60 deutsche Autos Der VW Käfer

Kaum ein anderes Produkt hat die deutsche Nachkriegszeit so geprägt wie das Auto. SPIEGEL ONLINE stellt zum Jubiläum der Bundesrepublik 60 Fahrzeuge vor, die das Straßenbild prägten und Geschichte schrieben. Den Anfang macht - natürlich - der VW Käfer.


Wer je einen Käfer gefahren hat, wird sich sofort erinnern: an das kehlige Rasseln des Motors im Heck, an die immense Kopffreiheit unterm Dachgewölbe, an das flinke Fahrgefühl. Und natürlich an den speziellen Geruch, der das Auto erfüllte, wenn die Heizung eingeschaltet wurde. Kein anderes Modell prägte das deutsche Straßenbild so stark wie es der Käfer einst tat, kein zweiter Wagen transportierte das Gütesiegel "Made in Germany" so überzeugend auch noch in die entlegensten Ecken der Welt. Auf dem südpazifischen Eiland Nauru beispielsweise wurden 1967 drei VW Käfer verkauft.

VW Käfer: Mehr als 20 Millionen Stück wurden verkauft.

VW Käfer: Mehr als 20 Millionen Stück wurden verkauft.

Ferdinand Porsche hätte das bestimmt gefallen, denn der Käfer sollte von Anfang an ein universeller Volkswagen zu sein. Am 17. Januar 1934 hatte der Automobilkonstrukteur ein "Exposé betreffend den Bau eines deutschen Volkswagens" zu Papier gebracht. Rund zwei Jahre später war der erste Prototyp fertig - ein für die Zeit revolutionäres Automobil. Das Fahrwerk hatte Einzelradführung mit Drehstabfederung, die Bremsen arbeiteten mit mechanischer Verstärkung und der luftgekühlte Motor war in Gummiaufhängungen gelagert.

Gebaut wurden zunächst ausschließlich Prototypen und Versuchswagen - dann stoppten der Krieg und die Umstellung der Industrie auf Rüstungsgüter das Projekt. Das Werk bei Fallersleben, wo der KdF-Wagen, wie der Volkswagen im Nazi-Jargon hieß, gebaut werden sollte, lag bei Kriegsende im britisch besetzten Teil Deutschlands und wurde von der Militärregierung treuhänderisch verwaltet. Die beauftragte im August 1945 das Volkswagenwerk mit dem Bau von 20.000 Limousinen, deren Serienfertigung im Dezember anläuft.

21,5 Millionen Mal gebaut

Von der Erfolgsstory ahnt in diesen Zeiten des Mangels und der Provisorien noch niemand etwas. Doch die Entwicklung vollzieht sich zügig: Im August 1947 beginnt der Export, im Sommer 1948 lässt der neue Geschäftsführer des Volkswagenwerkes, Heinrich Nordhoff, drei Cabrio-Prototypen bauen, Anfang 1949 erreichen die ersten Volkswagen-Modelle die USA, 1950 wird die Produktionszahl von 100.000 Käfern überschritten.

Ab jetzt gibt es kein Halten mehr. Der Käfer läuft und läuft und läuft - von den Bändern und auf den Straßen. 1955 verlässt der einmillionste Käfer das Werk in Wolfsburg, eine Dekade später werden erstmals mehr als eine Million Käfer im Jahr gefertigt. Und am 17. Februar 1972 überflügelt das Auto, mit dem Adolf Hitler ursprünglich das deutsche Volk mobilisieren wollte, den bisherigen Weltrekordhalter, das Ford Model-T. An jenem Tag läuft der 15.007.034-ste Käfer vom Band.

Ein Höhepunkt für VW, zweifellos, doch in der Autowelt ist der Knubbel mit dem 50-PS-Boxermotor längst ein Anachronismus. Um ein Haar hätte sich VW mit der Käfer-Monokultur zugrunde gerichtet, doch gerade noch rechtzeitig bekamen die Wolfsburger die Kurve und ließen den Golf vom Stapel. Bis 1978 wird der Käfer noch gebaut, dann ist in Deutschland Schluss.

