Wiesmann Roadster MF5: Entspannter Extremsportler

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555 PS, individuelle Fertigung, Kleinstserie: Der Wiesmann MF5 zählt zur Gilde der Supersportwagen. Gemessen an den Fahrleistungen kann der Roadster aus Dülmen ohne weiteres mit Ferrari & Co. mithalten. Was die Ausstrahlung betrifft, bleibt er jedoch weit hinter den Vorbildern zurück.

Wiesmann MF5: Roadster mit der Kraft eines Kampfjets Fotos
Wiesmann

Auf den ersten Blick wirkt das Fabrikgebäude von Wiesmann wie eine Waldorf-Schule. Rechts von der langen Eingangstreppe ist ein Gerüst von Holzbalken installiert, dessen Funktion sich dem Betrachter zunächst nicht erschließt. Erst Marketing-Chef Jan Molitor klärt den Besucher auf. Aus der Luft betrachtet, sehe das Gebäude aus, wie ein überdimensionaler Gecko. Die Echse sei das Markenzeichen der Firma, weil sie sich in ähnlicher Manier am Untergrund festhalte, wie die Autos, die Wiesmann herstelle.

Auch dem neuesten Produkt aus der Sportwagenmanufaktur aus dem münsterländischen Dülmen, dem Wiesmann MF5, werden solche Talente nachgesagt. Und wer das aufwändig vernietete und verklebte Chassis betrachtet und die mit großer Liebe zum Detail gefertigten Dreieckslenker aus Leichtmetall, die unter der Karosserie des Roadsters verborgen sind, ist sofort bereit, das zu glauben.

Eine gute Straßenlage ist bei diesem Auto zweifelsohne von großer Bedeutung, denn es steht wirklich vor einer großen Aufgabe. Von Big Block spricht zwar heutzutage keiner mehr, doch die Assoziationen, die der Begriff weckt, haben trotzdem noch uneingeschränkt Gültigkeit, und für den im MF5 installierten Motor erst recht. 4,4 Liter Hubraum, verteilt auf acht Zylinder, die dazu auch noch von zwei Turboladern unter Druck gesetzt werden, ergeben ein maximales Drehmoment von 680 Nm und 555 PS. Sie genügen schon, um den überfetteten Kampfstier X6 von BMW mit seinen 2,4 Tonnen in die Lage zu versetzen, bei einer Stampede mitzuhalten. Der Wiesmann Roadster setzt dem Kraftwerk dagegen lediglich 1400 Kilogramm entgegen.

Beschleunigung wie ein Kampfjet

Umso erstaunlicher ist es, wie gelassen der Wagen mit der Leistung umgeht. Bei voller Beschleunigung mischt sich allenfalls ein leises Ächzen der Reifen in das Konzert, das der Motor produziert - es beginnt mit einem Wummern bei niedriger Drehzahl und geht anschließend in ein sattes bassiges Trompeten über, kurz bevor die Sechsgang-Automatik den Gang wechselt. Allerdings fragt man sich unwillkürlich, wofür das eigentlich nötig ist. Denn ein Getriebe scheint der Achtzylinder überhaupt nicht zu brauchen.

Noch eindrucksvoller ist es aber, wie der MF5 nach vorne stürmt. So muss es sein, wenn Jetpiloten ihre Triebwerke auf vollen Schub stellen. Man wird in den Sitz gepresst, beide Hände am Lenkrad, und konzentriert sich auf den imaginären Bremspunkt auf der schnell immer enger werdenden Straße. Allein die üppige Breite und die extrem giftig ansprechende Lenkung wirken dabei zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Wenn man diese Unsicherheiten überwunden hat, wird schnell klar: Der Grenzbereich des MF5 liegt weit höher als der des Fahrers.

Ein Ferrari 458 Italia oder ein Lamborghini Aventador kann das kaum besser, und trotzdem wirkt das Beschleunigungsinferno bei beiden ungleich spektakulärer, hektischer, nervöser. Der Wiesmann hingegen absolviert den Sprint gelassen wie ein großer Bentley.

Gelassenes Dahingleiten nach Bentley-Art ist allerdings nicht drin. Dafür reagiert der Wiesmann zu nervös auf die kleinsten Lenkeinschläge. Hinzu kommt, dass der Volant zwar recht hohe Haltekräfte erfordert - was für einen Sportwagen aber durchaus angemessen ist -, aber bei kleinen Ausschlägen nur auf Befehl des Fahrers wieder in die Mittellage zurückkehrt. Daraus resultiert eine etwas zackige Art der Fortbewegung, die tatsächlich durchaus vergleichbar mit der eines Geckos ist - auch wenn das die Väter des MF5 wohl so weit gedacht haben dürften als sie die kleine Echse zum Markenzeichen erkoren.

Design ohne Finesse

Aber ein echtes Herrenfahrer-Auto ist der Sportsmann aus Dülmen ohnehin nicht. Trotz großzügiger Verwendung von Leder und eigens gefertigten Instrumenten und Schaltern aus massivem Metall. Die Kunden haben hier ebenso viel Spielraum für individuelle Wünsche, wie bei Bentley in Crewe oder bei Rolls Royce in Goodwood, ganz gleich, ob es nun um die Farbe der Zifferblätter geht, oder das Muster der Nähte.

