VW Passat CC Feuer fürs Vertreterauto

Bislang war der VW Passat ein Auto für Kopfmenschen. Aber wenn im Juni das viertürige Comfort-Coupé CC an den Start geht, soll der Wagen mit einer schnittigeren Form und besserer Technik endlich auch die Herzen ansprechen.


Er ist die Familienkutsche, der Firmenwagen und das Vertreterauto schlechthin: der VW Passat. Grundsolide und wie maßgeschneidert für Bausparer und Ein-bisschen-Besserverdiener ist der Wagen seit 35 Jahren und rund 15 Millionen Exemplaren eine feste Säule im VW-Geschäft. Doch aus dem Bauch heraus hat sich für das Auto bislang kaum jemand interessiert. Geht es nach VW-Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg, soll sich das ändern. "Wenn wir unsere Wachstumsziele erreichen wollen, dürfen wir nicht nur die bestehenden Modelle immer wieder verbessern. Sondern wir müssen auch neue Autos bringen, mit denen wir neue Kunden erreichen", sagt Hackenberg. Er meint auch Autos wie den neuen Passat CC. Noch bevor der Scirocco im Herbst an alte Sturm-und-Drang-Zeiten erinnern wird, soll das Passat-Coupé zu Preisen, die bei 30.300 Euro beginnen und damit zwischen 1000 und 2000 Euro über denen der Limousine liegen, einen Hauch von Leidenschaft in die Mittelklasse bringen.

Die Niedersachsen folgen der Idee vom viertürigen Coupé, die mit dem Mercedes CLS ihren Anfang hatte. Wie das größere und vor allem zwei Nummern teurere Vorbild aus Stuttgart kombiniert der Passat CC also die fließenden Linien eines Gran Tourismo mit den praktischen Vorzügen einer Limousine. Dabei hatten die Designer mehr Freiheiten, als sonst bei Karosserievarianten üblich ist: Bis auf die Türgriffe gibt es von außen betrachtet kaum Gleichteile mit Viertürer oder Kombi.

Schon die Maße sind anders. Zwar übernimmt der CC, dessen Kürzel die Wolfsburger als "Comfort-Coupé" übersetzen, den Radstand von 2,71 Metern. Doch bei Länge (plus 31 mm), Breite (plus 36 mm) und Höhe (minus 50 mm) geht der Wagen seinen eigenen Weg und wird zum eleganten Flachmann, der dem Fahrer nicht einmal bis zur Brust reicht.

Dazu gibt es ein Design mit wunderbar fließenden Linien, das ein wenig so aussieht, als hätte man die Limousine im Windkanal mit Seidentüchern verhüllt. Vorn trägt der CC jetzt einen wenig aufdringlichen Kühlergrill, scharf geschnittene Scheinwerfer und eine Motorhaube, die sich kraftvoll über die Aggregate wölbt.

Die Flanke lebt von der aufsteigenden Sicke über den Türgriffen, dem feinen Chromband um die rahmenlosen Seitenscheiben und dem sanften Bogen des Daches, der bereits über dem Fahrerplatz seinen Scheitelpunkt erreicht und dann langsam nach unten fällt. Am Heck demonstrieren die VW-Designer die Kunst der schönen Kehrseite: Zwar muss man sich an die riesige Scheibe und den beinahe nahtlosen Übergang in den kleinen Heckdeckel mit eingearbeitetem Spoiler gewöhnen. Doch je öfter man den CC von hinten sieht, desto schöner wird er. Dabei wurde die Funktion nicht der Form geopfert. Denn mit 532 Litern bietet das Coupé kaum weniger Ladevolumen als die Limousine.

In der zweiten Reihe sitzt man schlechter

Ganz ohne Einbußen funktioniert der Wandel von Gebrauchsgegenstand zum Genussobjekt natürlich nicht. Die Zeche zahlen vor allem die Hinterbänkler. Während man sich vorn auf Anhieb zu Hause fühlt, die gehobene Materialauswahl sowie die Komfortsitze genießt, den Blick über frisch gestaltete Instrumente und viele neue Schalter auf der Mittelkonsole streifen lässt, müssen sich große Menschen auf den Einzelsitzen im Fond klein machen. Immerhin: Die Kniefreiheit ist okay.

Auch die Ingenieure hatten den Auftrag, den Passat CC anzuschärfen. Keine Version zeigt das deutlicher als das Top-Modell mit dem 3,6 Liter großen Benzindirekteinspritzer, den man seit kurzem auch im Passat R36 kaufen kann. 300 PS und 350 Nm machen das Coupé zu einem Sportwagen, der seine Kraft dank adaptiven Fahrwerks und serienmäßigen Allradantriebs sauber auf die Straße bringt. Mit kernigem Klang und straffer Straßenlage sprintet er in 5,6 Sekunden auf Tempo 100 und beschleunigt mühelos bis zum Limit von 250 km/h weiter.

Auf Knopfdruck ändert das Auto den Charakter

Ein Knopfdruck genügt, und der CC zeigt ein weiteres Gesicht: Denn im Komfort-Modus lässt die Spannkraft spürbar nach, die Lenkung wird etwas weicher, und aus dem Kurvenjäger wird ein bequemer Gleiter für die lange Reise. Dann profitieren die Insassen auch von den bündig anliegenden Seitenscheiben, die dem Wind keine Angriffsfläche bieten und so selbst bei hohem Tempo für einen niedrigen Lärmpegel sorgen.

Zwar bezahlt man für das Vergnügen mit dem V6-Motor mit einem Verbrauch jenseits von zehn Litern, doch muss man ja nicht gleich zum stärksten Modell greifen. Schließlich gibt es auch noch einen 1,8-Liter-Benziner mit 160 und einen 2,0-Liter-Diesel mit 140 PS. Allerdings brennt dann das Feuer der Leidenschaft mehr auf Sparflamme.

Weil VW mit dem CC nicht nur das Image des Passats polieren, sondern die gesamte Modellreihe etwas höher positionieren will, wird der Neue auch technisch gründlich aufgerüstet. Neben dem Einpark-Assistenten fürs beinahe automatische Rangieren oder einem Tempomat mit automatischer Abstandskontrolle bis zum Stillstand im Stau gibt es auch pannensichere Reifen, die sich während der Fahrt selbst reparieren und einen Spurassistenten, der träumerische Fahrer mit einem gezielten Lenkeingriff wieder auf die Ideallinie zurückführt. Sollten tatsächlich vermehrt Schöngeister und Hedonisten auf den CC anspringen, ist das vielleicht kein schlechtes Feature.



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