20 Jahre Lexus in Deutschland: Zum Erfolg verdammt

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Seit 20 Jahren ist Toyotas Luxusmarke Lexus in Deutschland präsent, doch zum Feiern gibt es eigentlich keinen Grund. In der Statistik dümpelt Lexus mit 2172 Neuzulassungen noch hinter Lada und Lancia. Der deutsche Chef Ulrich Selzer ist trotzdem zufrieden.

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Lexus LS 400: Luxus im Tarnkleid
Automanager in Deutschland haben es derzeit generell nicht leicht. Doch besonders schwer dürfte der Job von Ulrich Selzer sein. Denn der Chef des edlen Toyota-Ablegers Lexus führt einen fast aussichtslosen Kampf. "Nirgendwo sonst auf der Welt haben es Import-Oberklasse-Fahrzeuge so schwer wie im Land von Mercedes, Audi und BMW", sagt der Manager. Seit immerhin 20 Jahren müht sich die Marke hierzulande, einen Fuß in die Tür zum automobilen Oberhaus zu bekommen.

Anders als in den USA, wo Lexus bereits im Herbst 1989 an den Start ging, hat die Marke hierzulande noch keinen Euro verdient und sich auch noch nicht aus dem Zulassungskeller hervorgearbeitet: Für 2009 weist die Statistik des Kraftfahrt-Bundesamts gerade einmal 2172 Verkäufe aus; seit 1990 waren es insgesamt noch keine 43.000.

Den Start der Marke hatten die Japaner generalstabsmäßig geplant. Schon 1983 hatte Vorstandschef Eiji Toyoda die Frage aufgeworfen, ob man es nicht mit den Besten aufnehmen und deshalb speziell für die USA eine Luxusmarke ins Leben rufen könne. Danach nahm ein Trupp von Entwicklern und Marktforschern die Arbeit am Projekt F1 ("Flaggschiff Nummer 1") auf. Allein um den Markennamen zu kreieren, ließ sich der Konzern drei Jahre Zeit und wählte aus mehr als 200 Alternativen am Ende Lexus aus.

In den USA ging die Strategie durchaus auf. Dort erfreut sich Lexus eines fabelhaften Images, und die Zulassungen liegen seit 2003 im Schnitt bei 300.000 Fahrzeugen im Jahr - und damit klar vor Mercedes oder BMW. Weltweit wurden im vergangenen Jahr 367.100 Lexus verkauft, insgesamt waren es in den letzten 20 Jahren knapp fünf Millionen. Deutschland ist damit für Lexus - statistisch betrachtet - ähnlich unbedeutend wie etwa Brasilien oder Belgien für Mercedes oder Audi. Doch in der Imagewertung ist das anders. "Man kann nicht beweisen, dass man gut ist, wenn man nicht auf dem wichtigsten Markt für Premiumautos antritt", erklärt Selzer die Situation.

Der Hybridantrieb hebt Lexus in der Oberklasse hervor

Dass der Chef in der Kölner Lexus-Zentrale nicht unzufrieden wirkt, liegt am berufsmäßigen Optimismus - ebenso aber am realistischen Ehrgeiz und an den passablen Perspektiven. "In 20 Jahren aus dem Nichts an die Spitze zu stürmen ist schwierig", sagt Selzer. "Immerhin ist Lexus mittlerweile hinlänglich bekannt und gegenüber Mercedes, BMW und Audi als ebenbürtig anerkannt." Auf die Aussichten kommt er auch zu sprechen. "Was Technik und Qualität angeht, liegen wir gleichauf, und beim Hybridantrieb sind wir die Vorreiter."

Gestartet ist die Marke mit konventionellem Antrieb - mit der Limousine LS 400, die damals noch wie eine Kopie der Mercedes S-Klasse aussah und für SPIEGEL ONLINE jetzt aus der Unternehmens-Garage geholt wurde. "Das ist das älteste Auto, das wir bekommen konnten", sagt Selzer über den Youngtimer, den Lexus einem belgischen Geschäftsmann abgekauft hat.

