60 deutsche Autos: Der Maybach

Von Jürgen Pander

Zwischen 1921 und 1941 wurden zum ersten Mal Luxusautos mit Namen Maybach verkauft. Später erwarb Daimler-Benz die Rechte - und erweckte die Marke im Jahr 2002 zu neuem Leben. Man wolle den Highend-Autobau umwälzen, hieß es anfangs. Doch die Revolution blieb aus.

Maybach 62: Die lange Variante des Luxuswagens aus dem Hause Daimler. Die Sitze im Fond können in eine Liegeposition gebracht werden und bei Bedarf jagt der 2,8-Tonner in 5,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 Zur Großansicht
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Maybach 62: Die lange Variante des Luxuswagens aus dem Hause Daimler. Die Sitze im Fond können in eine Liegeposition gebracht werden und bei Bedarf jagt der 2,8-Tonner in 5,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100

Gebaut wird das Auto in der Maybach Manufaktur in Sindelfingen, solvente Interessenten werden von einem sogenannten Personal Liaison Manager betreut, und sollte es mal ein Problem mit dem Auto geben, hilft ein Flying Doctor weiter. Kein Zweifel: Das Mutterhaus Mercedes ging das Projekt Maybach überaus gründlich an; sogar die Sprache wurde in Richtung Highend-Floskelei verformt. "Wie in der Vergangenheit wird der Name Maybach auch in Zukunft wieder der Inbegriff für höchste automobile Exklusivität und Eleganz sein", erklärte der damalige Mercedes-Vorstand Jürgen Hubbert.

Die Premiere geriet entsprechend großspurig. Das erste Auto wurde in einem gläsernen Container auf dem Sonnendeck der Queen Elizabeth 2 von Southampton nach New York überführt, dort unter anderem über die Wall Street chauffiert und dann an Irmgard Schmid-Maybach, die in San Francisco lebende Enkelin des Konstrukteurs und Marken-Urvaters Wilhelm Maybach übergeben. Fortan, so der Plan der Verantwortlichen, sollten jedes Jahr rund tausend Maybach-Modelle weltweit verkauft werden.

Dazu kam es bis heute nicht. Zwar werden die exakten Absatzzahlen des Luxusschlittens streng gehütet, doch fest steht, dass die angepeilte Stückzahl nie erreicht wurde. Bereits im ersten Jahr wurde die Prognose auf 800 Fahrzeuge reduziert - auch dieses Ziel wurde verfehlt. Die Konjunktur, die Konkurrenz durch Rolls-Royce und Bentley, die Positionierung - es lag wohl an Vielem, dass der Maybach bis heute nicht den Status erreicht hat, der ursprünglich mal angepeilt war.

Bei Bedarf gibt es auch Blattgold

Das Auto selbst jedenfalls bietet alles, was in dieser Liga erwartet wird. Der 5,5-Liter-V12-Motor leistet 550 PS, die Höchstgeschwindigkeit ist auf 250 km/h begrenzt, die Karosserie wird von einer elektronisch gesteuerten Luftfederung in der Schwebe gehalten und natürlich gibt es an Bord jedes erdenkliche Extra und gegen den entsprechenden Aufpreis auch Blattgoldauflagen oder andere Sperenzchen. Apropos Preis: Das 5,73 Meter lange, kleinere Modell Maybach 57 kostete anfangs 310.000 Euro netto, der Maybach 62 (Länge 6,17 Meter) war ab 360.000 Euro netto zu haben.

Inzwischen wurde das Portfolio durch ein rasanteres S-Modell erweitert, ebenso um ein Landaulet, das auf Bestellung gefertigt wird. Und eine Sonderserie namens Zeppelin gibt es auch. Was es noch nicht gibt, ist ein konkretes Zukunftsszenario für die Marke. Dabei hat Maybach in seinem zweiten Autoleben erst sieben Jahre hinter sich.

