VW Jetta: Limousine für die Lücke

VW schließt die Lücke zwischen Golf und Passat. Der VW Jetta, bislang lediglich ein "Golf mit Rucksack", ist zum eigenständigen Modell gereift. Obwohl ein Drittel teurer als in den USA, ist die Limousine hierzulande vergleichsweise günstig - vor allem für Passat-Fahrer.

VW Jetta: Endlich emanzipiert
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Für deutsche Autokäufer mag es befremdlich klingen, doch für VW ist der Jetta ein Erfolgsmodell. Denn während die kompakte Limousine hierzulande nie aus dem Schatten des Golf fahren konnte und stets als Spießermobil galt, läuft sie überall sonst hervorragend. In den USA etwa ist der Jetta das meistverkaufte deutsche Auto. "Fast zehn Millionen Exemplare haben wir seit Beginn der Modellgeschichte abgesetzt", sagt VW-Sprecher Jochen Grüten.

Jetzt wollen die Niedersachsen den Jetta auch in Deutschland aus der Biedermann-Nische führen und setzen zu diesem Zweck auf die Emanzipation des Stufenhecks. "Die Zeiten des Rucksack-Golf sind vorbei", sagt Grüten. Der technische Projektleiter Michael Grobe präzisiert: "Wir haben auf einem weißen Blatt angefangen und ein völlig eigenständiges Auto entwickelt." Natürlich bestreitet niemand in Wolfsburg, dass es gemeinsame Komponenten mit dem Golf gibt. Aber die haben die Modelle Eos oder Tiguan auch.

Neben dem frischen Design mit kantigen Scheinwerfern, breiten Rückleuchten und einer Silhouette wie aus einem Guss sind es vor allem die Abmessungen, die für Distanz zum Golf sorgen: In der Länge ist der Jetta um neun Zentimeter gewachsen und liegt mit 4,64 Metern nun zwischen Golf (4,20 Meter) und Passat (4,77 Meter). Der Radstand wurde um sieben Zentimeter verlängert. Deshalb sitzt man nicht nur vorne besser als im Golf, sondern auch auf der Rückbank. Und der Kofferraum fasst mit 510 Litern Volumen vier große Koffer und jede Menge Kleinkram.

Entwickelt wurde der Jetta vor allem mit Blick auf die USA, wo er VW zusammen mit dem gerade enthüllten US-Passat wieder in die Spitzengruppe der Massenhersteller führen soll. Aber mit einem gründlich umgebauten Fahrwerk, einem aufgewerteten Interieur und vor allem mit anderen Motoren macht der Jetta auch auf europäischen Straßen eine gute Figur.

Der kleinste Motor bietet die größte Überraschung

Zu Preisen ab 20.900 Euro gibt es den Wagen ab Ende Januar mit einem und im Laufe des Jahres mit vier Benzinern von 105 bis 200 PS; dazu kommen zwei Dieselmotoren die 105 oder 140 PS leisten. Die größte Überraschung bietet der kleinste Motor: Lediglich 1,2 Liter Hubraum reichen dem Basis-Benziner für ein recht flottes Fortkommen. Man braucht einen schweren Gasfuß und muss etwas öfter ins gut geführte Sechsgang-Getriebe greifen. Aber so lange der Jetta nicht voll besetzt ist und man nicht gerade den Gotthard-Pass erklimmt, wirkt die Limousine mit dem 1,2-Liter-TSI-Aggregat spritziger als ein Beschleunigungswert von 10,9 Sekunden und ein Spitzentempo von 190 km/h vermuten lassen.

