60 deutsche Autos Der Lloyd 300

"...steht am Berg und heult." Solche liebevoll gemeinten Sprüche kursierten unter Lloyd-Fahrern. Der Kleinwagen mit der Sperrholz-Karosserie und dem schwächlichen Motor war ein Minimalauto - aber ein Auto, und das bedeutete in der Nachkriegszeit schon etwas.

Der Lloyd 300: Ein Auto, das gerade mal das Nötigste bot und so zu einem Bestseller der frühen Nachkriegsjahre wurde. Der Kleinwagen mit Sperrholzkarosserie wurde von einem 300-Kubikzentimeter großen Zweizylinder-Zweitaktmotor mit 10 PS angetrieben.
AP

Der Lloyd 300: Ein Auto, das gerade mal das Nötigste bot und so zu einem Bestseller der frühen Nachkriegsjahre wurde. Der Kleinwagen mit Sperrholzkarosserie wurde von einem 300-Kubikzentimeter großen Zweizylinder-Zweitaktmotor mit 10 PS angetrieben.

Von Jürgen Pander


Der Lloyd 300 aus Bremen, gebaut von den Lloyd Motoren Werken, die zur Borgward-Gruppe gehörten, war Anfang der fünfziger Jahre der Automobil gewordene Materialengpass. Im Mai 1950 startete die Produktion des Fahrzeugs, dessen Karosserie aus einem Hartholz-Rahmen mit Sperrholz-Beplankung bestand, die mit Kunstleder überzogen war. Prompt zog sich das nicht einmal 500 Kilogramm schwere Wägelchen den Spitznamen "Leukoplastbomber" zu - weil es aussah wie ein scheinbar frisch verpflasterter Pkw.

Der Lloyd 300 war ein primitives Fahrzeug, verfügte jedoch über alle wesentlichen Merkmale - und er war billig. 3334 Mark kostete die Limousine anfangs; ab dem Frühjahr 1951 wurden auch ein Coupé und ein Kombi angeboten, die geringfügig mehr kosteten. Der 10-PS-Zweitaktmotor ähnelte stark den Vorkriegsmaschinen von DKW und beschleunigte das Auto auf maximal 75 km/h. An Steigungen allerdings ging dem Triebwerk rasch die Puste aus - die Kraft reichte einfach nicht aus, um Berge zügig zu erklimmen.

Lloyd legte daher 1953 mit dem Modell 400 nach, dessen Motor nun knapp 400 Kubikzentimeter Hubraum besaß und 13 PS leistete. Diese Maschine war einen Tick kräftiger, doch insgesamt änderte sich kaum etwas an den Fahrleistungen, denn auch das Fahrzeuggewicht nahm zu, weil nach und nach die Holzbauteile der Karosserie durch Stahlblech ersetzt wurden.

Für Besitzer des damaligen alten Vorkriegs-Führerscheins IV legte Lloyd auch ein Modell mit der Kennziffer 250 auf - wenig überraschend war dies mit einem 250-Kubik-Motor (11 PS) ausgestattet und galt als "Prüfungsangst-Auto". Der Wagen durfte nämlich mit der Fahrlizenz bewegt werden, die ehemals für Motorräder gedacht war.

Von den drei Kleinwagen-Typen 300, 400 und 250 baute Lloyd bis zum Jahr 1957 insgesamt 131.733 Exemplare. Um das Jahr 1955 herum stand die Marke Lloyd übrigens hinter VW und Opel an dritter Stelle der deutschen Zulassungsstatistik. Das kleine Auto dominierte den Markt unterhalb des VW Käfer - und wurde ab 1955 sukzessive vom Lloyd 600, später auch vom Lloyd Alexander, beide mit Viertakt-Motoren und eleganter Form, abgelöst.



insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
gsm900, 07.10.2009
1. Wer den Tog nicht scheut
Zitat von sysop"...steht am Berg und heult." Solche liebevoll gemeinten Sprüche kursierten unter Lloyd-Fahrern. Der Kleinwagen mit der Sperrholz-Karosserie und dem schwächlichem Motor war ein Minimalauto - aber ein Auto, und das bedeutete in der Nachkriegszeit schon etwas. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,653685,00.html
fährt Lloyd. Dagegen war die Rennpappe ja schon ein richtiges Auto.
rdiess 07.10.2009
2. Bin heute noch traumatisiert
Mein alter Herr musste mit dem 400er unbedingt nach Berchtesgaden in den Urlaub und natürlich auch auf die Höhenringstraße. Jede Steigung entsprach einer Panikattacke meinerseits (damals 4 Jahre alt).
tito, 07.10.2009
3. Lloyd 300-400-Alexander - Ente und R4
131.000 Autos - toll für die Zeit. Mit dem Mercedes 170V meiner Eltern konnte ich als Steppke immer meine Nase etwas höher halten, aber meine Achtung vor Lloyd ist im Laufe der Jahre gestiegen. Der Lloyd Alexander war allerdings ein Blender, was mir damals schon auffiel. Die Sehnsucht nach etwas Glamour war eben riesengroß. Retropsktiv hatten Ente und R4 ein konsequenteres Konzept.
A-Schindler, 08.10.2009
4. Schade das es solche Minimal Autos in D nicht mehr gebaut werden
Schade das es solche Minimal Autos in D nicht mehr gebaut werden, dabei wäre ein Markt da. Eine Zwischenklasse zwischen Roller und Auto In Japan gibt es die K-Klasse die die Größe und Leistung der Klasse Begrenzt, dafür mit günstiger Steuer und Versicherung lockt.
arnidee, 08.10.2009
5. First Car
Es war tatsächlich das erste Auto, in dem ich jemals fuhr, mein Vater hatte den Heinkel-Roller durch einen Lloyd-Kombi ersetzt. Kombi war wichtig, weil Werkzeug und Ersatzteile zum regelmäßigen Einsatz hinten drin mitgeführt wurden. Irgendwann kam der Käfer, der mich mehr prägte (deswegen habe ich wohl heute wieder einen ...) aber vom Lloyd blieben 'Leukoplastbomber' und 'wer den Tod nicht scheut, fährt Lloyd' - wir in der Familie haben ihn alle überlebt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.