VW Up Fünftürer: Der Fahrtenzwerg

Von Jürgen Pander

VW Up Viertürer: Schwarz und gut Fotos
Jürgen Pander

Seit ein paar Monaten mischt Volkswagen mit seinem Kleinwagen Up die Zulassungsstatistik auf. Der Wagen ist ein Verkaufsrennerchen. Aber taugt er auch als Familienmobil? SPIEGEL ONLINE hob die fünftürige Variante auf den Alltagsprüfstand.

Gleich zum Einstieg eine Frage: Wo findet man auf kleinstem Raum gleich sechs handtellergroße VW-Logos? Besitzer eines VW Up können das natürlich sofort beantworten: An ihrem Auto. 10,36 Meter misst ihr Kleinwagen nämlich im Umfang, und auf jeder der vier Radnaben sowie mittig an Front und Heck grüßt das VW-Emblem. Und zwar sehr groß.

Fast wirkt es, als wolle man in Wolfsburg auf Nummer sicher gehen, dass auch der Letzte kapiert, dass es sich beim Kleinwagen Up um einen Volkswagen handelt. Das ist nachvollziehbar, denn zuletzt waren die Wolfsburger nicht unbedingt die erste Adresse, wenn es um wirklich kleine Kleinwagen ging. Jetzt ist das anders.

Der VW Up ist, da braucht man nicht lange drumherum zu reden, ein famoses Auto. Er sieht grundsolide aus, das Verhältnis von Blech- zu Glasflächen ist stimmig und trotz der pragmatischen Form, die wirkt, als sei die Karosserie aus einem Bastelbogen gefaltet, strahlt der Wagen eine verschmitzte Frische aus. Jedenfalls hat er was, der Up.

Das Auto parkte zehn Tage lang auf der Straße direkt vor unserer Wohnung, einer mittelmäßig belebten Straße in Hamburg-Altona. Und fast immer, wenn man aus dem Fenster sah, standen ein oder zwei Passanten dort, schauten in den Innenraum oder umrundeten den Kleinen sogar. Sowas passiert sonst nur bei sehr viel teureren und exotischen Fahrzeugen.

Alltag statt Urlaub

Vielleicht lag es daran, dass es das fünftürige Modell war. Die Maße von Drei- und Fünftürer sind identisch, doch der Nutzwert des Autos mit den Fondtüren ist ungleich höher, weil man die beiden hinteren Sitzplätze mühelos erreicht. Erst recht sind die zusätzlichen Öffnungen - die übrigens 475 Euro Aufpreis kosten - ein Vorteil, wenn man im Fond den Nachwuchs auf Kindersitzen unterbringen muss. Das ist platzmäßig kein Problem, sofern die beiden Insassen vorne nicht ungewöhnlich groß gewachsen sind oder im Auto mehr lümmeln als aufrecht sitzen.

Etwas Entscheidendes ist damit über den fünftürigen Up bereits gesagt: Er taugt als Fahrzeug für eine vierköpfige Familie. Er taugt nicht für die große Urlaubsreise, denn der Kofferraum fasst lediglich 251 Liter (mit umgeklappter Rücksitzlehne sind es 951 Liter). Aber für den Wochenendausflug oder die übliche Einkaufstour ist das Ladevolumen ausreichend.

Womöglich interessierten sich die Passanten für den Up auch deshalb, weil es sich um das Sondermodell black Up handelte. So nennt VW die mit allem Lametta behängte Top-Version, die unter anderem über ein Armaturenbrett in Hochglanzschwarz ("black pearl"), Nebelscheinwerfer mit Chromdekor, abgedunkelte Fondscheiben, Chromhäubchen auf den Außenspiegeln und 16-Zoll-Leichtmetallräder verfügt. Das Modell white Up ist übrigens - logischerweise bis auf die Farbe - identisch ausgestattet.

Der Autozwerg kann zur Rieseninvestition werden

Klein, zugleich geräumig und ziemlich attraktiv ist der Up in der von uns gefahrenen Variante. Was er nicht ist: billig. 14.775 Euro kostet das schwarze Highend-Modell in der fünftürigen Version. Der Testwagen war überdies mit dem um eineinhalb Zentimeter tiefer gelegten Sportfahrwerk, Lederausstattung, einer Musikanlage mit sechs Lautsprechern, City-Notbremsfunktion, Einparkhilfe und einem Panoramaschiebedach ausgestattet, so dass sich der Preis auf 16.980 Euro summierte. Das ist happig für einen Knirps, dessen Einstiegsvariante 9850 Euro kostet.

Das Fahren im Up, und darauf kommt es bei einem Auto ja durchaus an, ist vergnüglich. In der 75 PS starken Variante bewegt sich der Wagen auch mit voller Besetzung noch so, wie man es sich von einem kleinen Stadtauto erhofft. Das Fünfgang-Schaltgetriebe lässt sich gut bedienen, im Cockpit werden Gangempfehlungen angezeigt und auf dem im Top-Modell serienmäßigen, herausnehmbaren Navigations- und Infotainment-Computer lässt sich ein Spritspartrainer aufrufen, der anzeigt, wie effizient man unterwegs ist.

Den Navigationsmodus stellt man übrigens nur ein, wenn man wirklich fremd ist in der Gegend und kein Mensch weit und breit zu sehen ist. Die Bedienung des Pfadfinders ist so vertrackt und die Touch-Screen-Bedienfelder sind so mickrig, dass es angenehmer ist (und viel schneller geht), mal kurz anzuhalten und nach dem Weg zu fragen.

