VW Passat: Traum eines Handlungsreisenden

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Bisher galt der VW Passat als Idealbesetzung für die Rolle des Familienkombis oder Vertretervehikels. Folgerichtig waren neun von zehn in Deutschland verkauften Typen Kombi-Modelle. Mit der neuen Generation will VW die Limousine pushen - und hofft auf Firmenkunden.

VW Passat: Ein guter Bekannter Fotos

Facelift - das Wort wird in der Autobranche gern genutzt, wenn es um kosmetische Veränderungen eines Pkw-Modells geht, um den Wagen für den Rest seiner Bauzeit möglichst attraktiv zu erhalten. VW-Verantwortliche reagieren derzeit gereizt auf den Begriff - vor allem, wenn er im Zusammenhang mit dem VW Passat benutzt wird. Das neue Modell, nach VW-interner Zählung die Passat-Generation B7, ist nämlich im Grunde genau das: ein altbekannter Wagen, dessen wesentliche Abmessungen, dessen Struktur und dessen Antrieb nahezu unverändert blieb - das aber dennoch als neues Auto gefeiert wird, dessen Verkauf im November beginnt.

Die Frage, wie neu denn das Auto nun wirklich ist, stellt sich nur bis zur ersten Ausfahrt. Denn kaum hat man Platz genommen im Passat B7, den Motor gestartet und die ersten Kilometer hinter sich gebracht, registriert man zahlreiche Veränderungen. Fahrkomfort und -kultur sind spürbar besser geworden als beim bisherigen Modell. Wirkungsvollere Dämmung, dickere Scheiben, ein verfeinertes Fahrwerk und eine feinfühligere Lenkung - so leise, komfortabel, souverän und entspannt fährt man derzeit in keinem anderen Mittelklasse-Modell dieser Preiskategorie. Selbst die teurere Schwestermarke Audi muss allmählich um den Ruf des A4 fürchten.

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Volkswagen-Historie: Vom KdF-Wagen zum Weltkonzern
"Kein Auto im Konzern kommt auf so hohe Laufleistungen wie der Passat", sagt VW-Entwicklungsvorstand Hackenberg, "deshalb hat das Auto die Qualitäten eines Langstreckenläufers." So erklärt er das grundsolide Fahrgefühl, das ergänzt wird durch elektronische Helfer vom Müdigkeitswarner bis zum Verkehrszeichenleser: "19 Assistenzsysteme, das bietet sonst keiner", sagt Hackenberg.

Die Antriebe sind zwar allesamt bekannt, wurden aber durchweg sparsamer. Vier Dieselmotoren mit 105 bis 170 PS Leistung, vier Benziner mit 122 bis 300 PS sowie je eine Erdgas- und Ethanol-Variante stehen zur Wahl. Da bei allen Versionen ein System zur Bremsenergierückgewinnung (Rekuperation) zum Standard gehört und bei den Selbstzündervarianten auch eine Start-Stopp-Automatik Serie ist, geht der Verbrauch deutlich zurück. Der sparsamste Diesel verbraucht im Schnitt 4,2, der sparsamste Benziner 5,9 Liter je 100 Kilometer.

Mit dem Festhalten am Grundkonzept spart VW viel Geld. Zumindest teilweise profitieren davon die Kunden, denn der Passat wird ein bisschen billiger. Gut 600 Euro spart man gegenüber dem vergleichbaren Vorgängermodell, der billigste Passat kostet künftig 24.425 Euro.

Außen ein paar Retuschen, innen ist alles wohlbekannt

Dafür gibt's ein Auto, das optisch recht seriös daherkommt. Die Motorhaube ist jetzt stärker konturierte, der Kühlergrill durchgehend schwarz und die Front- und Rückleuchten sind mit LED-Technik aufgepeppt. Dennoch sieht der neue Passat aus wie ein alter Bekannter, insbesondere im Innenraum. Auch wenn die Wolfsburger neue Funktionen von der City-Notbremse bis zum Einparkautomaten unterbringen, sitzt jeder Schalter genau da, wo man ihn suchen würde, und jede Anzeige leuchtet genau dort auf, wo man sowieso schon hinschaut. Selbst das Navigationssystem ist erfreulich selbsterklärend. Dazu gibt es einen Hauch mehr Noblesse von A wie Analoguhr bis Z wie Zierleisten aus Aluminium.

Bislang haben in Deutschland neun von zehn Passat-Kunden den Kombi bestellt. Das wird VW ganz recht sein, weil der Variant 1000 Euro teurer ist und entsprechend mehr Gewinn in die Kasse spült. Doch rückt die Limousine mit dem Generationswechsel nun etwas mehr in den Blickpunkt, was vor allem an der Optik des Stufenheckmodells liegt. In Rest-Europa kam der Wagen schon immer ganz gut an - immerhin wurden dort 60 Prozent aller Passat-Typen als Limousinen ausgeliefert.

Neues Interesse an der Limousine erhoffen sich die VW-Leute bei Firmenkunden. "Auch dort geht der Trend zum Downsizing", heißt es in Wolfsburg. Soll heißen: Wer bislang einen BMW 3er, eine Mercedes C-Klasse oder einen Audi A4 als Firmenauto fuhr, könnte sich künftig im deutlich billigeren VW Passat wiederfinden, ohne dass er dabei auf Substantielles verzichten müsste.

Ein Fußschlenker genügt, schon klappt der Kofferraumdeckel auf

Mit dem Passat 1,8 TSI zum Beispiel, unter dessen Haube der 160-PS-Benziner flüstert, ist man flott und entspannt unterwegs, kann mit bis zu 220 km/h dahineilen und kommt im besten Fall mit einem Normverbrauch von 6,9 Litern aus. Natürlich ist der Preis von 29.225 Euro nicht mehr ganz so volksnah wie der des Basis-Modells mit dem 122 PS starken Benzin-Motor. Doch zahlt man für eine vergleichbare Mercedes C-Klasse rund zehn Prozent mehr.

Bei aller neu erwachten Liebe zur Limousine, die mit 565 Litern Kofferraumvolumen auch ordentlich Zuladung verträgt - das Kombimodell Variant bleibt natürlich das praktischere Auto. Dessen Gepäckraum ist vielfach variabel und einen ausziehbaren Ladeboden gibt es auch. Doch in dieser Disziplin holt die Limousine auf: Mit einem "Easy Open"-Sensor im Stoßfänger. Wird ein Fuß unter den Stoßfänger geschoben, öffnet sich wie von Geisterhand der Kofferraumdeckel.

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Aktuelles zu

Fahrzeugschein
Hersteller: VW
Typ: Passat 1.8 TSI
Karosserie: Limousine
Motor: Vierzylinder-Turbo-Benzin-Direkteinspritzer
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.798 ccm
Leistung: 160 PS (118 kW)
Drehmoment: 250 Nm
Von 0 auf 100: 8,5 s
Höchstgeschw.: 220 km/h
Verbrauch (ECE): 6,9 Liter
CO2-Ausstoß: 160 g/km
Kofferraum: 565 Liter
Preis: 29.225 EUR

Schnellcheck

VW Passat

Einsteigen: ...weil auch der neue Passat ganz der alte ist - perfekt bis ins Detail und praktisch.

Aussteigen: ...weil zu viel Perfektion das Auto schnell ein bisschen langweilig macht.

Umsteigen: ...aus Ford Mondeo und Opel Insignia, aber auch aus Audi A4, BMW 3er und Mercedes C-Klasse.



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