Autogramm VW Golf GTD Der Sparbrummer

VW preist den neuen Golf GTD als sparsamen Sportflitzer. Tatsächlich tritt der Diesel fast so dynamisch wie der GTI auf, doch schlussendlich muss sich der Kunde entscheiden: viel Fahrspaß oder wenig Verbrauch? Bei der Akustik gelingt dem Wagen dagegen die perfekte Illusion.

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Volkswagen

Der erste Eindruck: 1100 Kilometer - der erste Blick auf die Reichweitenanzeige des neuen Golf GTD ist eine kleine Überraschung. Bei einem Auto mit 184 PS, 230 km/h Höchstgeschwindigkeit und lediglich 50 Liter Tankvolumen hätte man das nicht erwartet. Dass die anfängliche Skepsis berechtigt war, zeigt sich schon bald. Wenn man den Selbstzünder so sportlich bewegt, wie er gedacht ist, erweist sich der Normwert von 4,5 Liter Verbrauch einmal mehr als Prüfstands-Poesie. Nach kaum 50 Kilometern Fahrt meldet die Reichweitenanzeige nur noch 780 Kilometer.

Das sagt der Hersteller: VW feiert den "Gran Turismo Diesel" als Langstrecken-Express in der Kompaktklasse. "Das Auto vereint die Performance eines Sportwagens mit dem Verbrauch eines Kleinwagens", sagt das Marketing. Die Kombination kommt bei den Kunden offenbar gut an. Jeder zehnte Golf in Europa ist eine GT-Variante; und davon wiederum ein Drittel sind GTD-Modelle.

Das ist uns aufgefallen: Dass der GTD ein Diesel ist, merkt man allenfalls beim Blick auf den Drehzahlmesser. Beim Design jedenfalls gibt es kaum einen Unterschied zum gerade vorgestellten Golf GTI. Auch der GTD trägt ein Wabengitter im Kühlergrill, bietet Sportsitze mit Karomuster und einen Schaltknauf im Golfball-Look. In Sachen Dynamik kann der Ölbrenner ebenfalls mithalten. Ja, der GTI hat 220 und der GTD lediglich 184 PS. Doch mit einem maximalen Drehmoment von 380 Nm macht der Diesel das Leistungsdefizit beinahe wieder wett.

Das Auto beschleunigt beim Kickdown so hurtig, dass die ESP-Elektronik das Quietschen der Reifen nicht immer verhindern kann. Überholen wird bei einem Sprintwert von 7,5 Sekunden von 0 auf 100 zum Kinderspiel. Auf der Autobahn muss der GTD den bis zu 250 km/h schnellen GTI bei einer Höchstgeschwindigkeit von 230 Sachen zwar ziehen lassen - aber dafür fährt er beim nächsten Tankstopp des Benziners einfach weiter.

Das knackige Fahrwerk und ein paar elektronische Hilfssysteme verleihen dem GTD noch zusätzlichen Reiz. Die elektronisch geregelte Differentialsperre etwa bremst die kurveninneren Räder so ab, dass der Wagen wie von selbst um die Kehren zirkelt. Und die sogenannte Progressivlenkung hat ein Übersetzungsverhältnis, das mit dem Einschlagwinkel zunimmt. Im Klartext: Sie reagiert umso direkter, je stärker man einlenken muss.

Das muss man wissen: In Fahrt bringt den ab sofort lieferbaren GTD ein Zweiliter-TDI, der für die neue Golf-Generation entwickelt wurde. Bislang bei VW nur mit 150 PS zu haben, kommt das Common-Rail-Triebwerk nun auf 184 PS. Obwohl Leistung und Drehmoment gegenüber dem Vorgängermodell gestiegen sind, geht der Verbrauch laut Normwert um 0,9 auf jetzt 4,2 Liter für die Variante mit Schaltgetriebe und 4,5 Liter für das Doppelkupplungsgetriebe-Modell zurück. Wie bereits erwähnt können bei entsprechender Fahrweise daraus auch locker sechs oder sieben Liter werden.

