Nahezu jeder Motorradbesitzer fühlt sich mit seinem Fahrzeug auf besondere Weise verbunden. Bei SPIEGEL ONLINE stellen Leser ihr persönliches Lieblingsmodell und ihre persönlichen Erlebnisse mit dem Gefährt vor. Diesmal berichtet Oliver Rohkamm über das Leben mit seiner BMW R 100 GS Paris Dakar, Baujahr 1992.
Meine Jugendliebe hat keine blauen Augen, sondern zwei silberne Zylinder. Für weniger romantische Zeitgenossen handelt es sich um eine BMW R 100 GS Paris Dakar. Die Buchstaben "GS" stehen für Geländesport, und mit dem Namen ehrt sie ihren Vorläufer, die R 80. Die hatte damals in den Achtziger Jahren bei der berüchtigten Wüstenrallye Paris-Dakar ihre enorme Belastbarkeit mit vier Siegen unter Beweis gestellt.
Sobald ich die Maschine sehe, bekomme ich Lust, mich in den Sattel zu schwingen und wegzufahren. Ein Druck auf den Startknopf, ein wenig Gas im ersten Gang und schon wähnt man sich auf dem Weg nach Afrika.
Der massive, nach links und rechts seitlich weit aus dem Rahmen herausragende Motorblock mit einem Hubraum von knapp einer bayrischen Maß, einem Tank wie ein Benzinfass und dem für BMW typischen Kardanantrieb samt Einarmschwinge sind die Erkennungszeichen der R 100 GS. Die Technik versteht jeder rasch, und die jährliche Wartung erledigt der Fahrer mit dem Bordwerkzeug im Handumdrehen ebenfalls selbst, wenn es sein muss, auch am Straßenrand.
Natürlich hat die Maschine auch ihre Nachteile: In der Anschaffung war sie selbst gebraucht sauteuer, für das extreme Gelände taugte sie gar nicht und hohe Drehzahlen malträtierten die Ventilsitze. Die Batterie musste man gut pflegen, denn 1000 Kubik sind nicht gerade leicht anzuschieben.
Bis ins Schlafzimmer hinein
An meiner Zuneigung ändert das jedoch nichts. Ich würde die GS auch mit ins Schlafzimmer nehmen, wenn es sicherer ist. Einmal, Mitte der Neunziger in Frankreich, gab es in einem Hotel einmal keine bewachten Parkplätze, und ich durfte die GS in dem winzigen Innenhof abstellen. Nie werde ich die Gesichter der Gäste vergessen, als ich die schwere Maschine stolz an der Rezeption vorbei über den weichen Teppichboden schob.
Ein anderes Mal im Kosovo, im Zimmer einer zwielichtigen Gaststätte, schlichen mein Kumpel und ich des nachts alle Viertelstunde durchs knarrende Treppenhaus, um nachzuschauen, ob die Motorräder noch da wären. Bis dann der Wirt nachts um ein Uhr die Geduld verlor und seinen betagten Mercedes W123 aus der Garage holte, um Platz für unsere Maschinen zu machen. Erst dann konnten wir (und der Wirt) in Ruhe schlafen.
Meine Verbundenheit mit dem Fahrzeug wuchs von Jahr zu Jahr, von Kilometer zu Kilometer - und paradoxerweise mit jedem Unfall. Denn die horizontal nach beiden Seiten herausragenden Zylinder und Sturzbügel dämpften jedes Mal die Energie der Stürze und Zusammenpralle, so dass wir uns wie durch ein Wunder beide niemals ernsthaft verletzten.
Barock und behäbig
Noch heute sind auf dem linken Gabelholm und der Abdeckung des linken Vergasers rote Lackspuren eines Renault R19 zu erkennen, der mir einst beim Linksabbiegen die Vorfahrt nahm. Ich flog drei Meter durch die Luft, prallte unsanft auf dem Asphalt auf und wurde umgehend von der Rettung abgeholt. Zwei Wochen konnte ich kaum gehen. Solche Erlebnisse schweißen auf ewig zusammen.
Nervige Kleinigkeiten aber auch: Bei einer Pause an einer spanischen Landstrasse ließ sich der linke Koffer nicht richtig schließen. Ich musste den Deckel mit beiden Händen so fest ins Schloss drücken, dass es die Maschine vom Seitenständer hob und sie nach rechts kopfüber in den Graben kippte.
Natürlich war der Boxer von BMW nicht bei allen Motorradfahrern beliebt. Vor allem Fahrer japanischer Sportmotorräder lachten über die lächerlichen 60 PS, das barocke Aussehen und die behäbigen Fahrleistungen. Dazu kam, dass sich bei den ersten Modellen die Hinterradfederung durch die Kardanreaktion bockig hob, weswegen die Boxer-BMW seinerzeit auch "Gummikuh" genannt wurde, denn Kühe erheben sich bekanntlich als erstes mit dem Hinterteil.
Die GS ist mehr Marathonläufer als Sprinter. Spitzengeschwindigkeiten, hohe Drehzahlen und extreme Beschleunigung liegen ihr nicht, dafür fährt sie sich auf Schotter und Sand wie ein ICE mit neuen Achsen. Das Triebwerk entwickelt Bärenkräfte aus niedrigsten Drehzahlen und schüttelt sich dabei munter wie ein wilder Mustang.
Zusammen haben wir von Portugal bis Griechenland fast alle europäischen Länder am Mittelmeer unter die Räder genommen. Auch Paris haben wir gesehen, Dakar leider nicht. Nie ist die Maschine liegengeblieben. Hin und wieder machten höchstens verstopfte Düsen im Vergaser, eine durchgebrannte Birne oder eine leere Batterie kurze Pausen notwendig. Dieses Jahr wird meine Maschine 18 Jahre alt und zeigt von Altersmüdigkeit keine Spur. Manchmal frage ich mich, ob ich noch weitere 18 Jahre physisch durchhalten werde. Meine GS, das weiß ich, wird da keine Probleme haben.
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Wird auch viel nachgefertigt. Einen Satz Kolben/Zylinder fuer eine GS bekommt man fuer 500 Euro. Finde ich super. Ist auch bei Harley Davidson so. Ersatzteile fuer 'n Appel und ein Ei von verschiedenen Anbietern. So soll es [...] mehr...
Auch wenn du mich zitiert hast, so hab ich doch den Eindruck das du von/mit calibahn gesprochen hast? Einziges Anbauteil an meiner Gixxe ist ne kleine Scheinwerferverkleidung, denn ohne ist IMO ein naked Bike nicht auf der Bahn [...] mehr...
Ich bin auf Triumph ein Harcore-Schönwetterfahrer, schon leichte Bewölkung vergällt mir die Lust auf den Ausflug. Besonders auf beliebten Routen in Treffpunktnähe werden die Grüßorgien sinnvollerweise auch mehrheitlich [...] mehr...
Wird gern behauptet, stimmt aber nicht. Ich fahre Yamaha TDM 850, und 80 Prozent aller Motorradfahrer grüße ich - und werde in der Regel auch zurückgegrüßt. Nichtgrüßer kenne ich verstärkt vor allem aus der Supersportler- und [...] mehr...
Speziell die allerersten Paralever GS hatten schon einige sehr ärgerliche Schwachstellen, die man eigentlich nur mit mangelhafter Vorentwicklung erklären kann. Das hintere Federbein, die Zündspule und die Kardanwelle gehören dazu. [...] mehr...
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