60 deutsche Autos: Der Melkus RS 1000

Von Markus Bruhn

In der Planwirtschaft war ein Auto wie dieses gar nicht vorgesehen. Was sollte ein zweisitziger Sportwagen zur Volksmobilität groß beitragen? Heinz Melkus baute dennoch ein solches Gefährt, zu Ehren des 20. Jahrestages der DDR-Gründung. Premiere war im April 1969.

Was möglich war - und vor allem was möglich gewesen wäre im DDR-Automobilbau - demonstriert der Melkus RS 1000 ziemlich eindrucksvoll. Hervorgegangen ist das Auto unter der Federführung des Fahrlehrers, Konstrukteurs und Rennfahrers Heinz Melkus aus der Arbeitsgemeinschaft Sportwagen. Entwickelt wurde der hinreißende Zweisitzer auf Basis des Wartburg 353, das Motortuning übernahm Melkus ebenso wie den Karosseriebau selbst. So entstand der "Zonen-Ferrari" - ein Flitzer mit Flügeltüren und einem auf 100 PS gekitzelten Zweitaktmotor, der das Auto bis zu 210 km/h schnell machte.

Melkus RS 1000: Der Flügeltürer aus Dresden war der DDR-Sportwagen schlechthin und dominierte auf zahlreichen Rennstrecken. Lediglich 101 Exemplare des Zweisitzers wurden von 1969 bis 1979 gebaut

Melkus RS 1000: Der Flügeltürer aus Dresden war der DDR-Sportwagen schlechthin und dominierte auf zahlreichen Rennstrecken. Lediglich 101 Exemplare des Zweisitzers wurden von 1969 bis 1979 gebaut

Die 80 Siege bei rund 200 gefahrenen Rennen von Firmengründer Heinz Melkus machen deutlich, wie genial die Konstruktion war. Der Melkus RS 1000 war das Aushängeschild des DDR-Motorsports und obendrein für den Straßenverkehr zugelassen. 101 Modelle wurden bis 1979 in Dresden gebaut - sie waren im Einheitsbild des Trabi und Wartburg die Hingucker schlechthin.

Für den normal situierten DDR-Bürger war das Rennsport-Coupé natürlich nicht erschwinglich. Zum einen war der Wagen schon wegen des Preises von circa 30.000 Ost-Mark kaum finanzierbar; zum anderen waren die richtigen Beziehungen nötig: Ohne den amtlichen "Nachweis einer rennsportartigen Tätigkeit" war der Melkus nicht zu erwerben. Der Nachweis jedoch wurde vom Allgemeinen Deutschen Motorsportverband (ADMV) nur in Ausnahmen ausgestellt. So blieb das Auto eine extreme Rarität auf den Straßen zwischen Ostsee und Erzgebirge und der RS 1000 erlangte mit der Zeit Kultstatus.

Firmengründer Heinz Melkus, in dessen Fahrschule bis zur Wiedervereinigung rund ein Drittel der Dresdner ihren Führerschein machten, entdeckte in den frühen fünfziger Jahren den Motorsport. Mit sechs DDR-Meisterschaften war er erfolgreichster Automobilsportler des Landes und so wurde der Fahrzeugbau bald ein zweites Standbein neben dem Fahrschulbetrieb.

Die kleine Werkstatt machte aus der Not eine Tugend und verfuhr nach dem Bauprinzip, alles zu nutzen, was zu bekommen war. Zahlreiche Einzelteile wurden aufwendig bearbeitet. Der Melkus ist eine Art Baukasten-Sportwagen. Die Plastikkarosserie samt Heckverkleidung stammte aus den "VEB Robour-Werke Zittau". Insgesamt wog der Wagen lediglich 780 Kilogramm.

Der RS 1000 (RS steht übrigens für Rennsport und 1000 für den ungefähren Hubraum) erlebt nun eine Renaissance: Unter der Regie von Sepp Melkus, ein Enkel des Firmengründers, wird ab November 2009 das Nachfolgemodell RS 2000 gefertigt.

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Gratulation
JensDD 16.07.2009
Zitat von sysopIn der Planwirtschaft war ein Auto wie dieses gar nicht vorgesehen. Was sollte ein zweisitziger Sportwagen zur Volksmobilität groß beitragen? Heinz Melkus baute dennoch ein solches Gefährt, zu Ehren des 20. Jahrestages der Gründung der DDR. Premiere war im April 1969. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,627904,00.html
daß dem Spiegel nun auch aufgefallen ist, daß östlich der Elbe auch Autos gebaut worden sind. Und nicht alle Trabants waren.
2. Smile
Mathesar 16.07.2009
Zitat von JensDDdaß dem Spiegel nun auch aufgefallen ist, daß östlich der Elbe auch Autos gebaut worden sind. Und nicht alle Trabants waren.
Jepp...101, um genau zu sein...
3. Was war das für ein Auto?
Hubert Rudnick 16.07.2009
Zitat von sysopIn der Planwirtschaft war ein Auto wie dieses gar nicht vorgesehen. Was sollte ein zweisitziger Sportwagen zur Volksmobilität groß beitragen? Heinz Melkus baute dennoch ein solches Gefährt, zu Ehren des 20. Jahrestages der Gründung der DDR. Premiere war im April 1969. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,627904,00.html
---------------------------------------------------- Es waren Autos die man nicht zu kaufen bekam und auch nicht für den täglichen Gebrauch benötigte, nur ein Spielzeug für gewisse Leute. Und so etwas wird auch heute wieder von der Firma Melkus hergestellt, kein Bedarf daran, vielleicht nur einige DDR Nostalgigka. Hubert Rudnick
4. kleine Verbesserung
acerba 16.07.2009
Auf die Gefahr hin, mich gleich mit meinem ersten Beitrag im Spiegelforum als Korinthenkacker zu disqualifizieren, muß ich anmerken, daß in Zittau LKW der Marke "Robur" - nicht "Robour" - zusammengesetzt wurden.
5. Kleine Verbesserung
acerba 16.07.2009
Auf die Gefahr hin, mich gleich mit meinem ersten Beitrag im Spiegelforum als Korinthenkacker zu disqualifizieren, muß ich anmerken, daß in Zittau LKW der Marke "Robur" - nicht "Robour" - zusammengesetzt wurden.
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