50 Jahre Mini: Der Zwergenkönig

Von Jürgen Pander

Als Minimalauto konzipiert, als Sportskanone berühmt geworden, als Kultmobil reanimiert und derzeit im zweiten Frühling - der Mini hat in den 50 Jahren seit seinem Debüt eine steile Karriere hingelegt und gilt als Urvater des modernen Kleinwagens.

"Ich hasse alles, was groß ist - große Häuser, große Firmen und vor allem große Autos." Alec Issigonis soll diesen Satz gesagt haben, und es würde nur zu gut zu ihm passen. Denn Mister Issigonis, 1969 in den Adelsstand erhoben und seitdem Sir Alec, hat den Mini erfunden - jenes Auto, nach dessen Premiere am 26. August 1959 plötzlich Schwung in die Klasse der Kleinwagen kam. Der Wagen gilt aufgrund seiner bahnbrechenden Konstruktion als Geniestreich.

Die Suez-Krise des Jahres 1956 war der Ausgangspunkt für die Entwicklung, an deren Ende der Mini stand. In Großbritannien wurde damals das Rohöl knapp, und die Verantwortlichen der aus den Marken Morris und Austin gebildeten British Motor Corporation (BMC) gaben einen kleinen, billigen, sparsamen Viersitzer in Auftrag - bei BMC-Chefkonstrukteur Alec Issigonis. An diesem Punkt der Mini-Story kommt eine Serviette ins Spiel: Auf der nämlich skizzierte Issigonis während eines Abendessens den Plan für ein Drei-Meter-Auto, das bereits alle Charakteristika des späteren Mini aufwies.

Die entscheidende Idee dabei war, den Motor vorne quer einzubauen, das Getriebe direkt unter der Maschine in die Ölwanne zu integrieren und natürlich die Vorderräder des Wagens anzutreiben. So etwas gab es bis dahin noch nicht. Nach sechs Monaten waren die Pläne fertig, im Juli 1958 war der erste Prototyp fahrbereit. Dann ging alles ganz schnell: Binnen eines Jahres sollte das Wägelchen in Serie produziert werden - und das klappte auch. Im Sommer vor 50 Jahren wurden die baugleichen Autoknirpse Morris Minor und Austin Seven enthüllt.

Nach dem schleppenden Start half nur noch Tuning

3,05 Meter lang, die kleinen Räder ganz außen in den Ecken der Karosserie positioniert und rund 80 Prozent des Fahrzeugvolumens für den Innenraum reserviert - so ein Auto mit ordentlich Platz für vier Erwachsene hatte es bis dahin noch nicht gegeben. Sogar ein kleiner, 196 Liter fassender Kofferraum, konnte der Konstruktion abgerungen werden. 496 englische Pfund kostete das schlichte Mobil, dessen Türscharniere anfangs aus Kostengründen außen saßen und dessen Blechfalze zum einfacheren Schweißen ebenfalls nach außen gewendet waren.

Der Vierzylindermotor stammte aus dem Teileregal von BMC, er hatte anfangs 848 Kubikzentimeter und leistete 34 PS - bei nicht viel mehr als 600 Kilogramm Leergewicht war das ausreichend. Das Auto fuhr so flink und flott, dass der Ex-Rennfahrer und Rennstallbesitzer John Cooper darauf aufmerksam wurde. Er überzeugte Issigonis und BMC davon, dem kleinen Sparmobil - das sich in den ersten Jahren übrigens viel schleppender verkaufte als erwartet - eine getunte Variante zur Seite zu stellen. Die kam im Herbst 1961 auf den Markt. Der Mini Cooper, zunächst als Kleinserie von tausend Exemplaren geplant, trat mit 1000-Kubik-Motor und 55 PS an. Das Auto war eine Offenbarung.

Rallye-Siege und Auftritte auf dem roten Teppich

Jetzt ging der Mini so richtig ab. Auch weil kurze Zeit später die Version Mini Cooper S mit 1,1 Liter Hubraum und 70 PS folgte. Mit diesem Auto holte sich der Finne Rauno Aaltonen 1963 den Klassensieg bei der Rallye Monte Carlo; drei Mini-Gesamtsiege bei der legendären Rallye in den Jahren 1964, 1965 und 1967 folgten. Von da an war der Mini das, als was er heute noch verehrt wird: der König der Autozwerge. Auf einmal war es cool, einen Mini zu fahren. Der Modeschöpfer Paul Smith tat es, Niki Lauda tat es, Steve McQueen, Paul Newman, Mary Quant, Enzo Ferrari, Michael Caine und zahlreiche Prominente mehr taten es.

Es gab den Mini in zahlreichen Varianten. Als Mini-Lieferwagen und als Kombi, als offenes Strandmobil, Pickup-Variante, Nobel-Version und später auch als Cabrio. Was stets unverändert blieb, war sein exzellentes Verhältnis von bescheidenen Außenmaßen zur inneren Größe. 1985 lief im Werk in Longbridge das fünfmillionste Modell vom Band - danach jedoch verlor das kleine Auto mit den großen Ambitionen allmählich seinen Reiz. Es gab immer mehr pfiffige Autoknirpse, das Thema Sicherheit wurde wichtiger, am ungewöhnlichen Design hatte man sich sattgesehen.

2001 startete BMW mit dem neuen Mini

Und so lief im Jahr 2000 nach rund 5,4 Millionen Mini-Modellen das letzte Auto dieses Typs unter der Regie von Rover vom Band. Doch zu diesem Zeitpunkt war die Entwicklung eines Nachfolgers - diesmal unter der Regie von BMW, die vorübergehend Rover besaßen und die Namensrechte am Kleinwagen behielten. Die Fabrikation wurde nach Oxford verlagert und 2001 mit großem Tamtam ein Neuanfang gewagt. Das Retro-Mobil mit dem modernen Innenleben wurde - nicht zuletzt wegen eines überaus geschickten Marketings - auf Anhieb zu einem Bestseller.

In den ersten fünf Jahren verkaufte BMW nahezu eine Million Mini; die zweite Auflage ist seit 2006 auf den Straßen. Gegenwärtig als Mini, verlängerte Variante Mini Clubman und als Mini Cabrio. Im nächsten Jahr soll ein Mini-SUV, von dem bereits eine Studie vorgestellt wurde, vorgestellt werden. Und auch Mini-Prototypen mit Elektroantrieb surren bereits durch Los Angeles und Berlin. Zum fünfzigsten Geburtstag wirkt das einst geniale Wägelchen noch immer frisch.

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  • Datum: Freitag 22.05.2009 | 12:23 Uhr
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