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Motorenklang-Buch "Porsche Sounds": Hört hört, es röhrt

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Die Geräusche, die der Boxermotor eines Porsche 911 erzeugt, sind für Connaisseure weit mehr als schnöder Motorenlärm. Jetzt ist ein Buch erschienen, das den Klängen der schwäbischen Automarke huldigt -  und zwar in Bild und Ton.

Porsche Sounds: Das röhrt Fotos
Porsche - Historisches Archiv

Es klingt wie das Surren einer Nähmaschine, nur aggressiver. Erst stottert und spuckt es, dann dreht der Motor mit metallenem Klang auf, wird ratternd leiser, dann wieder lauter. Ein Auto, das auf einer Rennstrecke ein paar Runden dreht, dann ein anderes. Das eine ist der Porsche 356 Nr. 1 Roadster, das andere ein VW Käfer. Es ist absolut unüberhörbar; diese beiden Autoklassiker sind verwandt.



Und wenn man genau hinschaut, sieht man es auch. Zumindest auf dieser einen spektakulären Doppelseite in dem gerade erschienen Buch "Porsche Sounds". Links drei Bilder von Käfer-Prototypen aus den Dreißigern. Eines mit Ferry Porsche am Steuer, eines vor der Porsche-Villa, eines neben dem Sütterlin-Wegweiser "Dr. ing. h.c. F. Porsche". Rechts eine Wagenstudie aus der gleichen Zeit, die futuristischer nicht sein könnte: Es ist das Modell des T80, jener Porsche, der für Geschwindigkeitsrekorde konstruiert wurde. Und eigentlich, das ist sicher das Verblüffendste, meint man einen Käfer zu sehen - die gleichen hervorstehenden Radkappen, die gleiche Dachkuppel. Nur eben platt wie eine Flunder.



Das Buch ist eine bildstarke Hommage an alle jemals entwickelten Porschemodelle, an dem der Hamburger Edel Verlag zusammen mit dem Porschemuseum geschraubt hat. Die Texte sind vernachlässigbar, schließlich ist mit dem Autohersteller an Bord sowieso nichts Selbstkritisches zu erwarten, etwa über die Dreißiger Jahre, als Ferry Wagenkonzepte fürs Reichsverkehrsministerium entwickelte.



Für die eher technisch Interessierten gibt es selbstverständlich alle wichtigen Details: Drehmomente, exakte Beschleunigungswerte, Liter-Motor-Größe, Gewicht, Pferdestärken zu jedem Modell und jedem Untermodell; verfasst im leidenschaftlichen Tonfall von Jungs, die auf dem Pausenhof Autoquartett spielen. Doch was den Band so großartig macht, hat nichts mit dem Zahlenwerk zu tun.



22 Minuten startende, bummelnde, dahinjagende Porsches



Das Buch huldigt einem Detail der Autokultur, das langsam verschwindet: dem Motorengeräusch. Wer schon einmal neben einem Elektrofahrzeug stand, wer einen Hybrid fuhr oder fast von einem überfahren wurde, weiß, was in Zukunft fehlen wird: Das "Zong", das ein vorbeidüsendes Fahrzeug von sich gibt, der ratternde, spratzende Ton, der einst jedes Auto unverkennbar machte. Der einen Kadett wie einen Kadett klingen ließ, und einen Fiat 500 wie einen Fiat 500. Heute klingt ein Auto wie das andere.



Wie lange jene Zeiten sind her sind, wird klar, wenn man die CD mit den Motorengeräuschen einlegt. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass noch zwei weitere CDs beiliegen, eine mit Rockmusik, eine mit Klassik. Aber Uriah Heep, Nazareth und Vivaldi braucht kein Mensch, wenn eine Platte mit Motorsounds wartet. 30 Tracks sind es, chronologisch nach Entstehungszeit des Modells geordnet, zweiundzwanzigeinhalb Minuten startende, bummelnde, dahinjagende Porsches (Hörproben links im Kasten). Zuerst ein wenig den Motor aufheulen lassen, und noch einmal, und noch einmal. Dann langsam beschleunigen. Der Rest klingt nach Chicks on Speed, immer noch einen Gang höher. Mal brausen sie von rechts nach links, dann von links nach rechts, im Kreis. Bremsen? Iwo!



Die Luftgekühlten mit ihrem unverkennbaren Nähmaschinenklang rattern vorneweg. Die Klänge verheißen allesamt Charakter, umso erstaunlicher die Diskrepanz, hört man die Soundschnipsel, während man im cool gelayouteten Buch blättert und in aller Ruhe den Designlinien der Heckkarosserien und Fenstern anschaut. So entpuppt sich das Modell, das wie ein beleidigtes Motorrad klingt, als Legende der Sportwagen, als das 917 4.9 Coupé; die kuriose Tonmischung aus Rasenmäher und Rollschuh stammt vom Motor des noch schnelleren Rennwagens 917/30 Spyder.



Was früher wie ein Renner klang, erinnert heute an ein Rührgerät



Und was Ende der Siebziger als Rennwagen auf Weltmeisterniveau durchging, klingt heute eher wie ein Handrührgerät. Die Wassergekühlten brettern dann mit deutlich satterem Dröhnen hinterher, das metallene Surren wird schwächer, der Sound ist vollfett. Beim Anlassen spritzt das Benzin förmlich aus dem Auspuff, satt und feucht, wie beim Carrera GT. Der RS Spyder ist eine Oktave tiefer gelegt und kommt rau, naturbelassen, muskelbepackt daher, wie es sich für einen Rennwagen gehört, der es bis nach Le Mans schaffen will.



Der Porsche Cayenne klingt scharf und schnittig und die 911er, ehrlich, saufen mit ihrem Röhren tonmäßig im Vergleich total ab. Das dunkle Knattern des sensationellen 912ers, einem Notfall-Modell, das Ende der Sechziger nur für den US-Markt produziert wurde, fehlt dagegen leider völlig.



Überraschend ist: Je jünger die Porschemodelle, desto deutlicher treten die Sound-Reminiszenzen an die ersten Wagen hervor. Die Sounddesigner, die hier am Werk waren, wissen, was zum Markenkern des Zuffenhausener Wagenkonzerns gehört: Das luftgekühlte metallene Surren der Anfangsjahre. Die Irritation gelingt erneut. Man meint etwas Vertrautes zu hören, obwohl der letzte luftgekühlte Motor 1998 produziert wurde.



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