VW Touareg Häuptling Adlerauge

Jumbo-Jets zieht er zwar nur im Werbefilm, und die Wüste sieht er eher selten. Doch auch in Travemünde, Tucson oder Tokio macht der VW Touareg eine gute Figur. Damit das so bleibt, bekommt er nun ein frisches Design, einen neuen V8-Motor und mehr Elektronik.


Die Rallye nach Dakar endete für VW enttäuschend. Während Mitsubishi den Wüstenmarathon einmal mehr gewann, blieb den Niedersachsen erneut nur die Rolle der Geschlagenen. Dabei hätte Matthias Kröll ein Sieg des Race-Touareg gut ins Programm gepasst. Kröll ist Produktmanager des Straßenmodells und muss in diesen Tagen die neue Modellgeneration des Wolfsburger Geländewagens an den Start bringen. Jetzt braucht er andere Argumente im Kampf gegen die Konkurrenzmodelle Mercedes M-Klasse oder BMW X5 - die Wüstenrenner kamen bei der Präsentation des zivilen Modells jedenfalls nur als Dekoration am Rande zum Einsatz. Krüll leistete Sisyphus-Arbeit, zählte gründlich und ermittelte eine imposante Zahl. "2300 der rund 6500 Teile des Autos sind neu", sagt Kröll. Auf den ersten Blick mag man das kaum glauben – und zwar nicht nur, weil die Preisliste "beinahe unverändert" bei 42.522 Euro für das Grundmodell beginnt. Weder außen noch innen sieht man deutliche Spuren der Erneuerung am dem Modell, das sich binnen vier Jahren rund 300.000 Mal verkaufte. Einzig der chromglänzende Kühlergrill, die neuen Scheinwerfer - Kröll spricht von "Adlerblick" - sowie die etwas größeren Außenspiegel zeugen vom Feinschliff der Designer. Innen erkennt man die Modellpflege lediglich an neu aufgeschäumten Sitzen, einem etwas feinerem Kombiinstrument und einer erweiterten Auswahl an Holzfurnieren und Lederfarben.

Sensoren schauen nach vorn und zur Seite

Dafür haben die Techniker viel gearbeitet. So gibt es nicht nur einen neuen Motor, sondern vor allem ein paar elektronische Feinheiten, die Komfort und Sicherheit weiter verbessern sollen. Der "Adlerblick" lässt sich also doppelt deuten: Er steht eben nicht nur für das neue Autogesicht, sondern auch für ein intelligentes Netzwerk von Sensoren, die das Umfeld überwachen und den Fahrer unterstützen. So erhielt etwa der Tempomat nun ein Radarauge, hält mit dessen Hilfe einen konstanten Abstand zum Vordermann und – das ist neu bei VW – bremst den Touareg bei Bedarf bis zum Stillstand ab.

Dieselbe Technik nutzen die Niedersachsen auch für das System "Front Scan", mit dem der Bereich vor dem Fahrzeug überwacht wird. Erkennt die Elektronik einen zu geringen Sicherheitsabstand und eine drohende Kollision, wird der Fahrer in zwei Stufen gewarnt. Außerdem schärft das System vorsichtshalber schon mal die Bremsen. Es wird sogar zur Seite geblickt. Dort setzt VW zwei Radarsensoren ein, die mit Side Scan den Toten Winkel überwachen. Ganz neu ist zudem das ABS Plus, das VW eigens für Fahrten im Gelände und auf losem Untergrund entwickelt hat. Dort lässt die Elektronik die Räder nun so lange blockieren, bis Schnee, Schotter oder Sand in wenigen Millisekunden einen kleinen Keil vor dem Rad gebildet haben, erläutert Kröll. Der unterstützt die Verzögerung und kann den Bremsweg um bis zu 20 Prozent verkürzen.

Neuer V8-Benziner mit mehr PS und weniger Durst

Die wichtigste Änderung unter der Haube gilt dem V8-Benziner. Während der Sechszylinder unverändert 280 PS leistet und auch die drei Diesel mit fünf, sechs oder zehn Zylindern weiterhin mit 174, 225 oder 313 PS in der Liste stehen, klettert die Leistung des 4,2 Liters um 40 auf nun 350 PS. Möglich macht das die Direkteinspritzung, die auch das maximale Drehmoment auf 440 Nm steigen lässt. Derart erstarkt, hat das Kraftwerk nun noch leichteres Spiel mit dem schweren Brummer: Während die Automatik fast unmerklich die sechs Gänge wechselt, und die Abgasfanfaren aus den armdicken Endrohren kaum lauter werden, beschleunigt der V8 den mehr als zwei Tonnen schweren Geländewagen nahezu mühelos in 7,5 Sekunden auf Tempo 100. Schluss ist erst bei 244 km/h.

Der aktuellen CO2-Diskussion kann sich VW natürlich auch beim Touareg nicht entziehen. Zumal ein Auto, dessen sparsamste Variante den geplante Grenzwert mit 267 g/km um mehr als das Doppelte übertrifft, derzeit noch deplatzierter wirkt als sonst. "Die Kunden in dieser Fahrzeugklasse sind sich schon bewusst, dass sie kein sparsames Fahrzeug kaufen", sagt Produktmanager Kröll, der eher selten nach dem Verbrauch gefragt wird. Doch ganz am Thema vorbei denkt er nicht. Schließlich ist mit dem neuen V8-Motor der Spritkonsum im Vergleich zum bisherigen Aggregat um einen Liter gesunken. Und nicht umsonst bietet VW eine Flüssiggas-Umrüstung an, ohne darüber allerdings viele Worte zu verlieren.

Der neue, von Audi zu VW gewechselte Entwicklungschef Ulrich Hackenberg geht sogar noch weiter. Er kann sich durchaus harmlose Spartricks wie eine Schaltanzeige oder eine optimierte Übersetzung vorstellen. Außerdem kündigt er – zunächst allerdings nur für die USA – auch einen Bluetec-Diesel im Touareg an. Und angeblicht steht auch der Hybrid-Antrieb weiter auf dem Programm. Er soll Ende 2008 den Verbrauch auf ein vernünftiges Maß senken. Vor dem Sparen allerdings kommt erst das Spurten: Im Sommer gibt es deshalb wieder einen Touareg mit aberwitzigem W12-Aggregat.



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