Autogramm VW Golf GTI Clubsport Herzschrittmacher

Der VW Golf GTI ist ein Breitensportwagen. Zum 40-jährigen Jubiläum gibt es jetzt das Modell Clubsport. Dessen Turbomotor entwickelt kurzzeitig bis zu 290 PS - bleibt aber ansonsten unauffällig.

Volkswagen

Der erste Eindruck: Ein VW Golf bleibt ein VW Golf, daran ändern auch Spoiler nichts.

Das sagt der Hersteller: "Potente Sonderserien haben Tradition beim Golf GTI", sagt VW-Sprecher Jakob Kähler. Die "Edition 35" hatte vor fünf Jahren 235 PS. Mittlerweile hat aber schon der gewöhnliche GTI in der sogenannten "Performance"-Version 230 PS. Also wurde für das Sondermodell "diesmal ein bisschen mehr drauf gepackt". Kurzfristig ist es sogar viel mehr. Denn per Kickdown kann man beim mit 265 PS "stärksten GTI aller Zeiten" - was natürlich semantischer Quatsch ist, sonst würde es ja in Zukunft keine stärkeren GTI mehr geben - für zehn Sekunden sogar 290 PS abrufen. Gleichzeitig steigt das maximale Drehmoment von 350 auf 380 Nm.

Das Fahrwerk des GTI Clubsport wurde zudem strammer abgestimmt (VW spricht von etwa zehn Prozent), und außerdem erzeuge "die Karosserie nun zum ersten Mal Abtrieb", sagt Karsten Schebsdat aus der Fahrwerksentwicklung. Um das zu erreichen, ragt vorne die Spoilerlippe etwas weiter aus dem Bug, und der Flügel am Heck ist jetzt zweigeteilt, wird von Luft durchströmt und wurde seitlich besser an das Schrägheck angebunden.

Der Effekt: Mit zunehmender Geschwindigkeit wird das Auto vom Fahrtwind jetzt immer stärker auf die Straße gepresst. "Das ist, als würde man einen Satz breitere Reifen aufziehen", erläutert Schebsdat den Unterschied. Dabei rollt der Wagen bereits auf 235er Semi-Slicks der Größe 19 Zoll daher. Zudem sorgt eine Vorderachsensperre dafür, dass beim Herausbeschleunigen aus einer Kurve mehr Kraft an das äußere Rad gelangt, wodurch die Neigung zum Untersteuern reduziert wird und das ESP ein wenig entlastet.

Das ist uns aufgefallen: Der GTI Clubsport ist leichtfüßig, lebendig und auch ein bisschen wild - er zelebriert damit jene Unvernunft und Unbekümmertheit, die auch den ersten Golf GTI vor 40 Jahren kennzeichneten. Allerdings halten weder die Optik noch der Sound des Autos mit der geschärften Technik mit. Hier traut sich der GTI Clubsport kaum mehr als jeder andere Golf, was weniger als angenehme Bescheidenheit auffällt, sondern eher als verpasste Chance.

Die Tachonadel zeigt auf 150, das DSG meldet den dritten Gang und vorne taucht ein scharfer Knick nach rechts auf. Wo man in einem normalen VW Golf in so einer Situation schon mal die Auslaufzone links neben der Straße sondiert, weil der auf Sicherheit und gute Manieren bedachte Fronttriebler so sehr untersteuert, dass man diese Kurve auch mit quietschenden Reifen nicht mehr bekäme, hält man im GTI Clubsport einfach drauf: kurz anbremsen, scharf einlenken, Vollgas.

Das Auto schiebt gerade so viel über den Vorbau, dass es an den Nerven kitzelt. Klar: Mit dem Golf R wäre man wohl auch ums Eck gekommen, aber dessen Allradantrieb macht das Fahren nicht eben aufregender. Im GTI Clubsport jedoch kommt alles zusammen: Hohe Leistung, Frontantrieb und ein raffiniertes Fahrwerk garantieren fahrerische Maximalerfrischung in einem Golf.

Das muss man wissen: Die Produktion des GTI Clubsport beginnt im Februar nächsten Jahres und die Auslieferung ein paar Wochen später. Das Auto kostet mindestens 34.500 Euro und liegt damit ziemlich genau zwischen dem 220 PS starken Standard-GTI für 29.225 Euro und dem Golf R mit 300 PS und Allradantrieb, für den die Niedersachsen 39.000 Euro verlangen.

Den GTI Clubsport gibt es ausnahmslos mit Frontantrieb, und wahlweise mit Sechsgangschaltung oder Doppelkupplungsgetriebe (1950 Euro Aufpreis). Wofür man sich auch entscheidet, es ändert nichts an den Fahrleistungen, wohl aber am Verbrauch. Der liegt bei 7,0 Liter für das Auto mit manuellem und bei 6,9 Liter für das automatische Getriebe.

Das werden wir nicht vergessen: Das seltsame Gefühl, in einem neuen Golf zu sitzen, der schon jetzt eine Hauch von Exklusivität für sich beanspruchen darf. Denn die GTI-Jubiläumsmodelle haben unter Golf-Fans einen gewissen Stellenwert. Doch selbst als Sammlerstück bleibt er ein Massenmodell - die Auflage ist nicht limitiert. Insgesamt dürften also wieder rund 5000 bis 6000 Fahrzeuge des Clubsport gefertigt werden.

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insgesamt 197 Beiträge
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Seite 1
Wofgang 04.12.2015
1.
Seit ich Allrad fahre möchte ich keines diese Schaukelautos mehr. Früher war ich der Meinung, Allrad braucht kein Mensch, heute möchte ich ihn nicht mehr missen. So ändern sich die Zeiten. Der neue Golf ist gelungen, ich würde aber den Golf R bevorzugen.
harleyfahn 04.12.2015
2. Und wenn VW 400 PS
in diese Kiste schraubt: Es bleibt das langweiligste, profilloseste Massenmobil Deutschlands.
silentcruzade 04.12.2015
3. Ein Sportler für die breite Masse..
..für 34.500? nackt!!?? VW hat es in den vergangenen Jahren hervorragend verstanden Autos an der breiten Masse vorbei zu bauen..sie sind schlicht weg zu Teuer!!
fisschfreund 04.12.2015
4.
Ääähhhhh....Sportwagen?.. Mit lächerlichen 200 irgendwas PS? Und auch noch Frontantrieb??? Alles klar...lach
GnRH 04.12.2015
5.
Da schreibt man von was denn alles toll ist... kein Untersteuern, strafferes Fahrwerk, Semislicks, "Turboboost". Man stellt ihn fast als Supersportler hin und betont dann ESP und Frontantrieb, da passt was nicht. Einen heutigen GTI mit einem Ur-GTI zu vergleichen passt nun wirklich nicht. Vielleicht sollte man einen Scirocco mit >265 PS hinstellen, das passt eher als bei einem Golf.
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