Abgewürgt Wie Dodge die Deutschen retten will

Tätowierte Hostessen und Proll-Sprüche: Der US-Automarke Dodge ist kaum ein Gag zu billig. Jetzt fordert die Chrysler-Tochter ihre Kundschaft zu gesteigerter Fruchtbarkeit auf - bei Vorlage des Schwangerschaftstests gibt es Rabatt aufs Auto. Ob das hilft?

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Für ihren Feinsinn ist die Chrysler-Tochter Dodge nicht unbedingt bekannt. Auf der letzten IAA ließ das Unternehmen seine Hostessen in einem Outfit antanzen, in dem man auch gut in einem Offenbacher Tabledance-Club hätte kellnern könnte: hochhackige Schuhe, freizügige Kleidchen und großflächige Tattoos.

Die Damen räkelten sich lasziv auf den Fahrzeugen und zeigten den Pressefotografen, was man bei Chrysler unter Maschinenerotik versteht. Subtil geht anders. Aber Dodge, so hat es ein Kollege einst formuliert, ist eben der Atze Schröder unter den Automarken. Ordentlich rumzuprollen ist eine interessante Verkaufsstrategie - die aber in Deutschland anscheinend nicht gut funktioniert. Im August sank der Chrysler-Absatz gegenüber dem Vorjahresmonat laut "Automobilwoche" um über 35 Prozent auf gerade noch 986 Autos.

Um ein paar mehr Wägelchen vom Hof zu bekommen, versucht es das Unternehmen deshalb jetzt mit der Werbeaktion "Dodge lässt Helden zeugen".

Oh weh, das deutsche Volk verglimmt

"Mit statistisch nur 1,37 Kindern pro Frau", mahnt Dodge in einer Mitteilung, "glimmt Deutschland als trübes Schlusslicht in Europa, ja der ganzen Welt". Diese suboptimalen Geburtenraten veranlassten "die Marke Dodge zum Handeln".

Gott sei Dank, endlich tut einer was! Deutschland verglimmt und man fragt sich, warum die deutlich größeren und besser ausgestatteten Pressestäbe gewisser Dodge-Wettbewerber aus Stuttgart oder München nicht schon längst auf die Idee gekommen sind, die Deutschen per automobiler Wurfprämie vor dem Aussterben zu bewahren.

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Vielleicht halten Daimler und BMW Schwangerschaften für Privatsache. Vielleicht befürchten sie, dass Kinderprämien in Deutschland ein gewisser historischer Hautgout anhaftet. Vielleicht sind die heimischen Hersteller auch einfach viel zu beschäftigt damit, Autos zu verkaufen - ein Problem, dass man bei Chrysler Deutschland wahrlich nicht hat. Entsprechend bleibt Zeit, ein bisschen Bevölkerungspolitik zu machen.

Familien, die bei Dodge das Van-Modell Journey kaufen, bekommen die Leasingrate für neun (fein ausgedacht!) Monate gestundet. Dazu muss lediglich die Trächtigkeit der Frau per ärztlichem Attest nachgewiesen werden. Der Kunde bekommt den Rabatt übrigens auch ohne erfolgte Empfängnis - steht dann allerdings ein bisschen unter Zugzwang.

Jetzt aber husch ins Bettchen

"Unentschlossene können die Incentivierung auch noch bis zu neun Monate nach dem Aktionszeitraum geltend machen", heißt es bei Dodge. Oder anders gesagt: Wer ohne dicken Bauch beim Händler aufläuft, muss sich nach dem Kauf mächtig ins Zeug legen, um einen Konzeptionsnachweis vor Ablauf der Frist sicherzustellen.

Spätestens beim Aufziehen der Winterreifen muss sich die Kundin sonst wohlmöglich in ihrer Chrysler-Werkstatt fragen lassen, warum sie immer noch nicht schwanger ist.

So macht Kinderkriegen Spaß. Findet man zumindest bei Dodge. Damit auch der Letzte diesen Fips-Asmussen-Humor versteht, erklärt der Pressetext, dies sei "die erste Incentivierung im Auto-Segment, die man sich im (Bei-)Schlaf verdienen kann".

Es bleibt zu hoffen, dass es auch die letzte ist.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
jayred 29.09.2008
1. sehr schön.
wenn man sich als fast-neuling in einem automarkt wie dem deutschen so positioniert, braucht es eigentlich keinen experten um zu sehen, dass dieses unternehmen nicht versteht, wie der markt funktioniert. mein persönliches fazit: weiter so, dodge. dann muss man sich wenigstens keine sorgen machen, dass sich diese spritschlucker mit ihrem in viel blech gepresstem testosteron tatsächlich auf hiesige straßen verirren.
grossermanitu 29.09.2008
2. Gelungener Artikel
Köstlicher Artikel. Schmunzel jetzt noch über einige Passage. Gratulation Thomas Hillenbrand? Bitte mehr davon.
grossermanitu 29.09.2008
3. Gelungener Artikel
Köstlicher Artikel. Schmunzel jetzt noch über einige Passage. Gratulation Thomas Hillenbrand! Bitte mehr davon.
RogueFive 29.09.2008
4. Typisch Deutsch
Nachdem Kreativitaet ja nun lange keine deutsche Domaene mehr ist, muss natuerlich jeder auslaendische Ansatz diskreditiert werden, damit das Seelenheil erhalten bleibt. Klar, Dodge in Deutschland ist keine Erfolgsgeschichte ... was aber doch eher an den typisch amerikanischen Produkten liegt als an einer verfehlten Marketingstrategie. Warum also nicht den unkonventionellen Ansatz, fuer den Dodge bekannt ist, auch auf dem deutschen Markt ausprobieren? Ginge es hier um einen deutschen Autobauer, wuerde hier eher das grosse Klagelied ueber die Schlechtigkeit des Seins erklingen. Jammern aufhoeren, anpacken, nach vorne schauen ... alles Dinge, die in DE zusehens in Vergessenheit geraten.
helivox 29.09.2008
5. Wird wohl kein Dodge werden
Den Dodge Journey find ich ganz praktisch und auch optisch recht gut gelungen. Vermutlich wird es aber bei dieser Art der Werbung und Imagebildung von Seiten Dodge kein Auto dieser Marke werden beim nächsten Kauf.
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