Aus Bensberg berichtet Tom Grünweg
Die Sonne strahlt mit glänzendem Blech um die Wette, aus den Lautsprechern perlt leichter Jazz, der nur unterbrochen wird vom fernen Donnergrollen großvolumiger Motoren. Über allem liegt der unnachahmliche Duft von Öl und Benzin, an dem sich die Classic-Freunde ergötzen wie der Weinkenner am Bouquet eines raren Burgunders - viel besser hätte der Rahmen für die 1. Schloss Bensberg Classics am Wochenende kaum sein können.
Mehr als hundert historische Automobile waren dort im Prunkbau vor den Toren von Köln aufgelaufen, um einen kleinen aber feinen Concours d'Elegance zu initiieren. Nicht dass es in Deutschland mit dem Oldtimer Grand Prix auf dem Nürburgring sowie den Veranstaltungen auf Schloss Dyck und in Schwetzingen nicht schon drei Oldtimer-Treffen von kontinentalem Ruhm gäbe. Doch glauben zumindest Veranstalter und Sponsoren - allen voran Hotelier Thomas Althoff und die Volkswagengruppe -, dass es im Klassik-Kalender noch ein Plätzchen für Bensberg geben müsste.
Zumal die Organisatoren nur mit kleinen Zahlen jonglieren. Wo in Pebble Beach zehntausende übers Green stolzieren und zwischen hunderten von Fahrzeugen flanieren, diktiert der Schlosshof von Bensberg einen intimeren Rahmen. Viel mehr als 60 Autos und 1000 Menschen passen nicht hinein, ohne den familiären Charakter zu gefährden.
Gelungene Premiere
Das Rezept scheint aufzugehen. "Wir hatten so viele Meldungen, dass wir das Programm splitten mussten", sagt Eberhard Kittler, der die neu gegründete Classic-Sparte von Volkswagen leitet. Deshalb ging am Samstag ein Feld von rund 70 Fahrzeugen auf eine historische Rallye durch das Bergische Land, bevor sich am Sonntag gut 40 weitere Fahrzeuge zum Schaulaufen im Schlosshof aufreihten.
Weil VW in Bensberg als Hauptsponsor auftritt, haben sich die anderen Autohersteller zurückgehalten. Fahrzeuge aus den Werksgaragen in München oder Stuttgart sieht man deshalb keine. Doch mit viel Fingerspitzengefühl bei Auswahl und Ansprache der Sammler haben die Niedersachsen trotzdem eine Mischung auf den Schlossrasen bekommen, die bunter ist als eine Außenstelle der eigenen Marken-Museen. Im Innenhof parken deshalb nicht nur Bugatti, Bentley, Audi und VW, sondern auch Ferrari, BMW, Mercedes, Lancia, Cadillac, Alfa Romeo oder Hispano Suiza. Garniert wird das edle Altmetall von einem halben Dutzend Einzelstücken und Prototypen wie den ungewöhnlichen Zwillingen Karo und Pick Ass, die in den Siebziger Jahren kurz hintereinander erst auf Audi- und dann auf BMW-Basis gebaut worden sind.
Viele dieser Autos hat man schon bei einigen Concours oder anderen Veranstaltungen in Deutschland gesehen. Doch manche geben in Bensberg ihre Premiere: Der Momo Mirage zum Beispiel, der 1971/72 als Vorbote einer neuen Luxusmarke entwickelt wurde und dann doch nicht so recht zum Laufen kam, befindet sich nach der Restaurierung zum ersten Mal in Europa. Das gilt auch für den Prototyp des Lancia Stratos, der zum ersten Mal wieder auf dem Kontinent ist.
Interessante Auto-Geschichten
Ebenfalls ein Neuzugang im Auto-Adel ist der letzte von fünf Glöckler-Porsche, der jetzt nach Jahren des Vergessens wieder aufgetaucht ist. Gebaut für die Rallye Liège-Rom-Liège und später als Versuchsfahrzeug von Porsche selbst genutzt, landete das Coupé irgendwann in den USA, wo es Jahrzehnte in einer einsamen Halle verstaubte. Erst 1994 kam der Wagen zur Restaurierung nach Deutschland und ist erst vor wenigen Monaten fertig geworden.
Solche Geschichten sind es, die das Publikum faszinieren und die Jury beeindrucken. Dass der Konzern ringsum ein paar exklusive Neuwagen ausstellt und nebenbei außer Konkurrenz noch ein paar Museumsstücke präsentiert, poliert allenfalls das Ego der Vorstände. Schließlich kann der Gigant mit zehn Töchtern mittlerweile locker darüber hinweg täuschen, dass die Kern-Marke VW zu den jüngeren Unternehmen der Branche zählen.
Ein Alfa siegt auf der VW-Veranstaltung
Doch geht es in Bensberg nicht darum, sich eine Geschichte zu kaufen, widerspricht Organisator Kittler vehement. Davon habe VW schließlich mehr als genug. "Hier geht es um Tradition, Emotion und Faszination", sagt der Classic-Chef, der seine junge Organisation möglichst schnell auf Augenhöhe mit den Traditionssparten etwa von BMW oder Mercedes bringen und mit dem Event wieder mehr gute Stimmung für das Auto im Allgemeinen machen will.
Den Blick zurück schätzen auch die Juroren, obwohl sie wie Konzern-Designchef Walter de Silva oder Studien-Schöpfer Giorgetto Giugiaro eher der Zukunft verpflichtet sind. "Doch die Ikonen von morgen können wir nur schaffen, wenn wir bereit sind, Respekt vor der Tradition zu entwickeln", sagt de Silva und flaniert deshalb besonders aufmerksam über den Schlossrasen. Die Konzernbrille haben die Experten abgesetzt: Der Titel "Best of Show" zumindest geht nicht an ein Auto aus dem Wolfsburger Imperium, sondern an einen Alfa Romeo 6C 2500 SS "Villa d'Este" von 1951. Dass die Niedersachsen dennoch nicht leer ausgehen, ist ein Verdienst der Gäste, die ebenfalls ihren Favoriten wählen durften: Einen Horch 853A Roadster von 1938.
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