Der Tscheche Evzen Majoros ist ein anderes Kaliber. Der Oldtimer-Händler aus Prag ist Mitte Dreißig; er trägt eine Goldrandbrille und ein schwarzes Muscle-Shirt unter edlem Nadelstreifen. Der Rock seiner blonden Begleiterin ist einen Tick zu kurz. Majoros könnte als Bösewicht in einem James-Bond-Film durchgehen und ist ein Auktionsprofi. Kurz bevor das Lot, an dem er interessiert ist, aufgerufen wird, verlässt er seinen reservierten Sitzplatz in der vierten Reihe, lehnt sich an die Wand. Majoros will den Raum überblicken, keinen anderen Bieter im Rücken haben, und vor allem sehen, gegen wen er bietet: Ist es ein hemmungsloser Liebhaber oder ein Händler wie er selbst? Also jemanden, der ein Limit hat, welches er emotionslos einhält? Jemand, den er einschätzen kann?
Barber kennt Majoros von einigen anderen Auktionen; wie üblich hat der Tscheche ein Einstiegsgebot vorab übermittelt. "Lot 324, die 1931er Jawa Rumpal. 500 Kubik, vollständig restauriert und seitdem nur drei Kilometer gelaufen. Wir haben ein Einstiegsgebot von 3000 Pfund. Meine Herren, wer bietet mehr?" Majoros Blick schweift über die Sitzreihen und den Pulk, der sich inzwischen dahinter gebildet hat. Von einem österreichischen Sammler, einem Spezi von Fritz Ehn, kommen zwei halbherzige Gebote; auch Andy Tiernan, ein bekannter britischer Händler, hält mit.
Doch wie es scheint, hat Tiernan, der immer um die fünfzig Oldtimer im Angebot hat, diesmal keinen festen Abnehmer. Bei 6500 Pfund steigt er aus. Barber blickt zu Majoros: "Madrid ist ausgestiegen. 7000 Pfund hier im Raum. Haben wir mehr als 7000 Pfund?" Die Frage verklingt im Raum: Nein. Barbers Auktionsstempel verkündet das Ergebnis für den seltenen tschechischen Einzylinder, von dem nur rund tausend Stück gebaut wurden. Majoros schlendert an seinen Sitz zurück. Seine Arbeit ist getan. Später am Bonhams-Tresen, an dem viele Beträge bar eingezahlt werden, deutet er an, dass sein Limit nahezu ausgeschöpft war. Viel höher wäre er nicht gegangen für den Sammler, in dessen Auftrag und mit dessen Geld er geboten hat.
Nach vier Stunden hat der Elfenbeinstempel 300-mal getockt: Rare Sammlerstücke wie eine Neander P3 1 mit dem cadmiumbeschichteten Rahmen, eine Ardie Silberpfeil, wie neu aus dem Laden restauriert, mehrere voluminöse Vincents und schnelle Broughs - mit einer dieser Maschinen hat sich T.E. Lawrence auf einer englischen Landstraße zu Tode gebracht, nachdem er "Lawrence von Arabien" fertig geschrieben hatte - haben neue Besitzer gefunden. Das teuerste Stück des Tages ist eine Laurin & Clement V-Twin von 1904 für 34.000 Pfund, eine Art Rennfahrrad mit Riemenantrieb und Sputnik-förmigem Messingtank.
450 Pfund für einen rostigen Tank
Andere Lots haben ausschließlich Wert für Bastler und für die echten Exoten auch unter den Sammlern: Der verrostete Rahmen einer alten deutschen Rex samt Teilekiste erzielt immerhin noch 450 Pfund und ist jetzt Garant für lange Stunden an der Werkbank. "Es gibt eigentlich nichts, für das sich nicht doch ein Liebhaber finden ließe," sagt Malcolm Barber. Er hat vier Stunden lang ununterbrochen Motorräder aufgerufen, ein wenig geschwitzt, die Bieter mit kurzen Anekdoten bei Laune gehalten und die Preise im Interesse von Fritz Ehn und Bonhams hochgetrieben. Auf den "Hammerpreis" bis 30.000 Pfund berechnet das Auktionshaus von jedem Erwerber zusätzlich fünfzehn Prozent Aufschlag - bei 1,1 Millionen Pfund Gesamterlös ein netter Gewinn.
Fritz Ehn, der die Auktion von Reihe eins aus verfolgt hat, ist erleichtert. "Wissen Sie, wenn man sich auf einen Schlag von Stücken trennt, die man über die Jahre aufgespürt und ausgestellt hat, dann rumort der Schmerz schon tief in der Magengrube," sagt der Österreicher, der 1980 das Motorradmuseum Eggenburg bei Wien gründete, und dort jetzt trotz Massenverkaufs immer noch 200 Maschinen ausstellt. "Da hilft es schon," lacht er, "wenn man zumindest einen guten Preis erzielt zum Abschied."
Zum Abschied? Der ist allenfalls halbherzig. Ein pathologischer Sammler wie Ehn hört niemals ganz auf. Er hat bereits angekündigt, mit dem Großteil der Bonhams-Erlöse auf die Jagd nach alten Traktoren gehen zu wollen: "Die sind gemütlicher, wohl wahr. Aber auch ganz, ganz spannend."
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