Das gleiche Phänomen ließ sich an alten Häusern nach viktorianischem Vorbild beobachten. In den fünfziger Jahren wurden sie in San Francisco zu Tausenden abgerissen, da sie als altmodisch und unwohnlich galten, erklärt Wolfram. Heute sind die wenigen verbliebenen viktorianischen Gebäude begehrte, trendige Wohnhäuser.
Im ganzen Land vollzieht sich dieser Strukturwandel. In Tulsa in Oklahoma fahren Kinder in einem ehemaligen Autogeschäft Skateboard. In Columbus, Ohio, lernen die Studenten des College of Art & Design in einem früheren Auto-Verkaufstempel. Nackte Betonsäulen, robuste Fliesen und eine spiralenförmige Fahrzeugrampen weisen noch auf die frühere Nutzung hin. Wo es früher nach Reifen und Leder roch, wabert heute im Golden Bridge Yoga Studio in Los Angeles Weihrauch durch die Luft.
Statt Werbeplakate hängen Gebetsfahnen an den Wänden, und der Klang fernöstlicher Schlaginstrumente lässt vergessen, dass hier einst Autos verkauft wurden. Ähnliches gilt für das Restaurant "Neo on Locust" in St. Louis. Lange, weiße Tischtücher, stylische Hintergrundbeleuchtung und klirrende Champagnergläser haben einen früheren Ausstellungsraum in eine vorzeigbare Adresse für Hochzeitsfeiern gemacht.
Gesellschaft im Wandel
"Blickt man historisch auf die Zeiten zurück, in denen es bei der Gebäudenutzung große Umbrüche gab, so fielen sie stets mit gesellschaftlichen Umbrüchen zusammen", sagt Architektin Erin Rae Hoffer aus Boston.
Seit Januar 2008 haben in den USA rund 2000 Autohändler aufgegeben. 2009 wurden in den USA zehn Millionen Autos verkauft, der niedrigste Wert seit 26 Jahren. Im Schnitt lag die Verkaufszahl im vergangenen Jahrzehnt bei 17 Millionen Fahrzeugen.
Dabei war der Kauf eines Fahrzeugs früher etwas Besonderes. "Es gab eine Zeit, da waren diese Autos Kunstwerke", erklärt Sean Donovan, ein 61-jähriger Polizist aus Cincinnati. "Wenn man ein Auto kaufte, war das eine große Sache. Man zog sich gut an und ging dann los. Ganz anders als heute."
Donovan kann sich noch gut daran erinnern, wie er sich als Kind an den Schaufenstern der vielen Autohäuser in der Race Street die Nase platt drückte. Er hat sich so in die alten Läden verliebt, dass er vor einiger Zeit einen davon für seine Frau kaufte, damit die dort ihre Anwaltskanzlei unterbringen kann. Und wo er schon einmal dabei war, hat Donovan im gleichen Gebäude selbst einen Weinladen aufgemacht.
Vom Autohändler zum Koch
Bei Steve Xiao, Manager eines Asia-Marktes in Ypsilanti, Michigan, war es weniger Sentimentalität, sondern der richtige Preis, der ihn für ein früheres Autogeschäft eingenommen hat. "Wir waren wirklich interessiert, als wir hörten, dass der Autoladen verkauft wird", erinnert sich Xiao. "Im ersten Jahr war uns der Preis allerdings noch zu hoch. Als wir schließlich kauften, war der Laden schon seit zwei Jahren auf dem Markt."
Len Love hat die Entwicklung von der anderen Seite aus erlebt. Er führte selbst ein nicht an Marken gebundenes Autogeschäft in Tampa, Florida, und erlebte den Niedergang seiner Branche. "Ich saß jeden Tag im Büro. Kein Geld kam rein. Nichts. Nicht ein Penny", erzählt er. "Dann stand ich eines Tages auf und sagte mir, hier könnte eine kleine Bar entstehen." Gesagt, getan. Love brachte sich das Kochen bei, mietete die Küchenausrüstung und ist heute der stolze Besitzer des Restaurants "Artifacts".
Julie Carr Smyth, DAPD
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Ehrlich, ich kann die Kreativität der Amis nur bewundern. Ich hätte so meine Probleme, morgens mit einem Yoga-Studio zur Arbeit zu fahren... mehr...
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