Aus Hem berichtet Tom Hillenbrand
Uding zeigt auf einen verrotteten Wagen im hinteren Teil der Halle. "Der kommt aus Baltimore, ist ziemlich hinüber." Der DeLorean-Spezialist wird die Karkasse ausschlachten, "da hab ich die Überführungskosten wieder drin". Es gibt weltweit noch ungefähr 6000 DMC-12. Das ist eine beachtliche Zahl. Schließlich wurden nur rund 9000 gefertigt.
Die DeLorean Motor Company ging 1982 pleite, aber bis heute ist es möglich, ein neues Auto zu kaufen. Mit Zeitreisen hat das nichts zu tun: Der Texaner Stephen Wynne erkannte früh, dass der DeLorean das Zeug zum Kultobjekt hatte und kaufte die Insolvenzmasse auf - Hunderte von Motoren, Karosserieteilen und Türen ließ er aus Irland in die USA überführen. Auch die Konstruktionszeichnungen, Formen und Werkzeuge gingen nach Texas.
Ed Uding mit seiner Werkstatt in der Nähe des Ijsselmeers ist gewissermaßen die europäische Außenstelle der Wynne-Firma. Über dem Eingang hängt denn auch ein Schild mit dem alten DMC-Firmenlogo und der Aufschrift "DeLorean Motor Cars". Die Neufahrzeuge kommen aus den USA und kosten deutlich mehr als 50.000 Euro; ein gebrauchter DeLorean ist für die Hälfte zu haben.
Da fast alle Ersatzteile noch zu bekommen sind, lässt sich ein DeLorean theoretisch komplett mit Originalteilen restaurieren. Normale Oldtimerfans würde so etwas entzücken, viele DeLorean-Fahrer lässt es hingegen kalt - sie wollen ihre Autos lieber modifizieren. Das ist Udings Spezialität. Einem belgischen DJ hat er Boxen hinter die Sitze gebaut, so groß wie Radkappen. Ein niederländischer Arzt will, "dass es innen aussieht wie in einem Helikopter" - also bekommt der DMC-12 Höhenmesser und weitere Extras.
Der Hang zum Auto-Modding könnte mit der speziellen DMC-Kundschaft zu tun haben. Viele sind Kinder der Achtziger, ihnen fehlt der Respekt vor Originalen, sie sind mit dem Remix-Gedanken groß geworden. Und schließlich war beim berühmtesten aller DeLoreans, der Zeitmaschine des Dr. Emmet Brown, kaum noch etwas werksgetreu: Verglichen mit einem Fusionsreaktor im Heck sind die Monsterboxen des belgischen DJs ein konservatives Accessoire.
Den berühmten Flux-Kompensator hat Uding übrigens auch im Angebot. Er hängt an der Ersatzteilewand, neben Auspuffen und Schraubenschlüsseln.
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