Zum Tode von Stunt-Fahrer Bud Ekins: Alter Ego des King of Cool

Von Jochen Vorfelder

2. Teil: Sternenbanner unterm Ulbricht-Porträt

"Hollywood behind the Iron Curtain", titelten die amerikanischen Motorsport-Zeitungen seinerzeit und vermeldeten stolz, wer dafür gesorgt hatte, dass das Sternenbanner in der Erfurter Festhalle unter einem Portrait von Walter Ulbricht gehisst wurde: Steve McQueen hatte das Unternehmen aus seiner Privatschatulle finanziert, Bud Ekins die Logistik organisiert. Als Fahrer waren die zwei Mitglieder des insgesamt fünfköpfigen Teams weniger erfolgreich: Beide schieden am dritten Tag aus; McQueen mit schweren Prellungen und Gesichtverletzungen, Ekins mit einem gebrochenen Knöchel.

Ekins war Blessuren gewöhnt. Neue kamen dazu, als er 1968 McQueen in "Bullit" bei der spektakulären Verfolgungsjagd durch die Hügel von San Francisco doubelte. "Steve hatte schon zwei Autos zerschrottet, und als der Produzent dann darauf bestand, dass ein anderer Fahrer es machen sollte, bestand er darauf, dass ich es machen sollte", erinnerte sich Ekins. Er machte seinen Job gut: Das Rennen, die sich Frank Bullit in seinem Highland-grünen Mustang 390 GT mit dem den Gangstern in einem schwarzen Dodge Charger lieferte, wird von Cineasten gerne als die Geburtstunde des Action-Genre gefeiert. Mit 160 Stundenkilometer über Kuppen, Funken stiebende Karossen, atemberaubende Bremsmanöver – was heute digital nachbearbeitet wird, lieferte Ekins live ab – zum Ruhme seinen Freundes, des King of Cool.

Nach McQueens frühem Tod im November 1980 fuhr Ekins weiter Motocross-Rennen und arbeitete gelegentlich als Stuntman, doch es schien, als habe er die Lust verloren. "Nichts war mehr wie früher. Steve fehlte mir", sagte er selbst in einem der seltenen Interviews über die Zeit, in der er als das Alter Ego des Stars fungierte, dessen einziger Freund er gewesen war. In den neunziger Jahren zog Ekins sich zurück, in einen unscheinbaren Backsteinbau in North Hollywood. Im Fenster hing über Jahre eine kaputte Budweiser-Neonreklame, von der nur noch die Buchstaben B-u-d leuchteten. In seiner Garage sammelte er eigene Maschinen und reparierte britische Motorräder für Hollywood-Größen.

Doch geregelte Arbeit wollte Ekins die Bastelei selbst nicht nennen. Er lebte von einer schmalen Rente, die er sich als Stuntman verdient hatte. In der Mitte seiner Halle stand ein Billardtisch; Freunde kamen auf ein Spiel und ein Bier vorbei. "Wir hatten unsere Zeit und die läuft jetzt aus; die Maschinen werden uns überleben, die soll jemand anderes wieder flott machen", bemerkte er fast trotzig in seinem letzten Interview vor einem Jahr. Bud Ekins starb im Alter von 77 Jahren am vergangenen Samstag in Los Angeles.

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  • Datum: Mittwoch 10.10.2007 | 16:02 Uhr
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