Fahrbericht VW Up Muss passen

Wie lockt man junge Autokäufer an? VW versucht es beim Kleinwagen Up mit einem neuen 90-PS-Motor und einer Farbenvielfalt wie im Malergeschäft. An einigen Stellen hakt's aber gewaltig.

Jürgen Pander

Von Jürgen Pander


Digitalisierung bedeutet die Reduktion auf Nullen und Einsen. Im Fall des frisch renovierten VW Up ist es die Null, denn in die Smartphonehalterung, prominent positioniert auf der Mitte des Armaturenbretts des Kleinwagens, passt mein Telefon einfach nicht rein. Irgendetwas klemmt oder hakt, jedenfalls lässt sich mein Gerät nicht fixieren. Und die Koppelung mit der Bordelektronik funktioniert auch nicht. Weiß der Teufel, was da schief läuft - aber auch nach dem fünften Versuch erkennt das Radio mit dem vieldeutigen Namen "Composition Phone" mein Mobiltelefon nicht. Ich gebe auf und fahre einfach so los.

Das, immerhin, klappt auf Anhieb.

Und so wird ganz beiläufig einmal mehr deutlich, was ein Auto eigentlich ausmacht: nämlich dass es fährt. Mobil zu sein ohne Mobiltelefonanbindung ist völlig okay. Und im renovierten VW Up macht es sogar richtig Spaß.

Was auch daran liegt, dass in unserem Testauto ein für die Up-Baureihe neuer Motor unter der Haube steckt. Der 1-Liter-Dreizylinder-TSI, also ein Aggregat mit Turbolader und Benzindirekteinspritzung, leistet 90 PS und ist die neue Topmaschine im Up-Angebot. Beim Anfahren knurrt das Triebwerk tatendurstig, dann läuft es aber vor allem ziemlich leise und erledigt seine Aufgabe erfrischend zügig.

Unschuldig in der Dieselaffäre

Allerdings kommt auch der neue TSI-Motor im Alltagsbetrieb nicht ansatzweise an die offiziell verbreiteten Verbrauchswerte heran. 4,4 Liter sollen es im Schnitt sein - das kann man gleich vergessen. Für den Stadtverkehr gibt VW ein Mittel von 5,5 Liter an; der Bordcomputer unseres Testautos meldete nach etlichen Kurzstrecken in der Stadt 6,8 Liter. Wenigstens ist die Baureihe beim Abgasskandal außen vor, denn es gibt sie nicht mit Dieselmotor (wohl aber mit Erdgas- oder Elektroantrieb).

Für VW ist das die Chance, den Kleinen als frischen, pragmatischen, unvoreingenommenen Einstieg in die Marke zu positionieren. Das Auto soll VW neue und am besten junge Kunden zutreiben, darauf wurde beim Facelift in zweierlei Hinsicht Wert gelegt: Erstens liegt der Einstiegspreis ab sofort bei 9850 Euro, das ist etwas billiger als zuletzt; zweitens gibt es zahlreiche neue Ausstattungs- und Individualisierungsoptionen - die den Preis sogleich wieder in die Höhe schnellen lassen.

Der VW Up im Video:

Jürgen Pander

Mit sogenannten Color-, Design-, Interior- oder Roof-Packs lassen sich Räder, Dächer, Sitze, Außenspiegelgehäuse, Karosseriefarben sowie Dekorfolien ziemlich bunt mischen. Auch für das Armaturenbrett gibt es zehn verschiedene Dekore, die vorderen Sicherheitsgurte können mit roten Ziernähten bestellt werden und schicke Textilfußmatten gibt es ebenfalls. Der Sinn der fast schon verwirrenden Stylingvielfalt ist klar: Der Up soll endlich auch die allseits umschwärmte, urbane Latte-Laptop-Zielgruppe ansprechen.

Die, so das Kalkül der Vertriebs- und Marketingleute bei VW, lassen sich dann auch von ab sofort verfügbaren Extras wie dem Multifunktionslenkrad, einer LED-Ambientebeleuchtung, einer Klimaautomatik oder einer Rückfahrkamera überzeugen. Zumindest die 200 Euro Aufpreis für die letztgenannte Option sollte man sich sparen, denn kaum ein anderes Auto ist derart übersichtlich und leicht zu rangieren wie der Up.

Sondermodell mit edler Soundanlage

Das gute Handling, das angenehme Lenkgefühl, die für einen Kleinwagen überaus bequemen Sitze und die sorgfältige, fast schon ein bisschen zu ernsthafte Gestaltung der Armaturentafel machen den Up zu einem praktischen Auto. Billig hingegen ist nur die komplett schmucklose Einstiegsversion mit dem 60-PS-Benziner.

Das uns zu Testfahrten zur Verfügung gestellte Sondermodell Up Beats, in dem eine 300-Watt-Musikanlage mit sechs Lautsprechern inklusive Subwoofer installiert ist, kostet mindestens 13.150 Euro, mit dem neuen Top-Motor und als Viertürer gar 15.080 Euro.

Inkludiert sind in diesem Preis einige weitere Extras, wie etwa ein verchromter Handbremshebelknopf, abgedunkelte Scheiben im Fond sowie 15-Zoll-Leichtmetallräder.

Und ja, das Radio "Composition Phone" sowie die "Dashpad" genannte Telefonhalterung (sonst 170 Euro Aufpreis) gehören auch dazu. Wäre nur wichtig, dass sie dann auch problemlos funktionieren.

