Von Tom Hillenbrand
Über technisch komplexe Produkte wie Autos zu schreiben, ohne dabei ständig Mist zu verzapfen, ist eine Herausforderung. Schon bei herkömmlichen Fahrzeugen hauen einem Leser und Blogger mitunter völlig zu Recht Schlampereien um die Ohren - etwa wenn ein BMW-Modell fälschlicherweise mit einem V6-Motor bestückt oder ein Jaguar E-Type zu einem D-Type wird.
Doch seitdem Elektroautos in aller Munde sind, weiß ich mitunter nicht mehr, was richtig und was falsch ist. Unter der Betreffzeile "Missverständnisse unserer Zeit" klärte mich unlängst ein Leser darüber auf, dass Elektroautos - anders als von uns behauptet - keinen Leerlauf besäßen. "Wenn das Fahrzeug steht, steht auch der Motor, siehe Modelleisenbahn!", schrieb er. "Das Drehmoment liegt bereits bei noch stehendem, aber unter Strom gesetztem Motor an."
Wer schafft es durch den Sprach-TÜV?
Der Mann hat im Prinzip recht, doch seinen Einwand zu befolgen, hätte schwerwiegende sprachliche Konsequenzen: Wenn ich im E-Auto bei Rot nicht im Leerlauf an der Ampel stehen darf, dann kann ich bei Grün auch nicht das Gaspedal durchtreten. Etymologisch gesehen stammt dieser Begriff nämlich aus der automobilen Frühzeit, als über einen Fußhebel der Vergaser vermittels Seilzug angesteuert wurde.
Und das ist ja nur der Anfang. Es dürfte demnächst schwierig werden, überhaupt noch etwas Gehaltvolles über Autos zu Papier zu bringen (auch so eine obsolete Redewendung). Wenn Elektrovehikel den herkömmlichen Fahrzeugen tatsächlich den Garaus machen sollten, wäre wohl eine Generalinventur der automobilen Terminologie fällig.
Denn streng genommen betätigt in Zukunft niemand mehr die Zündung, um auf der Autobahn seine Zylinder zu befeuern, sodass der Hintermann nur noch den Auspuff zu sehen bekommt. Und auch wer das Tanken vergisst, kann seinen Feuerstuhl nicht mehr trocken fahren - oder wie der Franzose so schön formuliert: tomber en panne sèche.
Manchmal kommen sie wieder
Die Entwicklung muss einem Angst machen. Wie sollen echte Pistonheads und Ölbüffel bitteschön ohne Langhuber, Nockenwellen und Kolbenfresser auskommen?
Allerdings gibt es auch Anlass zu Hoffnung. Jeder sprachhygienischen Modernisierung widersetzt hat sich beispielsweise die Lichtmaschine, die in Wahrheit ein schnöder Generator ist und nur wenig mit Illumination zu tun hat. Das gleiche gilt für den herrlich altertümlichen Chauffeur (Heizer) und die Limousine - ursprünglich ein aus der französischen Region Limousin stammender Kutschentyp.
Jetzt heißt es kämpfen. Zapfpistole und Zündkerzen könnt ihr meinetwegen haben, aber das Gaspedal gebe ich nicht her. Und überhaupt: Wer will schon in einer Welt ohne Leerlauf und Sand im Getriebe leben? Das möchte man sich lieber gar nicht vorstellen.
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Mal ein Beispiel aus der "neueren Automobilgeschichte" Nehmen Sie mal Ihr Navigationssystem - sofern herausnehmbar - aus Ihrem PKW und setzen Sie es als Hilfe bei einem Crosslauf oder beim Geocaching ein. Ganz [...] mehr...
---Zitat--- Weiter gehts mit dem *KOTFLÜGEL*. Weder bezeichnet man heute noch Schmutz als Kot, noch hat er beim Standardauto irgendwas flügelartiges an sich. Deshalb wird auch das Beschleunigungspedal (als Gegenstück zum [...] mehr...
"Motor-Hauptschalter"? ;) ---Zitat--- Der größte Witz unserer Zeit ist allerdings die Stoßstange - von der Form her ist sie alles andere als eine profane Stange. Und wehe, man stößt daran, dann muss man gewärtig [...] mehr...
Ach, und die Aufteilung in 360 Grad ist nicht willkürlich? Und warum 1/60 und nicht 1/58 oder 1/100? mehr...
Stimmt so nicht, die Seemeile ist das einzige Längenmaß, das nicht willkürlich festgelegt ist (ausser vielleicht dem Lichtjahr) sondern auf natürlichen Größen bezogen ist: 1 Seemeile = 1Bogenminute am Äquator = 1/60 Grad mehr...
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