Tuning-Legende Carroll Shelby: Stippvisite im Schlangennest

Aus Las Vegas berichtet Tom Grünweg

Er ist der Grandseigneur des Autotunings: Carroll Shelby, der Meister des hochgezüchteten V-8-Motors, geht zwar auf die 90 zu, macht aber weiter Tempo. Seine Fabrik vor den Toren von Las Vegas brummt wie in den besten Zeiten.

Tuning-Legende Carroll Shelby: Vollgas lebenslang
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Für seine Mitarbeiter ist es ein Heiligtum. Tausende Unterschriften aus aller Welt zieren die Wände, die Decke, das Mobiliar und sogar die Fenster jenes Gangs, der vom Büro zur Fabrik Carroll Shelbys führt. Amerikaner, Chinesen Europäer -Tausende Fans haben ihren Namenszug an dieser "Wall of Fame" hinterlassen. "Wenn man sich hier umsieht, dann merkt man erst, wie bekannt Carroll Shelby in der Autowelt ist", sagt Verkaufschef Roger Sorel, der regelmäßig Gäste durch die kleine Fabrik mit angeschlossenem Museum vor den Toren von Las Vegas führt.

Die Besucher kommen, um einer lebenden Legende zu huldigen. Mit einem Sieg beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans im Jahr 1959 wurde Shelby berühmt; gemeinsam mit Roy Salvatori war er damals in einem Aston Martin DB1 der Schnellste bei dem französischen Langstreckenklassiker. Der Farmersohn aus Texas, fuhr damals vor allem Sportwagenrennen in Europa, startete aber auch achtmal in der Formel 1. Nach seiner Rennfahrerkarriere machte sich der ehemalige US-Air-Force-Pilot als Tuner und Rennwagen-Entwickler einen Namen.

Am bekanntesten wurde die Shelby AC Cobra. 1961 pflanzte Carroll Shelby in den britischen Sportwagen AC Cobra einen V-8-Motor von Ford - und von da an gab es kein Halten mehr. 1964 erreichte eine Shelby Cobra eine Geschwindigkeit von 293 km/h und raste damit als schnellstes Straßenauto ins Guinness-Buch der Rekorde. 1965 gewann eine Shelby Cobra die Sportwagenweltmeisterschaft - gegen die scheinbare Übermacht der damaligen Ferrari-Renner. Später griff sich Shelby den US-Klassiker Ford Mustang und tunte ihn zum Kultauto der Musclecar-Generation.

Shelby, inzwischen 87 Jahre alt, ist noch immer ein Racer - und auch das Geschäft mit der Geschwindigkeit läuft derzeit blendend. Seit dem Comeback der Sixtie-Cars ist auch Shelby zurück. "Hier ist so viel los wie vor mehr als 40 Jahren, als wir anfingen", sagt Sorel. Auch Ford hofiert Carroll Shelby wieder. Die Rennsportabteilung des Autobauers aus Detroit hat gemeinsam mit der Tuning-Firma aus Las Vegas den Mustang GT 500 entwickelt.

Überhaupt ist die Firma ein Anlaufpunkt für Tempobolzer. Zahlreiche Kunden kommen mit ihrem Wagen, lassen ihn bei Shelby aufbrezeln und erhalten dann einen Rennwagen mit Straßenzulassung zurück. Den aktuellen Ford Mustang zum Beispiel gibt es als Shelby Super Snake mit bis zu 725 PS. Getestet werden die Autos gleich nebenan, auf dem Las Vegas Speedway.

Verkaufsschlager sind getunte Mustang-Modelle

Während von den scharfen Mustang-Varianten mehrere hundert Exemplare pro Jahr gebaut werden, geht es in der Halle nebenan beschaulicher zu. Dort wird noch immer - bald 50 Jahre nach dem Debüt - das Modell Cobra gebaut.

Das Wort "gebaut" ist allerdings ein wenig hochgegriffen. Denn die Aluminium-Karosserie kommt aus England oder Polen; und wer die lediglich halb so teure Kunststoffkarosserie bestellt, fährt ein Auto aus Mexiko oder Südafrika. Motor und Getriebe gibt es bei Shelby ohnehin nicht mehr. "Sobald wir ein fahrfertiges Auto verkaufen, müssten wir Crash- und Abgasvorschriften erfüllen, die das Ende der Cobra wären. Deshalb müssen die Kunden Motor und Getriebe separat bestellen und nachträglich einbauen lassen", erläutert Sorel die Winkelzüge durch den Zulassungsdschungel.

Das ist zugleich ein teures Verwirrspiel. Shelby verlangt für das GFK-Modell 50.000 und für die Alu-Cobra 125.000 Dollar. Ein fahrbereites Auto ist daher unter 80.000 oder 160.000 Dollar kaum zu haben.

Nur in Las Vegas entsteht die echte Cobra

Trotzdem kann man dem mittlerweile von Dutzenden Firmen imitierten Original nicht näher kommen als hier. Nur die Autos aus Las Vegas besitzen jene berühmte vierstellige Fahrgestellnummer, die mit dem Buchstabencode CSX beginnt. Und nur diese Modelle gelten Connaisseuren als echte Cobras von Carroll Shelby.

Der Meister selbst lässt sich im Speedshop nur noch selten sehen. Carroll Shelby verbringt die meiste Zeit auf seiner Ranch in Arizona oder im Rentnerparadies Palm Springs. Aber auch fernab der Fabrik hat er seinen Geschäftssinn behalten. So, wie er in den Anfangstagen der Firma die Cobra immer wieder neu lackierte, um der Fachpresse den Beginn der Produktion vorzugaukeln, so zieht er heute alle Register zur Umsatzsteigerung.

Der Eintritt in sein Museum ist zwar frei und beinhaltet auch eine kleine Werksführung. Fans dürfen danach auf der Wall of Fame unterschreiben. Doch wer im Gegenzug ein Autogramm von Carroll Shelby haben möchte, muss zahlen. Immerhin fließt der Erlös in eine Stiftung.

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insgesamt 4 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
21.03.2010 von MonsieurAlex: Von wegen überschätzt!

Die Cobras mit den 260er und 289er Maschinen waren tatsächlich noch die Ac´s aus England. Die 427er war eine eigenständige Konstruktion mit neuer, dem kleineren Modell nachempfundener Karosserie. Auf ihr basierte u. A. das Daytona [...] mehr...

20.03.2010 von Dr.Schitzophren: Spaß

Andere Opis schneiden ihren Rasen, Shelby baut tolle Autos. Na das ist mal n tolles Leben.Hoffentlich werde ich auch so. mehr...

19.03.2010 von dr. kaos: Überschätzt, na ja.

Design und vor allem optisches Tuning ist reine Geschmackssache. Der eine mags, der andere eben nicht. Es steht übrigens im Artikel, dass die Original-Cobras aus England kamen und Shelby nur den Big-Block-Strang reinbaute. [...] mehr...

19.03.2010 von W. Robert: Überschätzt

Nun ja. Shelby wurde hauptsächlich wegen den alten Mustang Fastbacks berühmt, an denen er ein wenig optische und leistungsmäßige Kosmetik betrieben hat. Die Cobra stammt von AC aus England, nicht von Shelby. Als Designer ist er [...] mehr...

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  • Datum: Freitag 19.03.2010 | 12:55 Uhr
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