Kultauto DeLorean: Und ewig blinkt der Flux-Kompensator

Aus Hem berichtet Tom Hillenbrand

Er gilt als der Apple Macintosh der Autowelt: Anfang der Achtziger kreierte John DeLorean einen Gegenentwurf zu den Einheitskarossen aus Detroit. Seine Firma floppte, doch der Edelstahlflitzer DMC-12 wurde zur Ikone. Noch heute ist der Kultwagen quicklebendig.

Flux-Kompensator? Zeitreise per Plutonium-Antrieb? Von wegen! Ed Udings erster DeLorean war sogar für die Gegenwart zu klapperig: Der Wagen gab bereits nach wenigen Tagen den Geist auf. "Das Getriebe war hinüber. Da war nichts mehr zu machen", sagt der Holländer, während hinter ihm eines der silberfarbenen Autos auf einer Hebebühne nach oben schwebt. Wegen der geöffneten Flügeltüren sieht es aus, als ob der Wagen gleich abhebt.

Mehr als ein Dutzend DeLoreans stehen in Udings Werkstatt, einer Fertighalle im westfriesischen Drechterland. Bei einigen funkelt die blankpolierte Edelstahlkarosserie, andere sehen arg mitgenommen aus. "In Europa gibt es noch ungefähr 700 Stück, die Hälfte ist fahrtüchtig", sagt der kleine, kräftig gebaute Mann und zeigt auf eine Weltkarte. Dort sind die Standorte seiner Kunden mit gelben Reißnadeln verzeichnet. Es sind ziemlich viele.

Der DeLorean wird seit 27 Jahren nicht mehr gebaut - doch der Kult um den vom ehemaligen General-Motors-Manager John Z. DeLorean auf die Straße gebrachten Flitzer ist nicht totzukriegen. Das Auto ist eine Ikone der Achtziger, eine Art Zauberwürfel auf Rädern. Das liegt am Auftritt in den drei Teilen des Filmes "Zurück in die Zukunft" - aber auch am ungewöhnlichen Design des Fahrzeugs.

Flügellahmer Flitzer im Giugaro-Design

Anfang der achtziger Jahre waren bei GM, Ford und Chrysler aufregende Formen passé, Detroit waren die Ideen ausgegangen, die Big Three produzierten langweilige Allerweltskarossen. Delorean wollte einen schnittigen, aber bezahlbaren Sportwagen dagegensetzen. Skizziert wurde das Auto von Golf-Designer Giorgetto Giugaro, die britische Sportwagenschmiede Lotus kümmerte sich um die technische Umsetzung.

Uding zeigt auf einen V6-Motor, der auf dem Boden der Werkstatt steht. "Den haben viele Leute kritisiert", sagt er, "zu schwach, zu wenig PS". Tatsächlich ist der DeLorean mit seinen 170 PS für einen Sportwagen ein wenig schmalbrüstig. Aber der ehemalige Motorsportprofi aus Holland hilft gerne nach, wenn der Kunde es wünscht. "Man kann mit Turbo auch 200 PS rausholen, oder 300." Aber eigentlich sei das nicht wichtig. "Die Maschine ist von Peugeot-Renault-Volvo, hat ein ordentliches Drehmoment und läuft locker eine halbe Million Kilometer."

Dass der DMC-12 immer noch derart viele Fans hat, liegt aber vermutlich nicht am Motor. Was den Wagen einzigartig macht, ist die Story des Firmengründers, die untrennbar mit dem Edelstahlflitzer verbunden ist. John DeLorean gerierte sich gerne als Rebell; als einer, der gebrochen hatte mit Detroits Art und Weise, Autos zu bauen; als Alternative zu GM und Ford. Er propagierte ein "Think different" - in gewisser Weise war er ein Steve Jobs der Autoindustrie.

Unter dem Edelstahlkorpus: Standardware

Dabei ist der DeLorean letztlich ein stinknormales Auto - zumal eines, das hastig zusammengeklöppelt wurde: Sechs Jahre dauert die Entwicklung eines Fahrzeugs üblicherweise, der DMC-12 entstand in zwei. "Wenn man das bedenkt, ist das Ergebnis ziemlich beachtlich", findet Uding. Wegen des Zeitdrucks konnte das Unternehmen viele geplante technische Finessen nicht umsetzen - und griff stattdessen auf Standardteile zurück

Der Werbeslogan für das von Januar 1981 bis Dezember 1982 produzierte Auto lautete "Live the dream". Tatsächlich gelang es John DeLorean, seinen futuristischen Flitzer zum Medienthema zu machen. Zu sagen, dass der gebürtige Detroiter über Charisma verfügte, trifft es kaum. Das wäre in etwa so, als ob man Stephen Hawking eine gewisse Intelligenz bescheinigte.

Delorean war ein unglaublicher Charmebolzen. Zu seinem rasch wechselnden Freundinnen gehörten Raquel Welch und Ursula Andress. Die Medien lagen ihm zu Füßen. Es gelang ihm sogar, der britischen Regierung mehr als 120 Millionen Dollar für den Bau eines DMC-Autowerks im nordirischen Dunmurry abzuschwatzen - damals praktisch Kriegsgebiet.

Auch vier Jahre nach dem Tod des Autovisionärs scheint sein Charme nicht erloschen zu sein. Vergangenes Jahr erschien ein Popalbum, das DeLoreans Leben besingt. Auch in Udings Werkstatt ist der "Traumhändler aus Detroit" ("People") allgegenwärtig. In Schlaghose und Blazer lächelt er von einem Werbeposter, in einer Vitrine steht Deloreans Schmähkritik "On A Clear Day You Can See General Motors".

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24.04.2009 von DeeDeeBee: Schlechte Manager gab´s immer schon...

Ich darf zitieren?: "Mit zu hohem Gewicht und zu schwacher Motorisierung unterlag das Fahrzeug am Markt jedoch angepeilten Wettbewerbern wie der Chevrolet Corvette oder auch dem Porsche 911." (Quelle: wiki) De [...] mehr...

24.04.2009 von Rainer Girbig: Der gute Elfer

Herzlichen Glückwunsch! Das Konzept stammt aber aus einer noch viel weiter zurückliegenden Zeit. In den Achtzigern war das schon etwas ungewöhnlich für ein solches Auto. DeLorean wollte sicher dem Porsche 911 keine Konkurrenz [...] mehr...

24.04.2009 von DeeDeeBee: Nöö, "streng" nich...

Ich habe nur so einen "Sportwagen mit Heckmotor" aus der etwa gleichen Epoche, aus der auch der DMC stammt, in der Garage stehen. Der wird heute noch in nahezu unveränderter Form und mit identischem Motorkonzept - [...] mehr...

24.04.2009 von Rainer Girbig: Streng

Sie sind aber auch streng. Ich hätte natürlich "Heckmotorsportwagen für die Straße" schreiben sollen oder so was. Für den Rennsport war der DMC ja nicht gemacht. Und was Ihre Aussagen hinsichtlich Tucker angeht, so [...] mehr...

24.04.2009 von DeeDeeBee: ???

Herr Girbig, verraten Sie mir doch `mal, was Ihrer Meinung nach denn das bis heute erfolgreichste Motorkonzept im Asphaltsport darstellt? mehr...

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  • Datum: Mittwoch 22.04.2009 | 12:45 Uhr
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