Fahrzeugschein
Hersteller: VW
Typ: Up TSI
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Dreizylinder-Bezindirekteinspritzer-Turbo
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 999 ccm
Leistung: 90 PS (66 kW)
Drehmoment: 160 Nm
Von 0 auf 100: 9,9 s
Höchstgeschw.: 185 km/h
Verbrauch (ECE): 4,4 Liter
CO2-Ausstoß: 101 g/km
Kofferraum: 251 Liter
umgebaut: 959 Liter
Gewicht: 1.111 kg
Maße: 3600 / 1641 / 1463
Preis: 15.080 EUR
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insgesamt 256 Beiträge
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Seite 1
karl_ruess 12.10.2016
1. up! macht Spass
Meine Frau fährt seit über einem Jahr den up! mit 75 PS und ist zufrieden damit. Das Auto hat ein Automatik-Getriebe, das hervorragend funktioniert, es schaltet schneller und besser als ich es könnte. Ein großes Manko gibt es: für Frauen sind viel zu wenig Ablagen vorhanden, auch fehlt ein Platz, wohin man Münzen legen und leicht wieder aufnehmen kann.
mazzmazz 12.10.2016
2. Offenbar mal wieder ein Volkswagen
Langsam scheint VW es zu kapieren. Ein kleines Auto mit guter Verarbeitung und Design, das man mögen kann, für 15.000 Eur. Diese Welle reiten ja auch Fiat mit dem 500 und Citroen mit dem DS3. Im Falle des Fiat 500 extrem erfolgreich. Auch der neue Ford Ka ist attraktiv. Sogar mit Saugmotor, was auch ausreicht. Ein Kleinwagen muss gar nicht nur 6.000 Eur kosten. Aber er muss im Unterhalt günstig, nett anzusehen und gut zu fahren sein. Die kleinen Motörchen von Fiat (2-Zyl.) und Ford (3 Zyl.) laufen ruhig genug und fix genug. Der neue VW Motor dürfte das wohl auch hinbekommen. Haltbarkeit ist möglich. Fiat und Ford haben es erwiesenermaßen hinbekommen. Ob VW das auch geschafft hat, wird sich zeigen. Sieht man sich 1.4 TSI und 2.0 TFSI an, wäre ich persönlich jedoch skeptisch und würde 2 Jahre warten, bis man mehr weiß. Solange kann man ja einen Fiat 500 fahren... 6-7 L Benzinverbrauch in der Stadt sind für ein Auto mit ca. 100 PS und dem Nutzwert eines Golf 2 völlig in Ordnung. Die Untergrenze ist erreicht. Das sollten wir langsam akzeptieren. Den 2 Zyl. Fiat fahre ich mit knapp 6 L. Hauptsächlich Landstraße. Die Autos wiegen 1 Tonne. Was erwarten Sie? Ich finde diese Werte klasse. Zumal man dafür mehr als ausreichend Leistung geboten bekommt. Solche Kleinwagen werden meist 5-10.000 km p.a. gefahren. 1L Verbrauch hin oder her spielt keine Rolle. Wichtig ist, dass Kaufpreis, Service, Versicherung und Steuer günstig sind. Beim up! sehe ich hier nur beim Service ein Problem, denn er ist ein VW und diese Firma ist beim Service eben viel zu teuer. Wenn aber Motor und Getriebe vernünftig ausgelegt sind, kann man die einfachen Inspektionen auch beim freien Schrauber machen lassen (die Gewährleistung / Garantie bei VW gilt sowieso nur 2 Jahre) und kommt günstig und chic von A nach B. Dafür sind solche Autos gemacht.
p-huebner 12.10.2016
3. Schlecht und der Konkurrenz weit zurück
Der Verbrauch in der Stadt ist unterirdisch. Mein Corsa 1.4 ohne Turbo mit 101PS verbraucht auch 6,8l/100km in der Stadt, BJ 2014. die Ausstattung gab es schon vor Jahren beim Adam und Corsa von Opel, ein bisschen billiger zu gleich. Das USP bei VW fehlt einfach. Können noch so besserwissende Passat, Golf und Up Fahrer meinen das sie den besseren und "cooleren" Wagen fahren, aber in der Realität haben sie deutlich an Fahrtwasser in Sachen Technologie gelassen. Kein Matrixlicht, kein ordentlicher V6 Biturbo im Highline Passat... Opel macht Spaß, trotz Image. Kann man nur sagen Umparken im Kopf.
brux 12.10.2016
4. Au Backe
Mein 10 Jahre alter Prius, immerhin ein Auto der Mittelklasse mit einigem an Luxus, verbraucht 4.9 Liter auf 100 km. Gemessen über 100.000 km Laufleistung. Warum kommt ein deutscher Kleinwagen nicht annähernd in diese Region?
di wa 12.10.2016
5. Warum...
...muss ein so kleines Auto, das nicht für lange Fahrten auf der Autobahn konzipiert wurde einen 90PS Motor haben??? Vor 15 Jahren hatte ich einen Octavia Combi - gefühlt doppelt so groß und schwer - mit einem 90 PS Turbodiesel. Und auch bei diesem Auto hatte ich nicht das Gefühl, er sei untermotorisiert. Es wird dringend Zeit, dass hier mal ein Umdenken erfolgt. "Downsizing" nicht in Form von mehr Leistung mit kleinerem Hubraum sondern in Form von kleinere, leichtere Autos mit weniger Leistung...
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