60 deutsche Autos: Der Opel Kapitän

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Opel als Platzhirsch in der Oberklasse? Heute nur schwer vorstellbar, doch Ende der fünfziger Jahre hängten die Rüsselsheimer mit dem Modell Kapitän den Konkurrenten Mercedes ab. Der Wagen war die erste Wahl für die Gewinner des Wirtschaftswunders.

Opel Kapitän: Die Rüsselsheimer setzten von dieser Serie mehr als 145.000 Autos ab Zur Großansicht

Opel Kapitän: Die Rüsselsheimer setzten von dieser Serie mehr als 145.000 Autos ab

In den zwanziger und dreißiger Jahren besetzte Opel mit dem Regent und dem 30/80 PS die automobile Oberklasse. Danach war zunächst Schluss mit Luxus, weil der neue Eigentümer General Motors seine Premiummarke Cadillac schützen wollte. Erst 1937 präsentierte Opel mit dem Admiral und ein Jahr später den kleineren Bruder Kapitän wieder Autos aus diesem prestigeträchtigen Segment vor.

Zwischen 1938 und 1970 liefen insgesamt 468.148 Exemplare der erfolgreichsten Baureihe Kapitän vom Band. Besonders beliebt war der P 2,6 (145.616 Fahrzeuge), der von 1959 bis 1964 für mindestens 9975 Mark verkauft wurde - nur zum Vergleich: Ein VW Käfer kostete 1962 rund 4200 Mark. Der Reihensechszylindermotor mit 2,6 Litern Hubraum leistete 90 PS und beschleunigte den Kapitän auf eine Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h. Das war jedoch nur ein theoretischer Wert, denn das weiche Fahrwerk war mit diesem Tempo durchaus überfordert.

Der "Herr von Welt" konnte im Kapitän standesgemäß zur Arbeit, zum Geschäftstermin oder mit der Familie in den Urlaub fahren. Das Auto war komfortabel, geräumig und äußerst robust und zuverlässig. Die entspannte Atmosphäre während der Landpartie konnte auf Wunsch noch gesteigert werden. Die Rüsselsheimer boten zum Beispiel ab 1960 ein dreistufiges Automatikgetriebe für 1300 Mark und ab 1962 eine Servolenkung (400 Mark) als Option.

Mittlerweile fast ein Schnäppchen

Die Modellpolitik der Kapitän-Baureihe prägten die Amerikaner. Deshalb gab es ab 1964 eine neue Serie. Der P2,6 - das P steht für die Panorama-Scheibe - wurde abgelöst durch das Dreigestirn KAD - Kapitän, Admiral und Diplomat. Die Unterschiede lagen lediglich in der Ausstattung und der Motorisierung. Das Flaggschiff Diplomat wurde angetrieben von einem V8-Aggregat, während im Kapitän noch immer einen Reihensechszylinder werkelte. Diese Autos hatten in der Oberklasse weit weniger Erfolg - Opel wurde von Mercedes und BMW überholt.

Für Oldtimer-Liebhaber ist der P 2,6 geradezu ein Schnäppchen. Gut erhaltene Modelle werden für rund 14.000 Euro gehandelt.

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1. 150 - kein Problem
Dogbert 12.12.2009
Ich bin meinen Kapitän 2.6 13 Jahre lang gefahren, und die Spitzengeschwindigkeit war für mich nie ein theoretischer Wert. Klar ist das kein Sportwagen, aber auf der Autobahn liegt er lässig und sicher. Nachdem die erste Maschine bei 150000 einen Lagerschaden hatte, habe ich eine neue vom Folgemodell eingebaut, da ging er dann 160. Kein deutsches Auto war vom Fahrgefühl den Ami-Strassenkreuzern näher als der Kapitän, gerade in der Ausführung mit Automatic und Servolenkung. Verkauft habe ich ihn nur, weil mir die 16 Liter Sprit auf 100 km einfach zuviel wurden, aber der Käufer war ein Liebhaber, und dieser Kapitän ist immer noch auf der Strasse.
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