Dankbar für jeden Zentimeter mehr Federweg

Auf das Sportfahrwerk würden wir, hätten wir die Wahl, ebenfalls verzichten. Ein Autozwerg wie der Up sollte nicht größenwahnsinnig werden und auf Sportskanone machen. Schon allein deshalb, weil in der Stadt, der artgerechten Umgebung des Up, selten mehr als 50 km/h erlaubt sind und man auf Kopfsteinpflasterstraßen oder auf Fahrbahnen mit heftigem Kanaldeckel-Ausschlag für jeden Zentimeter Federweg mehr dankbar ist. Und dann spart man auch noch 220 Euro.

Seit dem Marktstart des Modells im Dezember vergangenen Jahres hat VW rund 30.000 Modelle in Deutschland ausgeliefert. Viele in Schwarz oder Weiß, manche auch in Rot oder in diversen Silbergrautönen. Eigentlich bringt der Kleine Farbe ins Kleinwagensegment - nur eben nicht äußerlich. Wer ein gelbes oder grünes Auto dieses Typs fahren möchte, muss bei den Konzernmarken Seat oder Skoda vorstellig werden. Die bieten ihre Up-Ableger Mii und Citigo in etwas fröhlicheren Farben an - und mit deutlich dezenteren Markenlogos.

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insgesamt 78 Beiträge
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1. Danke
Fangio 13.08.2012
fürs Nachreichen.
2. Kein Wort zum Verbrauch?
fettebeute 13.08.2012
Ein weiterer Werbeartikel... Bitte berichten Sie doch mal kritisch über Autos, auch wenn diese von ihren Werbekunden stammen. Wie rechtfertigt ein Kleinstwagen im Jahr 2012 einen ECE-Verbrauch von 4,7l? Konnten ihre Testfahrten der Wert bestätigen? Warum liegt das Fahrzeug trotz 5 Jahren späterer Entwicklung im ECE-Mix höher als vergleichbare Autos, etwa der Aygo oder C1? Wieso hat VW bei einem derartigen Preis nicht wenigstens ansatzweise die Spritspartechnik aus dem 3l-Lupo übernommen?
3. Nein.
Fangio 13.08.2012
Zitat von sysopJürgen PanderSeit ein paar Monaten mischt Volkswagen mit seinem Kleinwagen Up die Zulassungsstatistik auf. Der Wagen ist ein Verkaufsrennerchen. Aber taugt er auch als Familienmobil? SPIEGEL ONLINE hob die fünftürige Variante auf den Alltagsprüfstand. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,849383,00.html
Der Autor hat wohl keine Kinder, sonst wüsste er um den Platzbedarf. 4 Türen sind natürlich deutlich bequemer. Der dürfte auch sich auch gut in die Mietwagenflotten verkaufen. Mir persönlich gefällt diese flottere Variante (http://data.motor-talk.de/data/galleries/0/210/8723/46083700/vw-up-h-r-sportfedern-560x373-5fcadc1750a92fa3-3816625567520907127.jpg) besser.
4. Bezahlter Artikel!
Fintherbub 13.08.2012
VW hat als Jahresziel knappe 70 tausend VW UP für den deutschen Markt definiert. Als die dann im Mai gemerkt haben, dass gerade mal 12 tausend verkauft wurden, haben sie große Panik bekommen. So entstehen diese lächerlichen Beiträge, die vollkommen unvoreingenommen und unparteiisch wirken. Ein leichter Hauch von kritischem Journalismus soll darüber hinwegtäuschen... PS: von den im Artikel erwähnten 30 tausend Zulassungen entfallen ca. 8 tausend auf Händler. Somit keine Endverbraucher! Ziel verfehlt, setzen, sechs!
5. Zu teuer, zu verspielt
George712 13.08.2012
Der Wagen ist sicherliche nicht schlecht. Aber ca. 10.000 für einen Kleinstwagen in Basis-Ausstattung. So etwas sollte bei 7.500 EU anfangen (wirklich nur das Nötigste) und wer will darf ihn sich mit allen Extras vollstopfen, die er haben will. Der Verbrauch ist zu wirklich zu hoch und das bei einem Leergewicht von 929 kg.
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Schnellcheck
VW Up Viertürer

Das begeistert: Wie klein und kompakt ein vollwertiges Auto sein kann.

Das fehlt: Die Bedienfreundlichkeit des Navigationssystems von Navigon.

Das nervt: Die VW-Marotte der willkürlichen Interpunktion, etwa bei "up!" oder bei "Think Blue. Trainer".

Was sonst? Dieser VW wirkt, als hätten die Wolfsburger noch nie andere Fahrzeugtypen gebaut.
Fahrzeugschein
Hersteller: VW
Typ: Up (Viertürer)
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Dreizylinder-Benzin-Direkteinspritzer
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 999 ccm
Leistung: 75 PS (55 kW)
Drehmoment: 95 Nm
Von 0 auf 100: 13,2 s
Höchstgeschw.: 171 km/h
Verbrauch (ECE): 4,7 Liter
CO2-Ausstoß: 108 g/km
Kofferraum: 251 Liter
umgebaut: 951 Liter
Gewicht: 929 kg
Maße: 3540 / 1641 /1489
Versicherung: 15 (HP) / 15 (TK) / 13 (VK)
Preis: 14.775 EUR



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