Unterwasserauto sQuba: Das Cabrio, das aus der Tiefe kam

2. Teil: Der Schiebedach-Importeur, der seinen Träumen folgt

Eigentlich verdient Rinderknecht, Chef der Sieben-Mann-Firma Rinspeed, sein Geld mit Autotuning und der Herstellung von Prototypen für andere Autobauer. Doch bekannt ist der 52-jährige Schweizer für die irrwitzigen Studien, die er seit 16 Jahren entwickelt. Stammgäste des Genfer Autosalons erwarten alljährlich sehnsüchtig sein Erscheinen. Und sie werden selten enttäuscht.

2004 etwa kam Rinderknecht mit dem Amphibienfahrzeug Splash mit eingebautem Tragflügelsystem. Der Wagen kann 60 Zentimeter über Wasser schweben - und dass die Technik funktioniert, bewies Rinderknecht zwei Jahre später, indem er persönlich in dem seltsamen Gefährt den Ärmelkanal überquerte. Vergangenes Jahr fuhr er dann mit dem eXasis in Genf vor. Ein Wagen mit komplett transparenter Karosserie, der an ein gläsernes Rieseninsekt erinnert - oder an eine futuristische Seifenkiste.

"Ich verfluche mich regelmäßig"

Verkaufen will Rinderknecht die Wagen nicht. Dazu hätten sie zu viele Macken, sagt er schlicht. Nach ein paar Promotionfahrten wird auch der sQuba einen Platz neben den anderen bunten Einzelstücken in der Rinspeed-Tiefgarage bekommen. Eigentlich ein trauriges Schicksal für ein Auto, dessen Entwicklung eine Million Euro gekostet hat - und das unendlich viel Stress für alle Beteiligten bedeutet.

"Es gibt so einen point of no return bei einem Fahrzeug", sagt Rinderknecht: "Da fängt es auch an, Geld zu kosten." Wenn dann etwas schiefgehe, "verfluche ich mich regelmäßig, dass ich das mache". Für den Splash etwa wurde ein Werbefilm in Florida gedreht. Alles war bereit - da donnerte ein Staplerfahrer in den Prototyp. Übrig blieb erstmal ein Haufen Schrott. "Das war eine Megakrisensituation."

Warum baut er trotzdem jedes Jahr ein neues schräges Auto? Das sei "Reklame auf Rädern" für seine Firma, antwortet Rinderknecht auf diese Frage gern. Schließlich mache er zwei Drittel des Umsatzes mit Industrieaufträgen. Allerdings gibt er auch zu: "Wenn meine Maxime Geldverdienen wäre, müsste ich sofort aufhören damit."

Er scheint einer von denen zu sein, die manchmal einfach machen, ohne zu viel zu grübeln. Auch sein Unternehmen hat sich eher entwickelt, als dass es geplant gewesen wäre. Schon als Schüler hat Rinderknecht sein Motorrad aufgemöbelt, "so im Easy-Rider-Stil mit hohem Lenker und orange lackiert". Als Student baute er dann ein Sonnendach aus den USA an sein Auto. In Europa waren die wegschiebbaren Verdecke noch nicht verbreitet - schnell fragten Bekannte nach. Aus dem Import der Dächer und dem Einbau wurde der Tuning-Betrieb.

Sein Image als Paradiesvogel der Branche stört Rinderknecht nicht. "Ich nehme es als Kompliment. 'Verrückt' kommt schließlich von 'verrücken'." Trotzdem will er seine Autos nicht nur als teure Spielzeuge verstanden wissen. "Wir entwickeln Technologien neu oder weiter", sagt er. Das Lenkrad mit Tasten für Radio und CD-Player etwa sei eine Rinspeed-Erfindung.

Früher ging es bei seinen Studien vor allem um Kraft und Luxus - heute bergen die Motorhauben reichlich umweltschonende Technologien. Den sQuba etwa preist Rinderknecht nicht nur als Bond-Auto, sondern auch als "Zero-Emission-Car" an. Im Wasser wie auf der Straße wird er mit Elektromotoren bewegt. Zu Lande bringt er es damit immerhin auf 120 Kilometer pro Stunde. Die Stromversorgung stellen Lithium-Ionen-Akkus sicher.

"Alle erwarten jetzt, dass ich ein Auto fliegen lasse"

Das Interesse für nachhaltige Technologien entsprang dabei zunächst nicht unbedingt der Überzeugung, wie Rinderknecht unumwunden zugibt. Es drohte ihm nur jemand die Show zu stehlen. Um die Jahrtausendwende entwickelte Bugatti den Veyron: Einen Wagen mit 1001 PS. "Das ist Wahnsinn", sagt Rinderknecht, der privat einen Mini fährt. Bei solchen Zahlen wollte er nicht mehr mitbieten. Also entwickelte er einen Sportwagen, der mit Biogas fuhr. 2001, als öko noch vielfach "mit Birkenstock und Selbstgestricktem gleichgesetzt wurde", wie er sichtlich zufrieden betont.

Nach Selbstgestricktem sieht der sQuba, der früher einmal ein Lotus Elise war, nicht unbedingt aus. Kaum steht das schnittige weiße Cabrio mit den zwei orangenen Propellern am Heck am Zürichsee, kommen die Passanten wie ferngesteuert heran, den Blick auf die Karosserie geheftet. Dass der Wagen noch gewaltig zickt, tut der Bewunderung keinen Abbruch. Manchmal etwa leuchten die kreisrunden Lichter am Heck ohne jedes Zutun auf. Als wäre der sQuba zum Leben erwacht wie KITT aus Knightrider und wollte sich jetzt mal zu Wort melden.

Alltagstauglich freilich ist das Bond-Auto nicht. Die rasante Fahrt über die Landstraßen direkt ins Wasser wäre in der Schweiz schlicht illegal, weil der Wagen zu viel Dreck von der Straße in den See schleppen würde. Rinderknecht karrt sein Tauchauto deshalb immer mit dem Transporter an den Zürichsee.

Das Lenken des Gefährts ist obendrein zumindest im dunklen Zürichsee schwierig. Chauffeur Grob muss sich blind auf Anweisungen seiner Kollegen verlassen, die unsere Unterwassertour von einem Motorboot aus verfolgen und über Funk die Richtung vorgeben. Manchmal, wenn wir nah genug an der Oberfläche sind, steht Grob auch einfach auf und steckt den Kopf zur Orientierung aus dem Wasser.

Trotzdem: "Träume muss man umsetzen, auch wenn sie dann nicht mehr so süß sind", findet Rinderknecht. Deshalb hat er auch schon den nächsten Wagen in Arbeit. "Alle erwarten jetzt, dass ich als nächstes ein Auto fliegen lasse", sagt er. Schon deshalb stehe das nicht an. "Sonst heißt es: Der Rinderknecht kann nur schräg."

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  • Datum: Samstag 12.07.2008 | 16:28 Uhr
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