60 deutsche Autos Der Mercedes 180

Mit den Baureihen 180, 190 und 220 hielt die automobile Moderne auch in Sindelfingen Einzug: Es waren die ersten Mercedes-Modelle mit selbsttragender Karosserie, sie begründeten das sogenannte Baukastenprinzip - und verhalfen dem Dieselmotor im Pkw zum Durchbruch.

Mercedes Benz 180: Aufgrund der neuartigen Karosserie ist die Baureihe als Ponton-Mercedes bekannt - gebaut wurden die Typen 180, 190 und 220. Von 1953 bis zum Produktionsende 1962 liefen mehr als 550.000 Einheiten vom Band

Mercedes Benz 180: Aufgrund der neuartigen Karosserie ist die Baureihe als Ponton-Mercedes bekannt - gebaut wurden die Typen 180, 190 und 220. Von 1953 bis zum Produktionsende 1962 liefen mehr als 550.000 Einheiten vom Band


Man merkte der Rede des Mercedes-Chefs an, dass ihm die neue Linie des Hauses selbst noch nicht ganz geheuer war. Doch "ein allzu konservatives Beharren" auf dem Erreichten, so mahnte Fritz Könecke bei der Vorstellung des neuen Typ 180 im September 1953, könnte auf Dauer "die Unverkäuflichkeit der Produkte nach sich ziehen". Dieser unschönen Perspektive beugte der Konzern deshalb mit der vollständigen Erneuerung des Mercedes-Programms unterhalb des Top-Modells 300 vor.

Der neue Vierzylinder-Benz wurde im Deutschland der Nachkriegsjahre zum Inbegriff des "Wir sind wieder wer"-Automobils. Er war der erste Mercedes in Ponton-Form, also einer strömungsgünstigeren Karosserie mit integrierten Kotflügeln und einem rechteckigen Grundriss, der wesentlich mehr Platz im Innenraum schuf.

Der Typ 180 - zu dem sich in den Folgejahren der 190er sowie der 220er mit Sechszylinder-Motor gesellten - war zudem der erste Mercedes mit selbsttragender Karosserie. Die baute nicht mehr auf Rahmen oder Fahrgestell auf und war erheblich leichter. Und schließlich markierte die Baureihe die Einführung des Baukastensystems: Vom Handwerker- und Bauern-Benz 180/180 D über die gutbürgerlichen 190er-Versionen bis zum eleganten Typ 220 basierten die Ponton-Modelle nicht nur auf einer einheitlichen Plattform, sie unterschieden sich auch äußerlich nur in Nuancen, etwa der Menge des Chrom-Zierrats.

9950 Mark verlangte Mercedes 1953 für den 180er mit 52 PS, 10.300 Mark kostete die Diesel-Variante. Deren 40 PS erlaubten eine Höchstgeschwindigkeit von gerade 112 km/h. Dennoch wählten schon im ersten Produktionsjahr 44 Prozent der Käufer den "Traktor im Smoking", denn der Selbstzünder verbrauchte nur acht Liter auf 100 Kilometer - Taxifahrer und andere Gewerbetreibende wussten es zu schätzen.

Das obere Ende der Modellpalette bildeten die zweitürigen 220er-Coupés und -Cabriolets, deren elegant geschwungene Formen sich von der Karosse der Limousinen deutlich unterschied. Der enormen Beliebtheit des ersten Volksmercedes tat sein behäbiges Aussehen indessen keinen Abbruch: Als 1962, nach fast neunjähriger Bauzeit, die letzten Ponton-Limousinen das Werk verließen, hatte sich ihre Zahl auf mehr als 550.000 Einheiten summiert - und der schwäbische Autobauer war endgültig zum Massenhersteller aufgestiegen.

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insgesamt 2 Beiträge
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Dogbert, 12.10.2009
1. Haltbar und zuverlässig
war dieses Auto besonders im Vergleich zu seinen "Zeitgenossen". Seyfried stellte Ende der 70er noch den typischen Berliner Freak mit 180er-Schlüssel vor. Trotz aller Vorzüge, die Strassenlage war naja und das Design grausig. Auffällig ist, dass die aktuelle E-Klasse ausgerechnet den verunglückten Schwung am hinteren Kotflügel von diesem Modell geerbt hat.
avollmer 12.10.2009
2. Einmal und nie wieder
Ich habe eine einzige Fahrt mit dem 180D mitgemacht, im Alter von acht Tagen nach meiner Geburt. Danach hat mein Vater einen Citroen DS19 gekauft, da er der Meinung war, das wäre das bessere Auto für eine junge Familie. Wenn ich mir die Autos heute auf Ausstellungen ansehe und mich reinsetze, muss ich sagen, er hatte Recht. Zwischen den beiden Modellen, dem deutschen und dem französischen lagen und liegen Welten obwohl sie der gleichen Zeit entstammen. Auf der einen Seite das stahlgewordene Versprechen auf sicheres Ankommen im Bosch-Kühlschrank-Design der 50er auf der anderen Seite ein sanfter Gleiter durch die Weiten des irdischen Raums bei dem nicht das Ankommen, sondern das Reisen das Ziel war. Das eine teutonisches Barock für Mann mit Hut und Wackeldackel, das andere fanzözischer Neo-Existenzialismus für Mann mit Mut und Blick für wackelnde Hüften.
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