante unterwegs, dem Caddy 1.6 TDI Blue Motion mit Fünfgang-Schaltgetriebe. Der Vierzylinder-Diesel leistet 102 PS und verbraucht laut Werksangaben im Schnitt 4,9 Liter je 100 Kilometer, was einen durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 129 Gramm je Kilometer ergibt. Serienmäßig an Bord ist eine Start-Stopp-Automatik, ein System zur Bremsenergie-Rückgewinnung, aerodynamisch optimierte Radlaufspoiler sowie rollwiderstandsarme Reifen. Das ist kein schlechtes Paket, zumal es Wirkung zeigt: Im Alltagstest von SPIEGEL ONLINE genehmigte sich der Wagen laut Bordcomputer zwischen 5,2 und 5,5 Liter Sprit je 100 Kilometer. Das ist zwar mehr als offiziell angegeben, aber immer noch ein sehr passabler Wert für ein Auto dieser Größe.
Der Caddy fährt sich flott und angenehm. Der Motor kommt mit dem rund 1,6 Tonnen schweren Auto gut klar, die Geräuschkulisse hält sich in Grenzen und insgesamt macht der Wagen einen ausgereiften und durchdachten Eindruck. Wer sich im Innenraum umschaut, den überfällt eine Art ruhige Langeweile, denn die Einrichtung ist ebenso praktisch wie unspektakulär. Das Handschuhfach ist recht klein geraten, dafür kann man in der Überkopfablage oberhalb der Windschutzscheibe ein mehrbändiges Konversationslexikon unterbringen. Albern dagegen sind die mickrigen Dachablagenetze im Fond - was sollte man dort wohl hinein- oder herausfummeln.
Für Familien empfehlenswert: die zweite Schiebetür
Ein Lob haben sich das dick gepolsterte, tadellos zu greifende Lenkrad sowie die darüber befehligte, neue, elektromechanische Lenkung verdient; und außerdem das klar gegliederte, schnörkellose Cockpit. Die Übersicht, so schien es uns, ist allerdings im Vergleich zum Vorgängermodell ein wenig schlechter geworden. Wo der Bug des Autos endet, ahnt man nur. Für die Kehrseite gibt es immerhin eine Einparkhilfe - zum Aufpreis von 315 Euro. Extra kostet übrigens auch die überaus praktische, zweite Schiebetür auf der linken Seite, und zwar 370 Euro. Aber das Geld ist perfekt angelegt, jedenfalls sofern man regelmäßig mit zwei Kindern unterwegs ist, die noch in ihre Sitze gehoben werden müssen. Bequemer geht's nicht.
Komfort spielt auch eine große Rolle, wenn es um den Transport von Gepäck geht. Der Laderaum des fünfsitzigen Caddy bei normaler Bestuhlung stellt bereits alles, was man von Kompaktautos, Limousinen oder Kombis sonst so kennt in den Schatten. Doch hier geht es erst los. Denn die Rückenlehnen der Fondsitze können nach vorne geklappt und dann auch die Sitzflächen umgeklappt werden. Wird die Sitzbank dergestalt "gewickelt", steht ein Ladevolumen von 2850 Liter zur Verfügung. Erstmals ist es nun jedoch auch noch möglich, die zweite Sitzreihe komplett auszubauen, wozu zwei Handgriffe und etwas Muskelkraft genügen. Dann wächst der Stauraum gar auf 3030 Liter, die Laderaumlänge auf 1,78 Meter.
Hoher Fahrkomfort, lange Aufpreisliste, großer Vorsprung
Was den Fahrkomfort betrifft, so hat VW dem Caddy jegliches Nutzfahrzeuggefühl längst ausgetrieben. Das Auto zum Basispreis von 16.903 Euro in der billigsten Variante fährt und benimmt sich wie ein ganz normaler Pkw. Beim Blick in die Preisliste jedoch fällt durchaus noch auf, dass dieser Wagen von der Nutzfahrzeugsparte des Hauses stammt - und in dieser Branche wird mit Centbeträgen gerechnet. Entsprechend lang ist die Liste der Details, die extra zugekauft werden können. Das reicht von Seiten-Kopf-Airbags für die vorderen Plätze (380 Euro) über die Dachreling (160 Euro) oder die Nebelscheinwerfer (140 Euro) bis hin zur "Frischluftansaugung mit Aktivkohlefilter" für 20 Euro extra.
Insgesamt jedoch ist der Caddy ein ordentliches Angebot - und man muss ja nicht bei jeder Kleinigkeit das Bestell-Kreuzchen machen. In Deutschland jedenfalls führt das VW-Modell die Klasse der Hochdachkombis deutlich an - mit 27.824 Neuzulassungen in den ersten elf Monaten dieses Jahres laut Kraftfahrt-Bundesamt. Auf den Plätzen folgen Citroën Berlingo (10.971), Renault Kangoo (6248), Peugeot Partner (4531) und Fiat Doblò (3175). Auch mit dem neuen Modell sieht es so aus, als bliebe der Caddy noch ein Weilchen auf dem Platz an der Sonne.
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| Hersteller: | VW |
|---|---|
| Typ: | Caddy 1.6 TDI Blue Motion Technology |
| Karosserie: | Kombi |
| Motor: | Vierzylinder-Diesel |
| Getriebe: | Fünfgang-Schaltgetriebe |
| Antrieb: | Front |
| Hubraum: | 1.598 ccm |
| Leistung: | 102 PS (75 kW) |
| Drehmoment: | 250 Nm |
| Von 0 auf 100: | 12,9 s |
| Höchstgeschw.: | 170 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 4,9 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 129 g/km |
| Kofferraum: | 920 Liter |
| umgebaut: | 3.030 Liter |
| Versicherung: | 17 (HP) / 17 (TK) / 15 (VK) |
| Preis: | 20.807 EUR |
VW Caddy
Einsteigen: ...weil es kaum ein praktischeres Auto für die Familie gibt.
Aussteigen: ...weil die Optik gar so lustlos und uninspiriert wirkt.
Umsteigen: ...aus Autos wie Citroën Berlingo, Renault Kangoo, Peugeot Partner oder Fiat Doblò.
- Fiat Doblò: So macht Einladen Spaß (24.02.2010)
- Renault Kangoo Be Bop: Der Li-La-Laune-Laster (17.02.2009)
- VW Caddy 4Motion: Allradler ohne Allüren (29.01.2009)
- Citroën Berlingo HDI 110: Der gute Kumpel (17.06.2009)

