60 deutsche Autos Die DKW Meisterklasse

In den Jahren des Wiederaufbaus war die Stromlinien-Karosse des Kleinwagens im westdeutschen Straßenbild allgegenwärtig. Bis in die sechziger Jahre konnte der DKW die blaue Fahne des Zweitakters hochhalten - dann wurde seinem Hersteller die überholte Technik zum Verhängnis


Nachdem die in Sachsen ansässige Auto Union 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht enteignet worden war, bauten ehemalige Mitarbeiter in Westdeutschland eine neue Fahrzeugproduktion auf. Mit dem Modell DKW F 89 Meisterklasse erschien 1950 der erste PKW des neu gegründeten Herstellers. Tatsächlich war der Wagen ein kluges Konglomerat aus zwei Vorkriegsmodellen: Auf die technische Basis des letzten Serien-DKW F8 von 1939 schraubte man die kaum veränderte Stromlinien-Karosse des Prototyps F9, dessen Einführung der Krieg verhindert hatte.

DKW Meisterklasse: Die Stromlinienform stammte noch aus der Vorkriegszeit, die technische Basis ebenso. Doch das Auto, das 1950 erschien, wurde in diversen Varianten noch bis 1964 gebaut

DKW Meisterklasse: Die Stromlinienform stammte noch aus der Vorkriegszeit, die technische Basis ebenso. Doch das Auto, das 1950 erschien, wurde in diversen Varianten noch bis 1964 gebaut

Limousine und Kombi, die zunächst von einem Zweizylinder-Zweitakter angetrieben wurden, verkauften sich zu Preisen ab zirka 6000 Mark auf Anhieb vorzüglich. Der einfache Kastenprofil-Rahmen animierte Karossiers wie Karmann und Hebmüller zum Bau eleganter Cabrio- und Coupé-Versionen, die trotz des happigen Preises von 9100 Mark ebenfalls tausende Abnehmer fanden. Und das, obwohl das 23-PS-Motörchen nur eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h erlaubte.

Kuriosum der Automobilgeschichte: In der DDR war ein Zwilling des DKW entstanden, natürlich ebenfalls unter Rückgriff auf das Modell von 1939. Bis 1956 wurden erst im früheren Audi-Werk Zwickau, dann in Eisenach insgesamt 40.663 Exemplare des IFA F9 montiert, der mit 30 PS Leistung deutlich kräftiger war als sein West-Pendant, sich optisch von diesem aber nur in der Grill-Gestaltung unterschied.

Aus der bundesdeutschen Meisterklasse wurde unterdessen die Sonderklasse, 1955 der Große DKW 3=6 (dessen Bezeichnung unterstellte, dass der Dreizylinder so laufruhig arbeite wie ein Sechszylinder) und zuletzt der DKW 1000 S. In 14 Produktionsjahren liefen von allen Baureihen 483.368 Einheiten vom Band. Doch das Design aus der Vorkriegszeit und der Zweitaktmotor erschienen Anfang der 60er Jahre rettungslos überholt.

1964 kam zwar mit dem F 102 ein DKW in zeitgemäßem Styling heraus, aber auch dieses 60-PS-Modell spuckte noch Zweitakterwölkchen - ein Anachronismus. 1965 war der Traditionshersteller am Ende und wurde von Volkswagen übernommen. Die Wolfsburger pflanzten der Karosse des letzten DKW einen modernen Viertaktmotor ein, ließen den Markennamen Audi wiederauferstehen - und schufen damit den Stammvater der Autos aus Ingolstadt, wie wir sie heute kennen.



insgesamt 2 Beiträge
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Agiluk 11.06.2009
1. Und Mercedes?
Wer hat denn den Mitteldruckmotor entwickelt, der den zum Audi mutierten F 102 antrieb?
aktivist 11.06.2009
2. kein Kuriosum - F9 Nachfolger aus der DDR
"Auf Grundlage des F9, unter Beibehaltung der Baugruppen Motor, Getriebe und Fahrwerk, aber bei Verlängerung des Radstandes, entstand in relativ kurzer Zeit die Wartburg-Baureihe mit vielen Karosserie-Varianten" (Quelle: DDR Motor-Jahr 78). Ende der 50er Jahre wurden in der DDR verschiedene Wartburg Limousinen-Ausführungen, Coupé, Cabrolet, Kombi und Camping entwickelt und gebaut. Das Sport-Coupé Wartburg 313 erhielt mehrere internationle Preise! Das gehört auch zu "60 DEUTSCHE AUTOS"!
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