Fernverkehr Havanna: Neue Taxis für Kubas Hauptstadt

Aus Havanna berichtet Felix Lill

Auf Kubas Straßen sieht man häufig amerikanische Straßenkreuzer aus den vierziger und fünfziger Jahren - auch als Taxi. Seit den panamerikanischen Spielen 1991 jedoch wird die Flotte modernisiert. Nun freuen sich 300 weitere Chauffeure über einen neuen Lada 2107 - Baujahr 1994.

Seit kurzem freuen sich 300 Taxifahrer in Havanna über einen neuen Dienstwagen. "Endlich wieder ein neues Auto", strahlt Lázaro, der schon zu Zeiten der Sowjetunion in Havanna Taxis fuhr und 18 Jahre mit demselben Auto auskommen musste. Im Januar 2009 verschiffte Lada 300 Stück ihres Spitzenmodells Typ 2107, das in Deutschland zeitweise unter dem Namen Toscana verkauft wurde, nach Kuba.

Schon einmal gab es für Lázaro eine Verbesserung, als der Transportservice seinen uralten Buick Century gegen einen Lada 2105, Baujahr 1989, auswechselte. "Der Lada sah zwar nicht so stolz aus, aber die Kupplung funktionierte wenigstens problemlos. Einparken war einfacher, und er verbrauchte weniger Benzin."

Die erste Modernisierungswelle kam im Jahr 1991. Zu den Panamerikanischen Spielen, die auf dem amerikanischen Kontinent immer im Vorjahr der Sommerolympiade ausgetragen werden, führte Gastgeberland Kuba 1991 ein neuartiges Transportsystem ein: Das Panataxi. Der eigens für das Sportereignis eingerichtete Service sollte die Fahrgäste ohne Umwege an das gewünschte Ziel fahren.

Dollar-Taxis für Touristen

Vorher waren nämlich so gut wie alle kubanischen Taxis an eine bestimmte Route gebunden, die ihre Passagiere entweder am nächsten Krankenhaus oder am Friedhof absetzten. Panataxis kassierten für die Fahrten nur Dollar, so dass die Ladas Touristen vorbehalten blieben. Kubanern war der Besitz ausländischer Währungen 1991 noch verboten. So fuhren auch die kubanischen Athleten während der Spiele genau wie alle einheimischen Zuschauer im Linienbus zum Wettkampf.

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Patrik Dietrich
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Lázaro war einer von wenigen Kubanern, die die Neuerungen hautnah mitbekamen. Zunächst prägten weiterhin US-Schlachtschiffe aus den vierziger und fünfziger Jahren das Straßenbild, "aber die Ladas konnte man nicht mehr übersehen", erinnert sich Lázaro.

Zwei Jahre später ließ Fidel Castro die amerikanische Währung als Zahlungsmittel zu. Das ermöglichte den Kubanern ebenfalls die Nutzung von Panataxis. Das Taxiunternehmen wuchs rasant. 1995 hatte sich sein Fuhrpark an Ladas verneunfacht. Zwei Jahre später tauschte Panataxi erstmals Fahrzeuge aus und ersetzte einen Teil der Ladas durch neue Citroën ZX. Die Importe aus Frankreich, die eine Klimaanlage besaßen, eröffneten die Luxussparte, während Ladas den Routentransport bedienten. Dort wurde weiterhin günstig in kubanischen Pesos bezahlt.

Aufpolierte US-Straßenkreuzer als Nostalgie

Trotz der für Kubaner hohen Preise stieg die Gesamtzahl der Droschken in Havanna weiter an - laufend wurden neue Taxiunternehmen gegründet. Die historische US-Autos wie der Ford Fairlane von 1955 oder Lázaros alter Buick Century wurden als Attraktion für Touristen aufpoliert.

Kubas Regierung setzte dem Taxi-Wildwuchs im Mai 2008 ein Ende und schloss alle Dienstleister unter dem Namen Cubataxi zusammen. Formal existiert Panataxi seitdem nicht mehr. Den Unterschied dürften Fahrer, Touristen und kubanische Kunden kaum bemerkt haben. Viele der ehemaligen Panataxis behielten ihr altes Schild und tragen lediglich den Zusatz Cubataxi auf dem Chassis, andere laufen bloß im Routentransport.

Einige von Lázaros alten Taxi-Kollegen sitzen inzwischen in einem Volkswagen oder Peugeot. Er selbst fahre jetzt immerhin einen neuen Lada. "Zum 50. Geburtstag der großen Revolution ist das ein nettes Geschenk", sagt er und hält am Parque Central im Zentrum Havannas, wo schon der nächste Fahrgast steht.

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  • Datum: Montag 04.05.2009 | 16:23 Uhr
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