50 Jahre Jaguar XK 150 Kastanienbrauner Autotraum

Golf war ihnen zu langweilig, beim Tennis gab es Ärger, also versuchten es die Eheleute Joa mit einem Oldtimer als gemeinsames Hobby. Das klappte auf Anhieb. Ihr kastanienbrauner Jaguar XK 150 ist inzwischen Zeitvertreib, Sportgerät und Wertanlage.


Zur Premiere des XK gab es ein außerplanmäßiges Feuerwerk: Kurz vor dem Verkaufsstart brannte das Jaguar-Werk in Coventrys Browns Lane lichterloh, rund 300 Autos gingen in Flammen auf. Doch nur sechs Wochen später lief die Produktion bereits wieder an. Kurz darauf wurde der Jaguar XK 150 als letztes und stärkstes Modell der XK-Reihe vorgestellt - das geschah vor 50 Jahren. Zum Geburtstag des Klassikers war SPIEGEL ONLINE jetzt mit einem besonders seltenen Modell der Familie unterwegs.

"Wahrscheinlich gibt es von diesem Auto in Deutschland nicht mal mehr ein Dutzend Exemplare", sagt Dieter Joa und lässt den Blick über das kastanienbraune Drophead Coupé aus der Special Equipment-Serie gleiten, bevor er "zum allerersten Mal" auf dem Beifahrersitz Platz nimmt. Denn außer ihm und dem Werkstattmeister fährt den Wagen allenfalls seine Frau, die irgendwie Schuld ist an der Jaguar-Leidenschaft des Aschaffenburger Unternehmers. Denn als das Paar es beruflich etwas ruhiger angehen lassen wollte, war sie es, die nach einem gemeinsamen Hobby fragte. "Golf war uns zu langweilig, und wenn wir Tennis gespielt haben, gab es immer Ärger", erinnert sich Joa an die Zeit, als plötzlich ein Auto-Klassiker ins Spiel kam.

Anders als die meisten Spätberufenen hat sich der Franke nicht für einen Mercedes oder Porsche entschieden. Obwohl er im Alltag sehr wohl mit Oberklassemodellen aus Deutschland unterwegs ist, sollte es fürs Hobby ein Jaguar sein. "Ein Mercedes 300 SL oder ein Porsche 356 sind auch schön, aber für mich irgendwie nur alte Autos und keine echten Oldtimer", erklärt Joa seine Liebe zum Jaguar, der eben doch aus einer anderen Zeit stamme.

Optisch zumindest macht der Jaguar ganz auf Oldie. Joas Auto, ein offener Zweitürer mit Notsitzen im Fond, tritt noch ganz im Vorkriegsdesign an: mit großzügig verchromtem Kühlergrill, riesigen runden Haupt- und vielen kleinen Zusatzscheinwerfern, endlos langer Motorhaube, geschwungenen Kotflügeln, 58 auf Hochglanz polierten Speichen in den Felgen und lang gezogenem Heck. Technisch war der XK 150 ein Vorreiter. Er war das erste Serienfahrzeug, das mit Scheibenbremsen bestückt wurde. Vier Jahre zuvor hatte Jaguar diese damals revolutionäre Technik im Rennsport eingeführt und unter anderem deshalb 1953 das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewonnen, erzählt Tony O'Keeffe, der in Coventry die historische Sammlung der Briten leitet.

Wackerer Sechszylinder-Motor mit 225 PS

Joas Jaguar würde dem freundlichen Briten gut in den Fuhrpark passen. Der Wagen ist putzmunter. Einmal kurz den von einem noch älteren Oldtimer übernommenen Zündschlüssel gedreht und den Startknopf gedrückt, schon meldet sich lautstark der 3,4 Liter große Sechszylinder. Unterstützt von drei Doppelvergasern kommt er auf 225 PS. Der Motor hat nichts von seiner Kraft verloren. Natürlich fährt man mit dem Schmuckstück zurückhaltend, doch röhrt der Motor wie in alten Tagen.

Und kaum streichelt der Fuß das schlanke Gaspedal, macht die Katze einen Sprung nach vorn. Wer es darauf anlegen würde, könnte mit dem XK 150 auch heute noch den allermeisten Kraftmeiern nacheilen und über Rennstrecken und Bergpässe hetzen. Doch erstens bräuchte man dafür Oberarme wie ein Möbelpacker, um das spindeldürre aber baumscheibengroße Lenkrad zu bedienen. Und zweitens müsste man den Tanz zwischen den Pedalen wagen, denn jenseits von Schuhgröße 41 wird es im Fußraum eng.

Und so erfreut sich der Fahrer lieber am stattlichen Drehmoment des Sechszylinders, das jeden der vier Gänge automatisch zum Richtigen macht. Nur den elektrisch zuschaltbaren Overdrive hebt man am besten für die Autobahn auf. Auch wenn die Tachonadel manchmal ein wenig zwischen den nachträglich aufgeklebten km/h-Markierungen zuckt, braucht es selbst beim gemütlichen Bummel über Landstraßen nicht viel Phantasie, um das Sprintvermögen der Raubkatze zu erahnen: "140 Meilen pro Stunden sind kein Problem", schwärmt Joa. Das sind 225 km/h. Rücksicht auf das hohe Alter des Sportlers nimmt er nicht. Seit ihm der Mechaniker glaubhaft versicherte, dass Autos beim Fahren immer besser werden, dreht er den Motor gerne auch mal über 4000 Touren - und schimpft über den Vorbesitzer.

Zehn Jahre lang stand der Sportwagen in der Garage

Der hatte den 1958 gebauten Wagen aus den USA zurück geholt und drei Jahre lang in England restaurieren lassen. "Doch danach stand das Auto zehn Jahre in der Garage und wurde keinen Meter gefahren", klagt Joa. Doch seit vier Jahren ist damit Schluss. "Seit wir das Auto haben, sind wir damit im Jahr gute 10.000 Kilometer unterwegs", sagt er und zählt ein halbes Dutzend Rennen und Rallyes auf, bei denen der Klassiker schon antrat. Während andere Pretiosen als Trailer-Queen auf dem Anhänger anreisen, fahren die Eheleute Joa stets mit ihrem XK zum Start.

Glaubt man Sammler Joa, ist der XK150 heute einer des wertvollsten Jaguars überhaupt. Der berühmteste aber ist er nicht. Diese Ehre gebührt dem E-Type, der den XK 1961 nach nur vier Jahren Bauzeit ablöste und vielen Fans als der Jaguar schlechthin gilt. Die bessere Wertanlage allerdings ist der XK 150 - denn er ist das weitaus seltenere Auto. Joa taxiert die Preise für einen XK je nach Motor- und Karosserievariante auf 60.000 bis 140.000 Euro. "Den E-Type gibt es schon zwischen 35.000 und 60.000 Euro." Nachdem ihm vor ein paar Jahren auch noch ein offener Jaguar Mark V "zugelaufen" sei, denkt er jetzt über einen Markenwechsel nach. "Wenn es noch einen weiteren Wagen gibt, dann wird es ein Aston Martin."

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