Ford Escort, Baujahr 1981: Codename Erika

Erika - das war der Projektname für die dritte Escort-Generation. Auf der Rückbank einer solchen Allerweltskiste trällerte SPIEGEL-ONLINE-Leser Nils Siebert als Kind Radio-Hits mit. Seinen eigenen Ford Escort von 1981 hält er heute mit Hilfe eines Freundes in Schuss.

Ford Escort, Baujahr 1983: Schrägheck und Quermotor
Fotos
Nils Siebert

Nahezu jeder Autobesitzer fühlt sich mit seinem Fahrzeug auf besondere Weise verbunden. Bei SPIEGEL ONLINE stellen Leser ihr persönliches Lieblingsmodell und ihre persönlichen Erlebnisse mit dem Gefährt vor. Diesmal berichtet Nils Siebert über das Leben mit seinem Ford Escort, Baujahr 1981 mit 55 PS.

Der Wagen war ein reiner Lustkauf, das muss ich wohl zugeben. Klar, als Student in einer Großstadt braucht man kein Auto: Bus und Bahn bringen einen schon irgendwie ans Ziel. Einkäufe werden zu Fuß oder mit dem Rad erledigt. Aber dem besonderen Spaß, den gerade alte Auto-Modelle vermitteln, ist nur schwer zu widerstehen. Sind sie doch die Fahrzeuge der Kindheit, einfache Allerweltskisten, die das Straßenbild der achtziger Jahre prägten, und auf deren Rücksitzen man die Hits der Neuen Deutschen Welle mitgeträllert hatte.

Nachdem ich es über ein Jahr ohne eigenen Pkw ausgehalten hatte, stöberte ich eines Abends aus purer Langeweile im Internet und fand ihn: einen Ford Escort aus dem Jahr 1983 in Strato-Silber-Metallic, mit TÜV, die Kupplung verschlissen. Die Bilder ließen jedoch zumindest auf einen äußerlich ganz manierlichen Zustand schließen, und so bot ich aus Jux überschaubare 120 Euro auf den Wagen.

Und tatsächlich: Am Ende stand ich als Gewinner der Auktion da. Das hatte ich zwar gehofft, aber keineswegs erwartet. Es muss die unattraktive Kombination aus karger L-Ausstattung und dem aus dem Ford Fiesta stammenden 55-PS-Motörchen gewesen sein, die den Wert des in der Youngtimer-Szene ohnehin kaum beachteten Modells noch weiter drückten.

Die erste Inspektion nach der Abholung fiel erstaunlich positiv aus. Entgegen meiner Befürchtungen erwies sich die Karosserie als nahezu rostfrei - das ist eine Seltenheit bei Escorts aus den frühen Achtzigern. Häufig sind tragende Teile derart in Mitleidenschaft gezogen, dass eine Reparatur nur mit hohem Kostenaufwand zu bewerkstelligen ist.

Tipps und Tricks vom Bastelfreund

Die Kupplung war Dank der Anleitung meines Freundes Pascal schnell erneuert. Ohne ihn wäre das Ganze ohnehin aussichtslos: Seine Ausbildung bei Ford und seine Liebe zu Autos aus der Dekade 1975 bis 1985 machen das Fahren eines solchen Youngtimers für mich als Laien überhaupt erst möglich. Er selbst fährt einen Ford Capri.

Der Escort erhielt im letzten Jahr noch eine kontaktlose Zündanlage aus einem Fiesta, die sein Startverhalten bei Regen stark verbessert. Ebenfalls aus einem Fiesta und ebenfalls aus den Untiefen von Pascals Ersatzteillager gefischt, stammt ein Zylinderkopf, der für den Betrieb mit unverbleitem Benzin ausgelegt ist. Das lästige Hinzukippen von Bleizusatz bei jedem Tankstopp entfällt damit. Zudem wirkt es sich positiv auf den Verbrauch aus: Auf der Fahrt vom Rheinland in meine Wahlheimat Leipzig waren es nicht einmal sechs Liter auf 100 Kilometer.

Es ist ein ständiger Prozess des Erneuerns und des Verbesserns. Irgendwas geht immer noch. Als nächstes, denke ich, könnte ich zum Beispiel die serienmäßigen Econo-Leuchten, die dem Fahrer signalisieren, wie wirtschaftlich er gerade fährt, wieder in Gang setzen. Den Vorbesitzer muss das ständige Geflacker wohl genervt haben.

Die Vorteile verständlicher Technik

Anders als bei vergleichbaren modernen Fahrzeugen habe ich Respekt vor der Technik. Auch als Laie versteht man, warum das Auto das macht, was es gerade macht. Dabei ist es für mich unerheblich, dass der Escort in England offenbar das war, was der Golf in Deutschland war und immer noch ist: der Dauerbrenner von der Stange. Ganz ohne Design-Eskapaden oder Firlefanz im Motorraum.

Die 27 Jahre sieht man meiner Erika, so der ursprüngliche Projektname im Hause Ford, nicht an. Ganz im Gegensatz zu Pascals Capri, bei dem gefühlt jeder dritte Passant ein "den hatt' ich auch mal!" hervorpresst, bleibt der Escort stets unbeachtet.

Wirklich traurig bin ich darüber nicht. Ich setze mich in meinen dezent bemalten Escort und genieße das Understatement, das dieser Youngtimer ausstrahlt. Und wenn doch mal was Größeres kaputt geht? In der Garage stehen noch zwei Motoren und dank niedriger Ersatzteilpreise ist der Escort billiger zu reparieren als ein Fahrrad. Ein Lustkauf eben, bei dem ich keinen Augenblick ein schlechtes Gewissen haben muss.

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  • Datum: Freitag 05.03.2010 | 09:26 Uhr
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Markus Gölzer
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