60 deutsche Autos Der Trabant

Der "Anschluss an das Weltniveau" war in den ersten Jahren das große Ziel der DDR-Staatsführung. 1954 wurde in Ost-Berlin beschlossen, einen Kleinwagen entwickeln zu lassen, der eine ähnliche Funktion erfüllen sollte, wie sie der VW Käfer in Westdeutschland innehatte.

Der Trabant: Mehr als drei Millionen Exemplare der "Rennpappe" wurden zwischen 1957 und 1991 vom VEB Sachsenring Automobilbau Zwickau gebaut
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Der Trabant: Mehr als drei Millionen Exemplare der "Rennpappe" wurden zwischen 1957 und 1991 vom VEB Sachsenring Automobilbau Zwickau gebaut

Von Jürgen Pander


Ein erster Prototyp des künftigen Massenmobils, zunächst schlicht P50 genannt, war 1957 fertig. Das Auto erinnerte an den Borgward Lloyd aus Bremen, besaß aber keine hinten angeschlagenen sogenannten Selbstmörder-Türen mehr und kam gänzlich ohne Holzbauteile aus. Auf einer Bodengruppe aus Stahl saß ein Metallrahmen, der wiederum die Karosserie aus Duroplast trug. Als Motor kam ein 500-Kubik-Zweizylinder-Zweitakter zum Einsatz, der 18 PS leistete und das 620 Kilogramm schwere Auto auf maximal 90 km/h beschleunigte.

Ein recht ansprechendes Kleinwagen-Paket für die damalige Zeit, doch die Produktion kam nicht recht in Schwung. Lediglich 50 Exemplare wurden 1957 gebaut, die Serienproduktion begann dann erst im August 1958. Bis dahin wurden die beiden Zwickauer Autowerke AWS (Ex-Audi) und Sachsenring (Ex-Horch) sowie das Barkas-Werk (Ex-Famo) in Karl-Marx-Stadt zum neuen Produktionsverbund VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau vereinigt.

Der Trabant konnte endlich losknattern. Zunächst allerdings mit einer noch dunkleren Rauchfahne, denn die Graugusszylinder brauchten anfangs Benzin mit einem im Vergleich zu späteren Modellen recht hohen Ölanteil von mindestens vier Prozent. In rascher Folge kam es dann zu Verbesserungen des überaus spartanischen Mobils. Ab 1960 gab es neue Leichtmetallzylinder (Kraftstoff-Mischverhältnis 1:33), mit einer Motorleistung von 20 PS sowie eine Kombi-Version; 1961 erhielt das Auto eine bessere Ausstattung, 1962 ein synchronisiertes Getriebe und einen auf 600 Kubikzentimeter aufgebohrten Motor mit nun 23 PS.

Trabant - der Name sollte an die Sputnik-Satelliten erinnern

Den Namen Trabant übrigens hatte das Auto bereits im Debütjahr 1957 erhalten. Er war das Ergebnis eines Preisausschreibens und sollte an die damals noch ganz frischen Erfolge der russischen Raumfahrt mit den Sputnik-Satelliten erinnern. Doch so hochfliegend der Namensgeber, so trübselig die technische Realität.

Auch beim 1964 eingeführten neuen Trabant-Modell 601 blieb es beim Zweitaktmotor - immerhin leistete der nun 26 PS und das ganze Auto war um 18 Zentimeter in der Länge gewachsen. Ursprünglich sollte Ende der sechziger Jahre ein Nachfolger an den Start gehen, doch dazu kam es nicht. Bis 1990 wurde der 601 weiter gebaut. Zumindest gab es hin und wieder Modernisierungen wie etwa eine elektrische Scheibenwischwasch-Anlage (ab 1977) oder ein Zweikreis-Bremssystem (ab 1980).

Zuletzt gab es den Trabant auch mit VW-Motor

Im Herbst 1989 unternahmen die Verantwortlichen einen letzten Versuch, den Trabi, wie das Auto genannt wurde, auf die Höhe der Zeit zu hieven, indem sie von VW die Lizenz zum Nachbau des 1,1-Liter-Vierzylinder-Viertakters aus dem Kleinwagen Polo erwarben. Allerdings sollte dieser Trabant 1.1 mit VW-Motor 18.900 Ost-Mark kosten, doch als das Auto endlich verfügbar war, erstarb die Nachfrage. Denn da war der Vertrag zur Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion mit der Bundesrepublik bereits unterzeichnet.

Im April wurde die Trabant-Produktion nach 33 Jahren und insgesamt 3.051.385 Exemplaren beendet. Das Auto aber war da längst zum Symbol für die Unzulänglichkeiten des Planwirtschaftssystems der DDR geworden - und ist heute zudem ein gerngesehenes Relikt aus der Zeit, als die Motoren noch richtig rauchten.



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Gebetsmühle 08.09.2009
1. ein auto???
Zitat von sysopDer "Anschluss an das Weltniveau" war in den ersten Jahren das große Ziel der DDR-Staatsführung. 1954 wurde in Ost-Berlin beschlossen einen Kleinwagen entwickeln zu lassen, der eine ähnliche Funktion erfüllen sollte, wie sie der VW Käfer in Westdeutschland inne hatte. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,647046,00.html
der trabant ist ein auto? übertreiben sie jetzt nicht etwas?
Gegengleich 08.09.2009
2. Es bleibt dabei
Zitat von sysopDer "Anschluss an das Weltniveau" war in den ersten Jahren das große Ziel der DDR-Staatsführung. 1954 wurde in Ost-Berlin beschlossen einen Kleinwagen entwickeln zu lassen, der eine ähnliche Funktion erfüllen sollte, wie sie der VW Käfer in Westdeutschland inne hatte. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,647046,00.html
..und bei dem Beschluß blieb es... Es wurde zwar was entwickelt, aber mit dem Beschluß hatte das nichts zu tun! ;-)
xrmb 08.09.2009
3. Zweites Leben?
Wurden die Produktionsanlangen nicht nach Aegypten verkauft, und die haben ihn weiter produziert?
MGFirewater, 08.09.2009
4. Trabant-Studie bekannt als Golf I
das weltniveau war in den 70igern dann der vw golf I was dem trabant verwehrt wurde, schaffte dann der käfer nachfolger golf. dessen karosserie glich einer trabant-studie aus den 60igern bis ins kleinste Detail!. ob vw spioniert hat, oder ob die DDR-Regierung die konstruktion in den westen verkauft hat ist nicht bekannt.
MGFirewater, 08.09.2009
5. Trabant 603
Der Golf-Trabant ist als Studie Trabant 603 bekannt. "Die Entwicklungunterlagen zum "Trabant P 603" wurden im Volkswagenkonzern Wolfsburg "aufgegriffen" und es begann die Erfolgsstory des "VW-Golf 1" (Dr. Carl Hahn) - über die näheren Umstände liegt auch heute noch ein Tuch des Schweigens. Diese Entscheidung gilt heute als Wendepunkt in der Automobilgeschichte der DDR, deren Führung sich damit endgültig mit einer zweitklassigen Position in dieser Technologie abfinden mußte." Quelle http://www.trabant-museum.eu/
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