Unterwasserauto sQuba: Das Cabrio, das aus der Tiefe kam

Autofahren wie 007: Der Schweizer Autovisionär Frank Rinderknecht hat - frei nach Ian Flemming - ein Cabrio entwickelt, das auch tauchen kann. SPIEGEL-ONLINE-Reporterin Anne Seith hat sich mit dem Gefährt auf Unterwassertour begeben.

Zürich - Bei James Bond sieht das eindeutig lässiger aus. Als 007 in "Der Spion, der mich liebte" bei einer Verfolgungsjagd mit seinem Lotus Esprit auf Tauchtour gehen will, saust er einfach über einen Steg ins Meer. "Can you swim?", fragt er das schmucke Bond-Girl auf dem Beifahrersitz - aus rein dramaturgischen Zwecken. Als der Wagen in die Unterwasserwelt eintaucht, sitzen die beiden trocken und entspannt in der Fahrerkabine.

Der sQuba in Aktion in Silver Springs, Florida: Aus Sicherheitsgründen ist das Tauch-Auto ein Cabrio - damit die Insassen im Notfall leicht aussteigen können

Der sQuba in Aktion in Silver Springs, Florida: Aus Sicherheitsgründen ist das Tauch-Auto ein Cabrio - damit die Insassen im Notfall leicht aussteigen können

Mein Fahrer heißt nicht Bond, sondern Grob - Fabian Grob. Er hat sich eine Glatze rasiert, lächelt spitzbübisch und der Bauchansatz unter dem Neoprenanzug lässt vermuten, dass er lieber Bier als geschüttelte Wodka-Martinis trinkt. Bevor wir mit dem weißen sQuba-Cabriolet unter Wasser gehen, muss auch ich rein ins Taucheroutfit und das Pressluft-Atemsystem in der Spezialmaske testen, die mit Gummibändern am Kopf festgemacht wird. Topgestylt wie das Bond-Girl werde ich nicht durchs Wasser sausen, so viel ist jetzt schon klar.

Dafür war die Spritztour im Bond-Streifen von 1977 nur Hollywood-Bluff. Der sQuba kann tatsächlich beides: fahren und tauchen, bis in zehn Meter Tiefe.

Grob, der mit an dem Prototyp gebaut hat, wirft die Turbinen am Heck an. Bequem wie im Gummiboot tuckern wir auf den Zürichsee hinaus. Dann aber wird es turbulent. Grob öffnet die Fahrertür: Sofort sprudelt Wasser in den Innenraum. Das Auto sinkt, das Blei an meinem Anzug zieht mich mit nach unten. Plötzlich ist um mich herum nur noch das milchige Grün des Sees.

Die Tauchtour kommt mir ziemlich rasant vor, dabei bewegen wir uns nur mit Schrittgeschwindigkeit. Doch es geht auf und ab und ich kämpfe ständig mit dem zu- und abnehmenden Druck auf den Ohren. Einmal neigen wir uns unheimlich zu einer Seite, bis Grob die Schalter in der Mitte wieder in die richtige Position gebracht hat - sie steuern die Jet-Antriebe unter den Rückspiegeln und damit auch das Fahrzeug. Kurz darauf will ich das Funksystem in der Maske benutzen, doch das fiept nach dem Druck auf den Knopf erst einmal ohrenbetäubend. Dann: starkes Rauschen und Knistern.

"Hörst Du mich?"

"Ich höre Dich."

"Wie schnell fahren wir?"

"Ich höre Dich."

Danach bleiben meine Fragen unbeantwortet.

Solche Kinderkrankheiten im System beunruhigen Frank Rinderknecht nicht. Der sQuba sei ein Prototyp - klar, dass da immer mal wieder etwas nicht funktioniert, findet der braungebrannte Schweizer Unternehmer mit dem gewellten Silberschopf. Insgesamt aber hält er seine Mission für erfüllt. Er hat "einen Traum Realität werden lassen" - wieder einmal.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
alles aus der Rubrik Fahrkultur

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


  • Datum: Samstag 12.07.2008 | 16:28 Uhr
  • Artikel drucken
  • Artikel versenden
  • Feedback
TOP



TOP