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1. Maybach und die Steuern
Klo, 04.11.2009
Zitat von sysopZwischen 1921 und 1941 wurden zum ersten Mal Luxusautos mit Namen Maybach verkauft. Später erwarb Daimler-Benz die Rechte - und erweckte die Marke im Jahr 2002 zu neuem Leben. Man wolle den Highend-Autobau umwälzen, hieß es anfangs. Doch die Revolution blieb aus. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,659009,00.html
Das bemerkenswerteste am Maybach ist zweifellos, dass fast 100% aller Fahrzeuge als steuerlich voll absetzbare Dienstwagen zugelassen sind. Nicht mal in Saudi-Arabien fährt jemand privat Maybach. Das bedeutet, dass in Deutschland der Steuerzahler jeden einzelnen Maybach subventioniert.
2. Weiterhin bemerkenswert ist...
hypermental 04.11.2009
...das der Maybach ein technisch veraltetes Auto ist (er beruht auf der vor-vorletzten S-Klasse) - die vielen Technikgadgets wie ein programmierbarer Parfümspender für mehrere tausend Euro Listenpreis lenken davon nur ab, können diese Tatsache aber nicht vollständig kaschieren. Außer in Dubai habe ich den Wagen nirgends im Straßenverkehr gesehen. Wenn ich ein Auto dieser Preislage kaufen "müsste" (selbst wenn ich das nötige Kleingeld dafür hätte, würde ich es aus ökologischen und sozialverträglichkeitsbedingten Gründen nicht tun), würde ich vermutlich zum aktuellen Rolls-Royce tendieren, der hat immerhin beheizte Fächer zum Trocknen von Regenschirmen in den Türen, das ist wirklich stilvoll. Da kann man auch darüber hinwegsehen, dass der Rolls aussieht wie eine fahrende Schrankwand. Überhaupt finde ich das Design der absolten Luxusfahrzeuge der heutigen Zeit meistens misslungen (der Maybach sieht wirklich aus wie eine veraltete S-Klasse nach einer Steroidbehandlung, der man eine Ruhrpott-Tuning-Zweifarblackierung verpasst hat) - die großen Karosseriers der Vorkriegszeit konnten es einfach besser: Luxus und Eleganz in automobile Formen übersetzen. Neben Maybach und Rolls-Royce fallen mir dabei v.a. Isotta-Fraschini, Hispano Suiza, Duesenberg und Bugatti ein (gerade Bugatti ist heute eine optische Katastrophe, wenn man bedenkt was man da für eine Mio. Euro bekommt).
3.
garfield, 04.11.2009
Zitat von hypermental...das der Maybach ein technisch veraltetes Auto ist (er beruht auf der vor-vorletzten S-Klasse) - die vielen Technikgadgets wie ein programmierbarer Parfümspender für mehrere tausend Euro Listenpreis lenken davon nur ab, können diese Tatsache aber nicht vollständig kaschieren. Außer in Dubai habe ich den Wagen nirgends im Straßenverkehr gesehen. Wenn ich ein Auto dieser Preislage kaufen "müsste" (selbst wenn ich das nötige Kleingeld dafür hätte, würde ich es aus ökologischen und sozialverträglichkeitsbedingten Gründen nicht tun), würde ich vermutlich zum aktuellen Rolls-Royce tendieren, der hat immerhin beheizte Fächer zum Trocknen von Regenschirmen in den Türen, das ist wirklich stilvoll. Da kann man auch darüber hinwegsehen, dass der Rolls aussieht wie eine fahrende Schrankwand. Überhaupt finde ich das Design der absolten Luxusfahrzeuge der heutigen Zeit meistens misslungen (der Maybach sieht wirklich aus wie eine veraltete S-Klasse nach einer Steroidbehandlung, der man eine Ruhrpott-Tuning-Zweifarblackierung verpasst hat) - die großen Karosseriers der Vorkriegszeit konnten es einfach besser: Luxus und Eleganz in automobile Formen übersetzen. Neben Maybach und Rolls-Royce fallen mir dabei v.a. Isotta-Fraschini, Hispano Suiza, Duesenberg und Bugatti ein (gerade Bugatti ist heute eine optische Katastrophe, wenn man bedenkt was man da für eine Mio. Euro bekommt).
Eben. AUSTAUSCHBAR is the word. Wenn man so viel Geld hinblättert, sollte auch das Design exceptionell sein. Für so'ne Kiste, die nicht mal anders aussieht als ein Mercedes, ist das im wahrsten Sinne des Wortes etwas zuviel verlangt.
4. Persönlich subventioniert
IPmotion 04.11.2009
Zitat von KloDas bemerkenswerteste am Maybach ist zweifellos, dass fast 100% aller Fahrzeuge als steuerlich voll absetzbare Dienstwagen zugelassen sind. Nicht mal in Saudi-Arabien fährt jemand privat Maybach. Das bedeutet, dass in Deutschland der Steuerzahler jeden einzelnen Maybach subventioniert.
Es kommt erschwerend hinzu, dass wir sehenden Auges miterleben mussten, wie erschreckend wenig nachdrücklich der Wagen und seine Möglichkeiten verkauft wurde. Von uns stammt der Internetzugang, gepackt in eine zehnmalteurere Businessoption, leider in keiner Preisliste zu finden und nur auf Nachfrage des Kunden angeboten. Das Abenteuer Maybach steht deshalb immer noch in unseren Büchern. Und als Gesellschafter habe ich zwei Mal bezahlt: Steuern und Lehrgeld
5. Saurier sterben aus
rogra 04.11.2009
Die Karre sieht langweilig aus . . da hätte man von einem Wagen wie zB Bentley erheblich lernen können. Andererseits sind Saurier dieser Art hoffentlich innerhalb der nächsten 50 Jahre obsolet . . Um nicht von Autoanbetern missverstanden zu werden: Ich habe im Alter von 35 bereits meinen 12-Zyl. Jaguar XJS gefahren, was ich heute angesichts der Umweltsituation nicht mehr tun würde. (Spass hats aber gemacht, ehrlich)
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