Der Motor läuft noch immer seidig wie am ersten Tag

Fast 900.000 Kilometer ist das Auto bislang gelaufen und hat entsprechend Patina angesetzt. Das weiche Leder ist etwas rissig, die Teppiche sind etwas ausgetreten, und an manchen Stellen hat auch der Kunststoff ein wenig Form und Farbe eingebüßt. Doch der V8-Motor unter der Haube schnurrt noch wie am ersten Tag. Vier Liter Hubraum, 245 PS und 350 Nm sind die Kennziffern des Antriebs, der im Zusammenspiel mit der völlig ungerührt in 8,5 Sekunden bis Tempo 100 beschleunigt und mühelos auf 250 km/h kommt.

Mehr noch als der hohe Fahrkomfort und das enorme Platzangebot des fünf Meter langen Youngtimers beeindruckt die Ausstattung: Waren vor zwanzig Jahren bei Durchschnittsautos noch Handkurbeln für die Seitenscheiben Standard, gibt es im Lexus sogar eine elektrische Verstellung der Lenksäule und der Sicherheitsgurte. Die Musikanlage lässt sich dezidiert einstellen, und es gib auch einen Schalter für die Scheinwerferreinigungsanlage - eine Rarität für damalige Autos. Allerdings kostete LS 400 vor 20 Jahren auch 87.560 Mark.

Um auf Stückzahlen zu kommen, baut Lexus nun einen Kompaktwagen

Premium steht für Selzer auch weiterhin ganz oben auf dem Prioritätenliste, doch mit der Oberklasse allein begnügt sich Lexus nicht mehr. "Wir brauchen Stückzahlen, wenn wir Gewinne machen wollen", sagt der Chef und setzt auf die baldige Einführung des kompakten Lexus CT 200 h. Das Auto soll Lexus in Deutschland mittelfristig wieder in die Nähe fünfstelliger Absatzzahlen bringen.

Bevor der Hersteller Profit macht, will Selzer erst einmal die Händler in die Gewinnzone führen. "Im Schnitt haben die 41 Betriebe in Deutschland im letzten Jahr jeweils 55 Autos verkauft, damit lassen sich keine großen Sprünge machen", räumt der Chef ein. Mittelfristig plant er pro Händler mit 200 und mehr Autos im Jahr. Spätestens dann, so das Kalkül, müsste auch Lexus Deutschland einen ersten Gewinn nach Toyota City überweisen können. Im Prinzip gibt es dazu auch keine Alternative. "Wir sind zum Erfolg verdammt."

