60 deutsche Autos Der BMW 501

Ein Bayer mit dicken Backen: Die BMW-Oberklasselimousine 501 war der 7er der Wirtschaftswunderjahre und brachte es sogar zum Hauptdarsteller einer Krimi-Serie. Doch weil der "Barockengel" zu teuer war, wäre er für die Bayerischen Motorenwerke fast zum Sargnagel geworden.

BMW 501: Warum das Auto im Volksmund "Barockengel" hieß, wird unmittelbar deutlich. Die Oberklasse-Limousine fuhr jedoch weitgehend am tatsächlichen Mobilitätsbedarf der Nachkriegs- und Wirtschaftswunderjahre vorbei - zumal es bei BMW kaum Alternativen gab.

BMW 501: Warum das Auto im Volksmund "Barockengel" hieß, wird unmittelbar deutlich. Die Oberklasse-Limousine fuhr jedoch weitgehend am tatsächlichen Mobilitätsbedarf der Nachkriegs- und Wirtschaftswunderjahre vorbei - zumal es bei BMW kaum Alternativen gab.


Der Krieg hatte BMW besonders hart getroffen. Das Münchner Stammwerk war zerstört, das Eisenacher Werk hinter dem Eisernen Vorhang verloren. So konnten die Bayern erst 1951 ein neues Auto vorstellen: den Oberklassewagen 501, bestückt mit einem Sechszylindermotor, dessen Vorläufer schon den Vorkriegstyp 326 angetrieben hatte. Mit seinen geschwungenen Silhouette und den hinten angeschlagenen "Selbstmördertüren" war der Typ 501 alles andere als modern, dafür umso üppiger ausgefallen, was ihm schon bald den Spitznamen "Barockengel" einbrachte.

Mit 65 PS war die 1340 Kilogramm schwere Limousine jedoch hoffnungslos untermotorisiert. Deshalb schob BMW 1954 den 100 PS, später 140 PS starken Typ 502 nach, in dem der weltweit erste Leichtmetall-Achtzylinder zum Einsatz kam und den Wagen auf 160 oder sogar 175 Stundenkilometer beschleunigte. Der 502 war damit eine echte Alternative zum "Adenauer-Mercedes" 300, den das BMW-Modell in Agilität und Höchstgeschwindigkeit übertraf.

Folgerichtig versuchte BMW 1955 mit dem weiter entwickelten Prototypen 505, der schwäbischen Konkurrenz den prestigeträchtigen Kunden aus dem Kanzleramt abzujagen. Tatsächlich ließ sich Konrad Adenauer im BMW probechauffieren - doch als er mit dem Hut an die Dachkante stieß, so die Legende, war der Traum von der Bundesstaatskarosse aus Bayern ausgeträumt. Der "Alte" fuhr Benz bis zu seinem Tod, der 505 verschwand in der Versenkung.

15.150 Mark kostete der 501 bei der Markteinführung, 17.800 Mark verlangte BMW anfänglich für den 502 - was viel zu teuer war. Die groteske BMW-Modellpalette, die damals neben den Limousinen und den Luxus-Roadstern 503/507 nur Kleinstwagen wie die Isetta umfassten, brachte BMW schließlich in eine fast tödliche Klemme.

Das Unternehmen baue "Autos für Bankdirektoren und Tagelöhner", mokierte sich der "SPIEGEL" 1959 über das Dilemma der Bayern, die bis zum Produktionsende 1963 bei jedem der circa 22.000 gebauten "Barockengel" rund 4000 Mark draufgezahlt haben sollen. Da half es auch nichts, dass der Wagen bei der Polizei (und als Star der Fernsehserie "Funkstreife Isar 12") so beliebt war, dass er für die Behörden noch ein Weile weitergebaut wurde.

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insgesamt 2 Beiträge
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lemming51 14.10.2009
1.
Ja, was für ein Wägelchen. Kurven wie eine italienische Filmdiva aus den 50ern. Göttlich !!
olli1800 19.10.2009
2. 60 deutsche Autos: Der BMW 501
BMW baue "Autos für Bankdirektoren und Tagelöhner" soll "DER SPIEGEL" 1959 geschrieben haben. Das meint auch WIKIPEDIA im Beitrag zum "BMW 115" (Neue Klasse). Im gut sortierten SPIEGEL-online-Archiv ist diese Aussage im Jahre 1959 aber nicht zu finden. Vielmehr finden sich unter der Überschrift "Bayerns Gloria" im SPIEGEL 8/1965 vom 17.02.1965 die Zeilen "Das Unternehmen, das einst weltberühmte Flugmotoren, zum Beispiel für das Verkehrsflugzeug Ju 52, sowie renommierte Autos gebaut hatte, war 1959/60 am Ende. BMW fabrizierte damals nur Fahrzeuge für Tagelöhner und Generaldirektoren." Der 1959 lancierte BMW 700 brachte den erhofften Verkaufserfolg und ermöglichte die Entwicklung der "Neuen Klasse".
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