Doch bei aller Mühe - speziell im Innenraum sieht der Wiesmann wie selbstgemacht aus. Das beginnt bei den eigenwilligen Höckern auf dem Armaturenbrett, die die Anzeigen für Öldruck, Wassertemperatur oder den Füllstand des Tanks aufnehmen (und übrigens ganz nach Wunsch angeordnet werden können). Und es endet noch nicht bei den sichtbaren Madenschräubchen, die die Drehknöpfe für Klimaanlage und Gebläse fixieren. Auch das sorgfältig in Leder gefasst Kombiinstrument hinter dem Lenkrad wirkt ein wenig wie aus dem Elektronikversand. Insgesamt wirkt das Design zu wenig ausformuliert für ein Auto, das mindestens 193.500 Euro kostet.

Auch der Karosserie fehlt es an der letzten Finesse. Von vorn denken Unbedarfte sofort an die Replika eines Austin Healey mit modernisierten Scheinwerfern, und am zerklüfteten Heck dominieren die dicken Endrohre des Auspuffs und die über die bauchigen Seitenwände verteilten Einheiten für Rücklicht, Nebelschlussleuchte und Rückfahrscheinwerfer.

Doch über Geschmack lässt sich nicht streiten. Immerhin lieferte Wiesmann allein im Jahr 2010 rund 200 Autos aus. Unter den Kunden ist auch Schlager-Produzent Dieter Bohlen, der sogar schon zwei Wiesmanns gekauft hat.

Anmerkung der Redaktion:
In der ursprünglichen Fassung war von 400 verkauften Autos im Jahr 2010 die Rede. Tatsächlich hat Wiesmann aber nur 200 Autos ausgeliefert. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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insgesamt 20 Beiträge
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1. Schönes Auto
cor 31.05.2011
Wieso gibt es den nur noch mit Automatik? Eigentlich schade... @SPON: Ich wünsche mir auch weiterhin bei den Artikeln ein Diagramm, in dem ich die Drehmomentkurve sehe. "680NM" ist eine beeindruckende Zahl. Leider kann ich damit nur wenig anfangen, denn ich weiss nicht wann und wie lange diese anliegen.
2. gelungen
wolfgangl 31.05.2011
Das Teil sieht gut aus und wenn man auf Retrolook steht, dann ist das ein gelungenes Fahrzeug mit aktueller Technik.
3. .
nukefree 31.05.2011
Zitat von corWieso gibt es den nur noch mit Automatik? Eigentlich schade... @SPON: Ich wünsche mir auch weiterhin bei den Artikeln ein Diagramm, in dem ich die Drehmomentkurve sehe. "680NM" ist eine beeindruckende Zahl. Leider kann ich damit nur wenig anfangen, denn ich weiss nicht wann und wie lange diese anliegen.
In der von Wiesmann verwendeten Abstimmung liegen die 680 NM von 1.500 - 5.650 U/min an. Nachzulesen hier: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/bmw-x6-m-hochleistungs-v8-fuer-den-bmw-x6-1099020.html Generell aber würde ich Ihnen eher raten, solche Artikel in geeigneten Fachmagazinen nachzulesen, da werden nämlich auch Leistungsdiagramme usw. mitgeliefert. Vor allem aber werden die Artikel von Autoren geschrieben, welche auch Ahnung von Autos haben, und nicht von der Sekretärin, wie augenscheinlich bei SPON. Dem Autor ist noch nicht mal aufgefallen, dass er den V10 - Motor des alten M5 abgebildet hat, obwohl sogar groß und fett "M V10" draufsteht! Die Autovorstellungen bei SPON sind eigentlich nur wegen der Bilder beachtenswert und herrlichen pseudoüberheblichen Kommentare der Neiderfraktion im Forum.
4. aus V10 ...
morpholyte 31.05.2011
... mach V8. Auf Bild Nr. 6 ist ein anderer Motor zu sehen. Wenn ich ich mich nicht irre, handelt es sich um das "alte" V10 Triebwerk des BMW M5, welches auch in Vorgängermodellen des MF5 verbaut wurde !?! Jedenfalls passt das Bild nicht zum Artikel !
5. Formaler Mix
rennflosse 31.05.2011
Ein Designmix aus AC Cobra und Jaguar XK 120, der sich wohltuend von anderen Extremflundern abhebt. Wenngleich mir auch nicht alle Details gefallen. Die Außenbeleuchtung zum Beispiel ist ziemlich missraten, die Innenausstattung strahlt nach Rotlichtviertel. Trotzdem schön dass es noch solche Auto-Manufakturen ausserhalb Englands gibt, in denen Alternativen zur Massenware angeboten werden.
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Fotostrecke
Extreme Roadster: Knallharter Verzicht auf Komfort
Fahrzeugschein
Hersteller: Wiesmann
Typ: Roadster MF5
Karosserie: Cabrio/Roadster
Motor: V8 Biturbobenziner
Getriebe: Sechsgang-Automatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 4.395 ccm
Leistung: 555 PS (408 kW)
Drehmoment: 680 Nm
Von 0 auf 100: 3,9 s
Höchstgeschw.: 311 km/h
Verbrauch (ECE): 10,7 Liter
CO2-Ausstoß: 281 g/km
Preis: 193.500 EUR

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Wiesmann Roadster MF5

Einsteigen: ...weil Antrieb und Fahreigenschaften des Autos begeistern und Exklusivität garantiert ist.

Aussteigen: ...weil das Design allzu handgestrickt wirkt und so viel Leistung für einen Roadster eigentlich nicht nötig ist.

Umsteigen: ...aus Porsche 911 Turbo Cabrio, Ferrari 458 Italia, Audi R8 oder Lamborghini Aventador

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