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insgesamt 65 Beiträge
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1. Witz
OttoKa 12.03.2010
"Immerhin ist Lexus mittlerweile hinlänglich bekannt und gegenüber Mercedes, BMW und Audi als ebenbürtig anerkannt." Hierbei muß es sich wohl um einen Witz handeln. Ich habe einen Lexus mit 340 PS und Hybridantrieb auf einer Strecke von 600 km getestet und mich sehr gewundert, wie man bei dieser Abwesenheit von Ebenbürtigkeit gegenüber BMW, Mercedes und Audi noch so viel Geld für so einen Lexus verlangen kann. Für mich eine Klapperkiste in punkto Fahrwerk, Antrieb und Ergonomie im Innenraum. Wenn Toyota wirklich ebenbürtig gegenüber Mercedes, BMW und Audi sein will, müssen sie ein entsprechendes Fahrzeug auf den Markt bringen, sonst sind sie zum weiterdümpeln verdammt.
2. Dienstwagen
artbond 12.03.2010
das Problem von Lexus ist ja nicht die Qualität, sondern das Autos dieser Liga bei Privatpersonen kaum eine Rolle spielen. Die meißten deutschen Firmen leasen oder kaufen eben nur deutsche Hersteller, somit hat Lexus keine Chance in diesem Segment auf Stückzahlen zu kommen.
3. Lexus...
jenzer 12.03.2010
...wird auch mit einem Kompakten à la CT200h nicht auf Stückzahlen kommen. Dazu ist die strategische Ausrichtung der Marke hierzulande einfach falsch. Das Design ist bestenfalls auf die anspruchsloseren Amerikaner zugeschnitten, und deren grandiosen Erfolge im deutschen und europäischen Markt sind ja auch legendär - in den 50ern. ;) Die sollten in Köln mal lieber ein Designstudio hinstellen und es, ähnlich wie Mazda, auch eigenständige Modelle für den europäischen Markt entwickeln lassen. (Platz haben sie ja, wo die F1-Abteilung dicht ist). Dann kann da ein Schuh draus werden. Stelle mich gerne als Abteilungsleiter zur Verfügung. Eine globale Strategie scheiterte immer am Design, da die Geschmäcker einfach zu unterschiedlich sind. Was in NA oder JP einen WOW-Effekt auslöst wird hier nur müde belächelt und umgekehrt. Die Technik kann man ja globalisieren, aber nicht das Design. Das Beste Beispiel dafür kommt sogar aus dem Hause Toyota: Toyota Camry. Der Topseller in NA kam hierzulande auf keinen grünen Zweig, Verkaufszahlen im 3-stelligen Bereich -> Verkaufsstop 2006. Woran lag's? Nicht an der soliden Technik...
4. Vorsicht
JensDD 12.03.2010
Zitat von OttoKa"Immerhin ist Lexus mittlerweile hinlänglich bekannt und gegenüber Mercedes, BMW und Audi als ebenbürtig anerkannt." Hierbei muß es sich wohl um einen Witz handeln. Ich habe einen Lexus mit 340 PS und Hybridantrieb auf einer Strecke von 600 km getestet und mich sehr gewundert, wie man bei dieser Abwesenheit von Ebenbürtigkeit gegenüber BMW, Mercedes und Audi noch so viel Geld für so einen Lexus verlangen kann. Für mich eine Klapperkiste in punkto Fahrwerk, Antrieb und Ergonomie im Innenraum. Wenn Toyota wirklich ebenbürtig gegenüber Mercedes, BMW und Audi sein will, müssen sie ein entsprechendes Fahrzeug auf den Markt bringen, sonst sind sie zum weiterdümpeln verdammt.
lassen Sie das nicht den bunten Stubentiger aus der Toyota Propagandazentrale lesen, der taucht hier bestimmt gleich wieder auf und wird uns allen den Mund wässrig machen mit der tollen und unfehlbaren Lexus/Toyota-Technik. Ich konnte nur den direkten Vergleich C-Klasse/Lexus-IS220 machen. Sie haben ja so Recht. An diese japanische, vollelektronische Tupperdose gewöhne ich mich nie.
5. Hochmut kommt vor dem Fall
Schwede2 12.03.2010
Zitat von OttoKa"Immerhin ist Lexus mittlerweile hinlänglich bekannt und gegenüber Mercedes, BMW und Audi als ebenbürtig anerkannt." Hierbei muß es sich wohl um einen Witz handeln. Ich habe einen Lexus mit 340 PS und Hybridantrieb auf einer Strecke von 600 km getestet und mich sehr gewundert, wie man bei dieser Abwesenheit von Ebenbürtigkeit gegenüber BMW, Mercedes und Audi noch so viel Geld für so einen Lexus verlangen kann. Für mich eine Klapperkiste in punkto Fahrwerk, Antrieb und Ergonomie im Innenraum. Wenn Toyota wirklich ebenbürtig gegenüber Mercedes, BMW und Audi sein will, müssen sie ein entsprechendes Fahrzeug auf den Markt bringen, sonst sind sie zum weiterdümpeln verdammt.
Ich habe seit 1993 ausschließlich Lexus-Fahrzeuge gefahren, nachdem ich mit einem BMW 325i ein reines Schrottauto fuhr, das während meiner 2 1/2-jährigen Eigentumsphase mehr als 20 Male in der Werkstatt war. Mit einem Lexus hatte ich, obwohl über eine halbe Million km gefahren, nicht eine einzige Panne. Nur ein CD-Player hatte sich mal verhakt und wurde anstandslos ausgetauscht. Welches der ach so tollen deutschen Premiumfahrzeuge kann das von sich behaupten? Gerade gestern schilderte mir ein Freund, wie die Heckleuchten an seinem CLK herausgefallen sind.
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Klassiker-Info

Lexus LS 400

Bauzeit: 1989 bis 1994

Produktion: 400.000

Preis: 87.650 Mark

Motor: V8-Benziner

Hubraum: 4,0 Liter

Leistung: 245 PS

Spitze: 250 km/h



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