Der Motor ist quirlig, beschleunigt flott an der Ampel, gibt sich beim Überholen elastisch und hält auf der Autobahn bis weit über das Richttempo locker mit. Und was ihm an Endgeschwindigkeit fehlt, macht er mit Reichweite wett. Immerhin ist das Aggregat im Schnitt mit 6,1 Litern zufrieden. Wer für 400 Euro das Blue-Motion-Paket dazu bestellt, bekommt obendrein noch eine Start-Stopp-Automatik und ein System zur Rückgewinnung der Bremsenergie, mit dem der Jetta noch einmal einen halben Liter Benzin spart. Auch das Fahrwerk hat nichts von jener Orientierungslosigkeit, die US-Modellen häufig nachgesagt wird. Die Limousine hält sauber die Spur, bügelt auch schlechte Pisten halbwegs glatt und haftet beim Bremsen kräftig auf dem Asphalt.

Bei der Ausstattung jedoch gibt es nicht ganz so viele Optionen wie sonst bei VW üblich. Zwar können deutsche Kunden den Jetta etwas individueller konfigurieren als amerikanische, aber Extras wie die Einparkautomatik aus dem Golf oder die automatische Notbremse aus dem Passat sind nicht verfügbar. Immerhin: Sechs Airbags, Klimaanlage und Tagfahrlicht sind ab Werk installiert; auf Wunsch gibt es zwei weitere Airbags für den Fond, ein schlüsselloses Zugangssystem (leider mit einem unsinnigen Startknopf tief unten in der Mittelkonsole) und eine Abblendlicht-Automatik.

Der Europa-Jetta ist teurer, aber auch besser ausgestattet

Obwohl der Jetta in den USA rund ein Drittel billiger ist, muss VW kaum Grauimporte fürchten. Denn für den höheren Preis gibt es hierzulande das deutlich bessere Auto. Nicht nur die Motoren sind sparsamer und in der Steuertabelle günstiger, sondern das Fahrwerk ist dank der aufwendigeren Hinterachse komfortabler, die Bremsen entschiedener und die Materialanmutung um Klassen besser. Wo die Amerikaner mit Hartplastik und Kunstleder leben müssen, streicht der Europäer über Oberflächen, die mit Softlack behandelt wurden und erhält bequemere Sitze mit feineren Bezügen.

Der in Mexiko gebaute Weltbürger aus Wolfsburg könnte nicht nur das muffige Segment der kompakten Limousinen, sondern auch die Hierarchie in der VW-Familie ein wenig durcheinanderbringen. Denn so groß und erwachsen wie der neue Jetta geworden ist, macht er beinahe die in Deutschland ohnehin nur selten verkaufte Stufenheck-Variante des Passat überflüssig. "Selbst mit 1,80 Meter Körpergröße kann man hinten prima sitzen", kommentierte ein Tester bei der Fahrvorstellung. "Und die vielen teuren Extras, die es für den Passat gibt, leistet sich ohnehin kaum jemand."

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  • Dienstag, 18.01.2011 – 11:43 Uhr
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Aktuelles zu

Fahrzeugschein
Hersteller: VW
Typ: Jetta
Karosserie: Limousine
Motor: Vierzylinder-Turbo-Benzin-Direkteinspritzer
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.197 ccm
Leistung: 105 PS (77 kW)
Drehmoment: 175 Nm
Von 0 auf 100: 10,9 s
Höchstgeschw.: 190 km/h
Verbrauch (ECE): 5,3 Liter
CO2-Ausstoß: 134 g/km
Kofferraum: 510 Liter
Versicherung: 17 (HP) / 20 (TK) / 17 (VK)
Preis: 21.300 EUR

Schnellcheck

VW Jetta

Einsteigen: ...weil der Jetta fast so viel Platz bietet wie ein Passat und endlich aussieht wie aus einem Guß.

Aussteigen: ...weil er ein Drittel teurer ist als in den USA und eben doch ein paar Assistenzsysteme fehlen.

Umsteigen: ...aus der neuen Ford Focus Limousine, Renault Fluence oder Mazda 3, aber auch VW Golf und Passat. Und warum nicht aus Audi A4, Volvo S40 oder 3er BMW?



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