Von Jürgen Pander
Kein Zucken, kein Lichtleinflackern, nichts. Das Auto steht und schweigt. Sozusagen tiefenentspannt. Das gilt zumindest für die Batterie, wie der später hinzugerufene Pannenhelfer sagt. Der Stromspeicher hat sich auf mysteriöse Weise über Nacht vollständig entleert. Selbst der Engergie-Puffer, der eigentlich so bemessen ist, dass sich der Motor auch bei fiesen Elektronikdefekten wenigstens noch starten lässt, hat sich verabschiedet. Die Uhr im Auto ist um 0.34 Uhr stehen geblieben - rätselhaft, denn weder Licht noch sonst ein elektrischer Verbraucher waren eingeschaltet. Und die Standheizung, die man durchaus versehentlich per Fernbedienung anknipsen könnte, kann es auch nicht gewesen sein, denn die bezieht ihren Strom aus einer Extra-Batterie.
Nur gut, dass der Wagen nach professioneller Starthilfe unmittelbar wieder anspringt und danach - die Batterie lädt sich rasch wieder auf - so tadellos läuft und funktioniert wie vorher auch. Die hübsche Analoguhr auf der Armaturentafel muss neu gestellt werden, das ist alles.
Warum unser Testwagen, ein blendend weißer Passat Variant mit Allradantrieb, 2-Liter-TDI-Motor und üppiger Highline-Ausstattung so plötzlich ins Koma fiel, konnte auch VW nach mehreren Tagen Fehlersuche nicht herausfinden. "Der Fehlerspeicher enthält keinen Hinweis darauf, warum plötzlich der Strom weg war", heißt es aus Wolfsburg. Spekulieren bringt jetzt nicht mehr viel, und nach der Starthilfe durch den Pannendienst war ja auch wieder alles in Butter. Seltsam aber ist es auf jeden Fall.
Und es trübt die Erinnerung an ein Auto, dass eigentlich wie gemacht ist, um bei den Nutzern Glückseligkeit auszulösen. Es ist nicht die singuläre Spezialität oder die eine Besonderheit, die den VW Passat Variant zu einem speziellen Fahrzeug machen, sondern ist die Summe der vielen guten Eigenschaften, die in diesem Fall einfach den Ausschlag geben. Man merkt, dass die Wolfsburger bereits 15 Millionen Passat-Typen gebaut haben, da sammelt sich einfach eine Menge Erfahrung an, die jede neue Generation - aktuell ist es die siebte - abermals einen Tick besser macht.
Leiser zum Beispiel, weil unter andrem jetzt eine 0,1 Millimeter dünne Folie in der Windschutzscheibe dazu beiträgt, den Innenraum vor Geräuschen abzuschirmen; oder sparsamer, weil bei allen Dieselmodellen Start-Stopp-Automatik, Bremsenergierückgewinnung und rollwiderstandsarme Reifen ab Werk an Bord sind; oder feiner, weil das Karosseriedesign ernsthafter und die Innenraumgestaltung eleganter und zugleich sachlicher geworden ist. Man findet sich rasch im Auto zurecht.
Wenn alles an Bord ist, wird es richtig teuer
Das Gefühl, in einem Auto zu sitzen, das einen praktisch alle Wünsche erfüllt, hat allerdings eine kostspielige Ursache. Normalerweise gibt es den Passat Variant mit Allradantrieb, 170 PS Dieselmotor und Doppelkupplungsgetriebe ab 36.700 Euro. Bei unserem Auto handelte es sich jedoch um einen Wagen mit der Topausstattung "Highline", der im Regelfall 39.150 Euro kostet.
Ein reguläres Auto aber war der Testwagen nicht, sondern mit allem vollgepackt, was die Aufpreisliste hergibt: Etwa dem "Ambientepaket" mit diversen Lichtspielereien (175 Euro extra), mit Dachreling (205 Euro extra), mit Panorama Ausstell-Schiebedach (1185 Euro extra), mit Parkassistent plus Rückfahrkamera (1075 Euro), mit Spurhalteassistent (535 Euro), mit adaptiver Fahrwerksregelung (1070 Euro), mit diversen Gepäcksicherungssystemen (740 Euro), mit Zwei-Zonen-Klimaanlage (455 Euro), mit elektrischer Heckklappe (450 Euro), mit schlüssellosem Schließsystem (555 Euro), mit Standheizung (1480 Euro) und mit "Reisekomfort-Paket" (1545 Euro). Alles zusammen addiert sich zu einem Aufpreis von rund 9500 Euro, und vermutlich ist da noch gar nicht jedes Extra mitgerechnet. Wir reden also über einen Mittelklassekombi zum Preis von rund 50.000 Euro.
Logisch, dass ein derart aufgebrezeltes Auto Laune macht. Der Passat gibt schon Antworten, da hat man noch gar nicht gefragt. Vielleicht ist diese geballte Komplexität an Assistenzsystemen, die ja die eigentliche Neuerung von der letzten zur aktuellen Passat-Generation ist, auch ein Grund dafür, dass eben scheinbar unerklärliche Dinge passieren wie eine Totalentladung der Batterie.
Der Passat Variant mit vielen Extras wiegt mehr als 1,8 Tonnen
Fahrerisch übrigens konnte der VW Passat Variant mit Allradantrieb durchaus überzeugen. Auf glatter Fahrbahn bewegte sich das Auto mit dem Vorteil der vier angetriebenen Räder, die Ruhe während der Reise wurde bereits erwähnt. Allerdings weckt eine Zahl wie 170 PS Erwartungen, die ein Auto, das leer rund 1,8 Tonnen wiegt gleich wieder relativiert. Spritzig nämlich ist der Wagen nicht, als Familien-Reiseschiff jedoch absolut ausreichend motorisiert.
Der Verbrauch, den VW mit 5,7 Liter je 100 Kilometer angibt, pendelte laut Bordcomputer während unserer Testfahrten, die mal durch die Stadt, mal über Land und auch einige Zeit über Autobahnen führten, stets um die Sechseinhalb-Liter-Marke. Und das ist wirklich nicht schlecht für ein derart üppig bestücktes Auto.
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