Von Roman Büttner
Der gebürtige Kanadier Neil Young liebt Autos. Vor allem große amerikanische Schlitten haben es ihm angetan. Von asiatischen Modellen hält er dagegen anscheinend wenig. "My old car keeps breaking down, my new car ain't from Japan, there's already too many Datsuns in this town" singt Neil Young zum Beispiel im Song " Motor City" von dem Album "Reactor", das 1981 erschien. Darin beklagt er den Untergang der amerikanischen Autoindustrie. Sollte er sich ein neues Fahrzeug kaufen müssen, wäre das bestimmt kein japanisches Modell.
Einer seiner bevorzugten Wagen ist ein Lincoln Continental MK IV. Das Cabrio aus dem Jahr 1959 ist neben dem Cadillac Eldorado eines der klassischen amerikanischen Traumautos. Ursprünglich wurde der Lincoln in Youngs Garage von einem wuchtigen 7,5-Liter-V8-Aggregat in Fahrt gebracht. Mit einem Verbrauch von mehr als 20 Litern sind solche Autos das Feindbild vieler Kalifornier, die sich lieber im Toyota Prius oder anderen verbrauchsarmen Modellen zeigen. Und auch Young, der auf einer Farm oberhalb des Silicon Valley residiert, hält solch einen Spritdurst für übertrieben.
LincVolt als Mission
Auch wenn dieses Ziel wohl nicht zu erreichen ist, der Musiker hat eine Mission. Das Motto lautet: "Repowering the American Dream". Young will zeigen, dass es durchaus möglich ist, ein sehr großes, aber gleichzeitig ökologisch verträgliches Auto zu fahren. Bereits 2007 sagte er in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung": "Ich mag die großen amerikanischen Autos, ich mag die Straßen, ich glaube an den amerikanischen Traum, aber er ist völlig verratzt." Und für den 63-Jährigen ist der Lincoln ein solcher Traum, den es mit neuer Energie zu versorgen gilt: "Das Auto steht für etwas Altes und etwas Neues."
Bereits im März wollte Young mit dem Straßenkreuzer durch die USA fahren und den Wagen der Öffentlichkeit präsentieren. Ziel dieser rollenden Demo sollte die US-Hauptstadt Washington sein. Doch offenbar gab es Probleme. Die angestrebte Reichweite von 100 Meilen pro Gallone (MPG) Sprit (rund 2,4 Liter auf 100 Kilometer) ist momentan noch nicht zu realisieren. Mehr als 65 Meilen (3,6 Liter pro 100 Kilometer) sind nicht drin.
Musik für den Ausflug ins Grüne
Nebenbei ist Young natürlich immer noch Musiker und liefert den passenden Soundtrack für einen Ausflug im Öko-Mobil. Sein aktuelles Album heißt "Fork In The Road" (Weggabelung) und ist eine Hommage an das Automobil. Im Song "Get Behind The Wheel" singt der 63-Jährige: "You know she needs attention so take her for a ride. She loves to go around anywhere anytime that you decide."
Die Single " Johnny Magic" ist eine Ode an den LincVolt. Darin erzählt der Musiker, der Lincoln sei dafür bestimmt, auf stolzen Highways zu fahren. Außerdem geht es in dem Titel um die Umrüstung des Autos und die geplante Fahrt nach Washington.
Allerdings müssen sich Neil Young und seine Mechaniker gewaltig ins Zeug legen, um den Verbrauch des LincVolt weiter zu drücken. Denn sie wollen mit dem elektrifizierten Schlachtschiff nicht nur amerikanische Fahrkultur mit moderner Technik demonstrieren, sondern auch beim Automotive X-Prize an den Start gehen - einer Rallye, bei dem nicht das schnellste, sondern das sparsamste Auto gewinnt. Um teilnehmen zu können, muss die Grenze von 100 MPG geknackt werden. Außerdem - und das ist die eigentlich Crux - muss der Rocker einen Geschäftsplan vorlegen, der belegt, dass sich mindestens 10.000 LincVolts in Serie produzieren ließen.
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