In anderen Ländern jedoch, darunter Peru, Nigeria oder Mexiko, rollt der Käfer weiter - bis zum 30. Juli 2003, als im mexikanischen VW-Werk in Puebla der allerletzte Käfer vom Band läuft. Als der Motor des finalen Modells zum ersten Mal anspringt, erklingt das vertraute Rasseln. Da war sie noch einmal, die Grundmelodie einer Ära, in der die Deutschen das Auto so lieb gewannen wie sonst nur Fußball, Bier und Blasmusik.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
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Wolfgang Jung 20.05.2009
1. Käfer-Geruch
Zitat von sysopKaum ein anderes Produkt hat die deutsche Nachkriegzeit so geprägt wie das Auto. SPIEGEL ONLINE stellt zum Jubiläum der Bundesrepublik 60 Fahrzeuge vor, die das Straßenbild prägten und Geschichte schrieben. Den Anfang macht - natürlich - der VW Käfer. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,624857,00.html
Ich finde, noch mehr als das Motorengeräusch bleibt der Geruch eines Käfers in Erinnerung, wenn man eingestiegen ist und die Türen geschlossen hat. Und er veränderte sich nie, egal, wie alt ein Käfer war.
pibaer, 20.05.2009
2. Schlecht recherchiert
Der Käfer war alles andere als revolutionär. Woher kommt denn diese schräge, für das Auto völlig unpassende Bezeichnung? Er basierte auf einer Konstruktion von Béla Barényi aus dem Jahre 1925. Die war 1934 eigentlich schon hoffnungslos veraltet. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sein Konkurrent, der Opel Kadett I von 1936, schon eine selbsttragende Karosserie mit Frontmotor und hydraulischer Bremsanlage hatte und zudem als 2- und als 4-Türer erhältlich war. Dagegen war der Käfer mit Rahmen, Seilzugbremse und Heckmotor ein Oldtimer von Anfang an.
W. Robert 20.05.2009
3. Von Mythen und Realitäten
Irgendwie erinnert die Geschichte des VW “Käfer” an einen Groschenroman. Dem Volke vom bösen Zauberer Adolfo jahrelang vorenthalten bahnt er sich seinen Weg in die Freiheit und wird nach einem Intermezzo als klassenloses Wirtschafts-Mobilitätswunder der Liebling der amerikanischen Intellektuellen und derart geadelt gar der Trendwagen der bewegten Jugend. Herbie wird zum Filmstar und erst die Ölkrise bricht dem inzwischen locker 12 Liter saufenden 1500er das Genick. Doch welch ein Wunder, wie Phönix aus der Asche wird im fernen Mexico ein neuer Beetle gebaut, aber er kann sich nicht mehr wirklich gegen den Trend anti-emotionaler Golfcaddies behaupten. Musste dem alten Käfer noch eine Höchstgeschwindigkeit von ca. 120 kmh genügen erreichen seine Nachfolger schnell mal das doppelte Tempo. Schon irgendwie irre. Der Rost, Hauptfeind aller Wirtschaftswunder-Karossen, hat inzwischen Millonen der Käfer gefressen, er ist zu einem seltenen Anblick auf der Straße geworden. Ehrlich gesagt konnte ich nie eine emotionale Bindung zu den oft kaputten Billig-VW meiner automobilen Frühzeit entwickeln. Autofahren machte zu dieser Zeit längst keinen Spass mehr, vor allem im ringsum von Mauern umgebenen Berlin. Wahrscheinlich bin ich auch eher ein Snob als ein Volkstümler. Ich werde bespielsweise nie verstehen, wie man heutzutage 50000€ für ein Auto ausgeben kann und doch nur in der “Vertreterklasse” landet:-)
Josef Ritter, 20.05.2009
4. Richtig
Zitat von pibaerDer Käfer war alles andere als revolutionär. Woher kommt denn diese schräge, für das Auto völlig unpassende Bezeichnung? Er basierte auf einer Konstruktion von Béla Barényi aus dem Jahre 1925. Die war 1934 eigentlich schon hoffnungslos veraltet. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sein Konkurrent, der Opel Kadett I von 1936, schon eine selbsttragende Karosserie mit Frontmotor und hydraulischer Bremsanlage hatte und zudem als 2- und als 4-Türer erhältlich war. Dagegen war der Käfer mit Rahmen, Seilzugbremse und Heckmotor ein Oldtimer von Anfang an.
Ich glaube es waren auch nur 34 PS.
wudi 20.05.2009
5. 24ps
Zitat von Josef RitterIch glaube es waren auch nur 34 PS.
Das mit 34PS hat bei dem Kaefer bis in die 60er gedauert. Der "Ur-Kaefer" hatte nur 24, dann 28 und 30PS.
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