Stolz sind die Niedersachsen dennoch auf den gesenkten Normverbrauch und die geringeren Emissionswerte des neuen Motors. Denn anders als die 150-PS-Version erfüllt der GTD bereits die Euro-6-Norm. Um die Stickoxide auszufiltern, wurde ein NOx-Speicherkatalysator im Abgasstrang integriert und für einen sauberen Kaltstart ein zweiter Kreislauf für die Abgasrückführung entwickelt. Während sonst bei niedrigem Druck mit gekühltem Abgas gearbeitet wird, kann jetzt unmittelbar nach dem Anlassen mit hohem Druck heißes Abgas in den Motor zurückgeführt werden. Die höhere Ansaugtemperatur verbessert das Brennverhalten und senkt so die Emissionen.

Wer sich für den sparsameren Sportler in der Golf-Palette entscheidet, muss etwas tiefer in die Tasche greifen. Mit einem Grundpreis von 29.350 Euro ist der GTD um glatt 1000 Euro teurer als der GTI. Und die Spitze ist damit noch nicht erreicht: Im Herbst wird mit dem nächsten Golf R gerechnet. Der dürfte dann um die 40.000 Euro kosten - und tritt wohl mit rund 300 PS an.

Das werden wir nicht vergessen: Dass der Diesel nicht nur kräftig anzieht, sondern kraftvoll brummt. Weil VW gleich zwei Soundverstärker eingebaut hat und neben dem reinen Motorengeräusch auch den Auspuffsound in den Innenraum überträgt, bekommen Insassen, die so etwas mögen, bei jedem Gasstoß eine Gänsehaut. Allerdings wirkt dieser akustische Effekt nur nach innen. Nach außen ist auch der GTD das, was Kritiker der gesamten Baureihe vorwerfen und was Anwohner erfreuen dürfte: ein Leisetreter erster Güte.

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insgesamt 109 Beiträge
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Seite 1
emantsol 14.06.2013
1.
Nett!
juergw. 14.06.2013
2. Fahrspaß ??
Zitat von sysopVolkswagen VW preist den neuen Golf GTD als sparsamen Sportflitzer. Tatsächlich tritt der Diesel fast so dynamisch wie der GTI auf, doch schlussendlich muss sich der Kunde entscheiden: Viel Fahrspaß oder wenig Verbrauch? Bei der Akustik gelingt dem Wagen dagegen die perfekte Illusion. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/vw-golf-gtd-der-neue-top-diesel-in-der-volkswagen-kompaktklasse-a-905719.html
Wer hat heute eigendlich noch Spaß am Autofahren?Wenn sich Otto Normalverbraucher die Kosten ansieht...!? Im Fond einer Regierungskarosse mit Chaffeur kommt natürlich noch Freude auf.
cdrenk 14.06.2013
3. Bitteschön
Kann man diese tolle Auto ohne den pubertären Schwachsinn wie Schallverstärkung kaufen ?
Greyjoy 14.06.2013
4.
Naja beim Sprint von 0-100 km/h ist der über eine Sekunde langsamer. Das ist eigentlich entscheidender als die Vmax die auch unter der des GTIs liegt. Im Alltag wird der GTD das praktischere Auto sein. Wobei ein Golf ja nicht unbedingt das Auto ist welches man sich kauft um damit ständig weite Reisen zu machen. Ich würde jedenfalls zum GTI greifen.
ThorstenMUC 14.06.2013
5.
@juergw Fast alles, was Spaß macht kostet Geld. Der Trick ist zwar regelmäßig sein Einkommen/Ausgaben Verhältnis zu kontrollieren und optimieren - den Rest der Zeit das leidige Thema aber zu vergessen und Spaß am Leben zu haben. "Das letzte Hemd hat keine Taschen"
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