Le Mans Classic: Autoklassiker unter Volllast

Von Christian Böhner

Für echte Speedfreaks gilt die legendäre Rennstrecke von Le Mans als heiliger Ort. Motoraver machte sich auf den Weg in den französisches Nordwesten und wagten ein Rennen in einem klassischen Rennwagen.

Begonnen hatte der Road Trip auf der Techno Classica im Frühjahr 2008. Wir trafen den Presse-Mann von BMW Klassik ganz entspannt auf der weltgrößten Oldtimermesse und sprachen über das Racing Team unseres Motoraver-Mitstreiters Christophe Schwarz, den 73 Dodge Olympia Charger und dessen Einsatz bei der Le Mans Classic.

Auch erwähnten wir, dass wir erneut mit Dirk "The Pixeleye" Behlau für Fotos und Story runterfahren wollten. Plötzlich entstand die Idee, die ganze Tour mit einem BMW E9 als CSI oder vielleicht sogar als CSL aus der BMW Klassik Garage zu machen. Äußerst guter Vorschlag, fanden wir sofort und verabredeten in Folge die Details. Durch Helges und meinen sehr spaßigen Einsatz am Nürburgring beim Drift & Fun Event einen Tag vorher, hingen wir in Köln fest, und so wurde der Wagen per Lieferservice in die Hotel-Tiefgarage gestellt – klasse.

Freitag früh um halb sechs aus den Federn, Behlau eingesackt und dann im Konvoi mit Helge im 944 ab Richtung Fronkreisch. Woran es nun genau lag, haben wir bis heute nicht rausgekriegt, aber wir haben geschlagene dreizehn Stunden gebraucht, bis wir unsere Zelte auf einem der wohl berühmtesten Campingplätze der Welt aufschlagen konnten. Tatsache ist, bei Paris am Wochenende vor dem Nationalfeiertag am 14. Juli war einfach die Hölle los, und uns klebte das Pech an den Pellen. Wir fuhren in wirklich jeden Stau rein, ging es links in den Stau, mussten wir links abbiegen und anders herum. Aber egal, mit ein paar Brocken Französisch konnten wir uns zwischendurch leckere Backwaren und Café Crème double haste nicht gesehen bestellen, was Leib und Seele auf Spur hielt.

Anreise mit Hindernissen

Weniger auf Spur liefen unsere Karren: Die schräg gestellten Antriebswellen auf der Hinterachse des Porsche ächzten unter der Last von knapp 800 Oly Charger Katalogen, Magazinen und jeder Menge Gepäck. Der BMW lief eigentlich hervorragend, nur der Scheibenhebermotor in der Fahrertür setzte in den unpassendsten Momenten immer wieder aus, und so fuhr ich gerne mal bei Regen und mit 140 km/h mit offener Scheibe. Die hydraulische Kupplung fing dann an, nach einer Stunde Stop and Go auf der Pariser Umgehungsautobahn, trocken zu knarzen, was aber zum Glück nach wieder aufgenommener Fahrt schnell wieder vorbei war. Ansonsten zeigte unsere deutsche Kleininvasion materialmäßig keinerlei Schwächen.

Nach einem nicht enden wollenden Presse-Eincheck-Verfahren und Suchmarathon fanden wir dann endlich nach besagten dreizehn Stunden unseren herrlichen Zeltplatz. Zeltaufbau ratz fatz erledigen und dann Angrillen war die Parole. Mit einem neuartigen Kokosbrennmaterial lief das neue Schnellgriller-Patent nach einer Minute auf Volllast und somit unsere späte Mahlzeit samt den ersten Bieren sauber die Kehlen runter.

Was uns aber seit der Ankunft an der berühmten Langstrecke die ganze Zeit über keine Ruhe ließ, waren diese unglaublich lauten und selten schönen Sounds der noch ungesehenen Renn-Boliden. Von überall her dröhnte und sang es uns in wahren Sound-Sinfonien in die dankbaren Hörkanäle. Also, schnell die Aluteller gewässert und ab ins Paddock der 70er Racer, wo unser lieber Kollege Christophe den Oly Charger in der Box stehen hatte. Begrüßung dann des ganzen Teams um die Jungs vom Moparshop und der Fahrer, allen voran Dick Piersson, den alten Nascar-Recken, der auch den original Race-Charger für Christophe ausgegraben hatte.

Hubraumstarkes Konzert

Tja, und dann geschickt durch die gleich daneben liegende Box direkt in die Boxengasse, wo ein Rennmotoren-Donnerwetter nach dem nächsten vorbei röhrte – Hammer! Absoluter Hammer! Muss man gesehen und gehört haben. Die alten offenen Prototypen, die teuren Ferraris, Ford GT 40, Porsches und alle anderen Exoten der Le Mans Historie fuhren ihre Gänge voll aus und erreichten am Ende der Start-Ziel-Geraden nicht selten einen Speed von über 300 km/h. Schön war zu hören, dass wirklich jeder Motor und jede Epoche ihre eigenen Auto-Helden hervorbrachte, und so einzutauchen in die verschiedenen Le Mans- und Sportwagen-Epochen.

Herausragend waren auch die BMW M1 Procars mit ihrem unverwechselbaren Oberton-Geheule, das aus nur sechs Zylindern ähnlich wie ein alter Formel 1 klingt. Dazu De Tomaso Pantera Renngeräte mit Ford V8-Mittelmotor, dessen Zahnriemen offen zwischen den beiden Sitzschalen rotieren, eine Handbreit neben dem Fahrer samt dem Höllenaggregat gleich dahinter in der offenen Mitte des Wagens. Natürlich haben wir auch gleich die drei BMW CSL gesichtet, die mit unterschiedlichen Motorisierungen von Vergaser bis Turbo und dem lustigen BMW Luigi Riesen-Aufkleber auf der Frontscheibe beachtliche Rundenzeiten fuhren. Mit einem der CSL Teams aus England gab es dann auch gleich ein paar lässige Gespräche in deren Box samt dem Versprechen, dieses Heft an ihre Adresse zu schicken.

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  • Datum: Mittwoch 17.09.2008 | 16:37 Uhr
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