Der erste Eindruck: Es geht doch! Lange sind die deutschen Hersteller mit dem Hybrid nicht warm geworden, haben ihn - wenn überhaupt - verschämt in unverschämt teuren Oberklasselimousinen oder SUVs verbaut. Dabei belegt die Testfahrt mit dem Jetta Hybrid eindrucksvoll, wie gut auch ein günstiger deutscher Hybrid sein kann.
Das sagt der Hersteller: VW nennt den Jetta Hybrid "eines der effizientesten Automobile der Welt" und will mit der handlichen Limousine vor allem in den USA ins Massengeschäft vordringen. Der 380 PS starke Touareg Hybrid als erstes Hybridmodell der Niedersachsen verkauft sich nämlich weltweit nur in homöopathischen Dosen. Der Jetta dagegen soll ernsthaft etwas gegen den Toyota Prius ausrichten, der beispielsweise in Los Angeles so verbreitet ist wie hierzulande der VW Golf.
Diesen Anspruch dokumentiert VW nicht zuletzt durch die Preisgestaltung: Dank abgespeckter Ausstattung, billiger Kunststoffe und schmucklosem Kunstleder hat VW den US-Preis auf 24.995 Dollar gedrückt. In Deutschland, wo das Auto ab März auf den Markt kommen wird, sieht die Preisgestaltung anders aus. Hier soll die Hybrid- zugleich auch die Top-Variante sein, erhält daher Vollausstattung und wird rund 30.000 Euro kosten. So teuer ist auch der Jetta mit dem stärksten Dieselmotor.
Das ist uns aufgefallen: Auf dem Highway entlang der Küste und in den Hollywood Hills gibt sich die VW-Limousine mit dem elektrischen Hilfsantrieb so agil und dynamisch, dass Toyota Prius oder Honda CRZ dagegen blass aussehen. Das liegt vor allem am Antrieb, der vom starken TSI-Benziner profitiert - und vor allem vom siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe, das sehr viel mehr Gefühl vermittelt als die stufenlose Automatik, auf die beispielsweise Toyota setzt. Aber auch das vergleichsweise straffe Fahrwerk und die direkte Lenkung vermitteln den Eindruck, dass es den Entwicklern nicht nur um den Spaß am Sparen, sondern auch um die Freude am Fahren ging.
Trotzdem gilt natürlich das Hauptaugenmerk dem genügsamen Umgang mit dem Sprit. Man muss nur ein wenig den Gasfuß lupfen, dann segelt der Hybrid entspannt über den Freeway: Bis etwa 130 km/h klemmt die Elektronik den Verbrenner automatisch ab und schaltet den Motor aus, wenn man den Fuß vom Gas nimmt. Dann rollt man oft minutenlang dahin, ohne dass überhaupt Energie verbraucht wird, und wird dabei trotzdem kaum langsamer.
Was dagegen kaum gelingt, ist das rein elektrische Fahren. Weil die E-Maschine ziemlich schwach auf der Brust ist, muss man schon sehr sachte Gas geben, damit man wirklich nur mit Strom vorwärts kommt. Oder man drückt die "E-Mode"- Taste. Die zwingt den Benziner bei Geschwindigkeiten unter etwa 60 km/h so lange zur Pause, bis der Akku leer ist - also für maximal zwei Kilometer. Das klingt läppisch, doch weil bei jedem Bremsen wieder Energie zurückgewonnen wird und der Verkehr beispielsweise auf dem Santa Monica Boulevard ziemlich dicht ist, reicht die elektrische Energie bei der ersten Testfahrt dann doch überraschend lange.
Das muss man wissen: Für den Antrieb des Jetta kombiniert VW einen 1,4 Liter großen Turbo-Direkteinspritzer mit einem scheibenförmigen E-Motor, der wie eine weitere Bulette im Burger zwischen den Benziner und das Getriebe gepackt wurde. Die Energie stammt aus einem Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von 1,1 kWh, der im Kofferraum untergebracht ist und dort eine hässliche und hinderliche Stufe bildet. Der Verbrenner allein kommt auf 150 PS und 250 Nm Drehmoment, der Stromer steuert 27 PS und 150 Nm bei. Weil beide nie zugleich im idealen Betriebspunkt laufen und die Leistung daher nicht einfach addiert werden kann, liegt die sogenannte Systemleistung bei 170 PS.
Das reicht für ambitionierte Fahrleistungen. Von 0 auf 100 beschleunigt der Jetta in 8,6 Sekunden. Und während zum Beispiel der Prius bei 180 km/h abgeregelt ist, schafft der Herausforderer aus Wolfsburg 210 km/h. Trotzdem ist das Hybridmodell der sparsamste Jetta der Modellpalette. Mit einem Normverbrauch von 4,1 Litern liegt er 1,2 Liter unter dem genügsamsten Benziner und unterbietet sogar den geizigsten Diesel um 0,1 Liter. Gegenüber einem ähnlich starken TSI-Modell beträgt der Verbrauchsvorteil sogar fast ein Drittel. Allerdings hat der Elan seinen Preis: Der Jetta verbraucht - auf dem Papier - 0,3 Liter mehr pro 100 Kilometer als der Toyota Prius.
Das werden wir nicht vergessen: Wie schnell man in diesem Auto vergessen hat, dass man mit einem Hybridfahrzeug unterwegs ist. Sobald man aus der Stadt heraus ist und nicht mehr rein elektrisch fährt, wirkt der Antrieb genauso unauffällig wie das Design der Limousine. Sanft und unauffällig arbeiten die beiden Motoren zusammen, kein nerviges Gejohle eines überlasteten CVT-Getriebes stört die Ruhe an Bord - und wenn man richtig aufs Gaspedal steigt, dann passiert auch was.
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