Von Tom Grünweg
Was in Kinderfachgeschäften als fahrbarer Untersatz für den Nachwuchs angeboten wird, sieht nur in Ausnahmefällen wirklich gut aus. Es gibt ein paar schicke Retro-Modelle - der Rest aber ist modisches Blingbling in schrägen Farbkombinationen und mit fragwürdigem Plastikfahrgestell. Jedenfalls erfüllen die allermeisten Kinderwägen keineswegs den Wunsch nach Coolness, Prestige oder Glamour, den manche Eltern an sich und ihre Warenwelt haben. Diese Marktlücke haben auch Joe Locano, Jamie Coblentz und Jason Albert erspäht. Sie haben in Kalifornien die Tuningschmiede Kid Kustoms eröffnet und einen eigenen Kinderwagen entworfen. Die Karre würde auch als Star in der MTV-Serie Pimp My Ride durchgehen. "Damit haben ihre Kids die coolste Karre auf dem Bürgersteig", versprechen die Erfinder.
Obwohl die Preise bei stolzen 2500 Dollar beginnen und damit auf dem Niveau eines betagten Gebrauchtwagens liegen, kann sich Kid Kustoms vor Anfragen angeblich kaum retten. Für die nächsten Wochen sind die Tuner ausgebucht. Vor allem ein Auftritt bei einer Kinder-Fachmesse in Las Vegas füllte die Auftragsbücher.
Seine Inspiration trägt The Roddler schon im Namen. Als Vorlage dienten den Designern sogenannte Hot Rods, getunte US-Autos aus den vierziger Jahren. Kein Wunder also, dass der Kinderwagen ein wenig tiefergelegt aussieht und auf Weißwandreifen mit verchromten Speichenfelgen steht. Die stromlinienförmige Verkleidung der Hinterräder, in denen sogar eine Federung untergebracht wurde, erinnert eher an Pontiac, oder Plymouth denn an Maxi Cosi.
Auch denen, die die Karre schieben müssen, machen es die Designer leicht. Schließlich gibt es sonst wohl kaum einen Kinderwagen mit Optionen wie einem eingebauten DVD-Spieler, einer Freisprechanlage mit Bluetooth-Schnittstelle, einem Bordcomputer, einem iPod-Anschluss oder maßgeschneiderte Getränkehalter.
Tuning für die Kleinsten mit Kroko- oder Straußen-Leder
Basis aller Roddler-Konstruktionen ist ein Alurahmen, den die Entwickler aus der Luftfahrt übernommen haben. Dazu gibt es einen Hilfsrahmen, an dem die Sitzschale, das Verdeck, der Sicherheitsbügel und das Gestänge zum Schieben befestigt werden. Soweit sind alle Roddler gleich – doch was dann kommt, ähnelt eher der Bestellung einer Luxuslimousine als dem Kauf eines Kinderwagens: Als säße man mit dem Personal Liason Manager von Maybach im Center of Excellence, darf man bei Kid Kustoms zwischen zahlreichen Lederbezügen wählen und zum Test über Strauß, Krokodil, Stachelrochen oder weiches Alcantara streicheln.
Wem das alles zu verspielt ist, der bestellt klassisches Rindsleder. Auch abwaschbares Kunstleder ist im Angebot. Zudem können und müssen die Eltern zwischen Dutzenden von Nähten und Steppmustern wählen und entscheiden, ob das Dach nun die gleiche Lackierung wie die Sitzschale erhält oder aber eine Kontrastfarbe.
dann wollen die Designer noch wissen, wie sie die Kotflügel verzieren sollen: Metallic oder Perleffekt, Uni, Muster, oder am besten gleich mit Flammen wie die echten Hot-Rods? Und dann sind da ja auch noch Räder: lieber Chrom, Lack oder Alu? Speichen oder Scheiben? Weißwand oder Niederquerschnitt? Wer diese lange Liste der Optionen hört, der kann verstehen, warum Kid Kustoms rund vier Wochen Produktionszeit angibt: "In der Werkstatt geht es in der Regel schnell", sagt Firmensprecherin Kirstin Janishefski, "doch bis sich die Eltern erst einmal entschieden haben – das kann dauern."
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Reizvolle Idee. Dennoch würde ichmich auchwenn ich bereit wäre soviel Geld dafür auszugeben mich nicht dafür entscheiden, die Radverkleidungen sind zu tief gelegt und erscheinen nicht Gelände tauglich. Auch gut möglich, daß [...] mehr...
Eine marktlücke und mit sicherheit mit mehr fundament ausgestattet als diese bugaboo flitzer die eher an einen einkaufswagen für "upperclass outdoorshops" erinnern. ich meine das im spiegel über den künstlichen hype [...] mehr...
Die Kohle ist natürlich heftig, aber dass Innovationen sich auch mal zu den Kinderwagenherstellern herumsprechen ist mehr als überfällig. Als ich mit Karre und Co durch die Gegend geschoben bin, habe ich oft dran gedacht, dass ein [...] mehr...
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